Letzter Solarglashersteller der EU vor dem Aus

📰 Rettungsversuch gescheitert In der Lausitz ist der Rettungsversuch für die Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz endgültig gescheitert: Nach dem Rückzug eines Investors stehen rund 220 Beschäftigte vor dem Aus. Die Industriegewerkschaft IG BCE spricht von einer „industriepolitischen Kapitulation“ und kündigt Proteste für den kommenden Montag an. Mit der Schließung verliert die EU ihren letzten Solarglashersteller – eine Wegmarke mit Signalwirkung für die gesamte Wertschöpfungskette der Solarbranche.

🗂️ Hintergrund Das Unternehmen stand seit dem Sommer unter Insolvenzschutz, die Belegschaft arbeitete über Monate in Kurzarbeit. Der seit 2022 mehrheitliche Eigentümer Borosil aus Indien hatte in einer Präsentation für Analysten die tägliche Kapazität von 350 Tonnen aus der Planung gestrichen – ein deutliches Indiz dafür, dass der Standort intern abgeschrieben war. Nach früheren Krisen, die das Werk 2009 noch überstand, markiert der nun abgesprungene Investor die endgültige Zäsur. Parallel konnte der Solarzellenhersteller Meyer Burger seine ostdeutschen Werke nicht halten; das Inventar wird versteigert.

📣 Bestätigung und unmittelbare Folgen Der vorläufige Insolvenzverwalter Knut Rebholz bestätigte den Investorenausstieg. Die Beschäftigten werden ab Dezember freigestellt, Kündigungen sollen bis spätestens März folgen. Die IG BCE warnt, die EU mache sich im „zentralen Bereich der grünen Transformation“ vollständig abhängig von subventionierten Importen aus Asien. Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller von der SPD nannte die Entwicklung „fatal“ und verwies auf ein aus seiner Sicht unzureichendes Vorgehen des Bundes gegen Preisdumping aus China.

🏭 Industriepolitische Dimension Der Fall Tschernitz wird zum Symbol einer ins Stocken geratenen Industriepolitik in Ostdeutschland. Mit dem Wegfall des letzten Solarglasherstellers in der EU drohen Brüche in der gesamten Solarwertschöpfungskette, Abhängigkeiten von Importen wachsen und strategische Spielräume schrumpfen.

📌 Kernfakten zum Standort Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Rund 220 Beschäftigte betroffen; Freistellung ab Dezember, Kündigungen bis spätestens März.
  • Seit Sommer unter Insolvenzschutz; monatelange Kurzarbeit.
  • Mehrheitseigentümer seit 2022: Borosil aus Indien; geplante Tageskapazität von 350 Tonnen intern gestrichen.
  • Investorenausstieg durch den vorläufigen Insolvenzverwalter Knut Rebholz bestätigt.
  • IG BCE spricht von „industriepolitischer Kapitulation“ und kündigt Proteste am Montag an.
  • Mit der Schließung verliert die EU ihren letzten Solarglashersteller; Parallelen zur Lage bei Meyer Burger mit Versteigerung des Inventars.

🧭 Fazit und Ausblick Das Aus für Tschernitz offenbart strategische Schwächen der deutschen Industriepolitik: hohe Energiekosten, zögerlicher Schutz vor Dumping sowie unsichere Förderkulissen in energieintensiven Branchen. Wer Versorgungssicherheit in Zukunftstechnologien ernst nimmt, braucht verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Entscheidungen und wirksame handelspolitische Instrumente. Andernfalls droht der schleichende Verlust weiterer Schlüsselkompetenzen – mit langfristigen Folgen für Beschäftigung, Wertschöpfung und technologische Souveränität.

🗨️ Kommentar der Redaktion Diese Entwicklung ist ein Alarmsignal für den Industriestandort. Der Staat muss seine Hausaufgaben machen: Energiekosten senken, Preisdumping wirksam abwehren und Förderinstrumente verlässlich gestalten. Wer die grüne Transformation politisch fordert, darf kritische Wertschöpfung nicht dem Subventionswettlauf in Asien überlassen. Halbherzige Maßnahmen und langwierige Verfahren beschleunigen Deindustrialisierung. Es braucht klare Prioritäten zugunsten der Produktion im Land – sonst wird aus dem Einzelfall ein Muster.

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