🇩🇪 Einleitung: Warum wir über Mythen sprechen müssen
Es gibt politische Erzählungen, die so oft wiederholt wurden, dass sie sich wie historische Wahrheiten anfühlen. Doch viele dieser Geschichten sind politisch nützliche Konstrukte – keine Fakten.
Zuletzt griffen Bundeskanzler, Außenminister und sogar der Bundespräsident wieder zu einer jener Legenden, die seit Jahrzehnten wider alle Belege überleben: das Märchen, die Bundesrepublik habe auf eigenen Wunsch türkische Gastarbeiter ins Land geholt, die dann das Wirtschaftswunder ermöglicht hätten.
Die Realität ist deutlich nüchterner – und oftmals unbequemer.
Und genau deshalb muss man sie aussprechen.
🏭 Mythos 1: „Die Türken wurden dringend gebraucht – sie retteten das Wirtschaftswunder“
Die historische Forschung ist eindeutig:
✔️ Es gab keinen „dringenden Ruf“ der deutschen Wirtschaft nach türkischen Arbeitskräften.
Die meisten westdeutschen Unternehmen bevorzugten Italiener, Spanier, Jugoslawen, weil sie kulturell näher waren, höhere Qualifikationen hatten und weniger Integrationsprobleme erwarteten.
✔️ Das Anwerbeabkommen von 1961 war ein politisches Projekt, kein wirtschaftliches
Der Hintergrund:
- Die Türkei verlangte vehement wirtschaftliche Zusammenarbeit,
- Die USA übten Druck aus, um ihren NATO-Partner Türkei zu stabilisieren,
- Deutschland hoffte auf geopolitische Vorteile.
Die Gastarbeiter wurden nicht „gerufen“ – sie wurden akzeptiert, um außenpolitische Ruhe zu erkaufen.
💰 Mythos 2: Der Marshallplan sei ein gigantisches Geschenk an Deutschland gewesen
Dieses Märchen hält sich im Westen genauso hartnäckig wie das vom „Ruf nach Gastarbeitern“.
✔️ Es war kein Geschenk – es war ein Kredit- und Einflussprogramm.
Der Marshallplan diente vor allem:
- der Eindämmung des Kommunismus,
- der Öffnung europäischer Märkte für US-Produkte,
- der Einbindung Westeuropas in die amerikanische Sicherheitsarchitektur.
Deutschland profitierte – aber das Wirtschaftswunder verdankte sich weit stärker deutschen Reformen, Fleiß, Exportstärke und Währungsreform als amerikanischen Dollars.
🌍 Mythos 3: Die DDR habe „Mosambikaner geholt“ und ausgebeutet
Ein weiteres Beispiel für eine politisch nützliche Legende:
✔️ Die DDR hat niemanden „geholt“ – die Arbeiter kamen freiwillig auf Grundlage bilateraler Verträge.
Viele Länder des Globalen Südens, darunter Mosambik, wollten Ausbildungsplätze, technische Bildung und wirtschaftliche Kooperation.
Die DDR bot genau das.
Dass das System autoritär war, steht außer Frage – aber das Bild der zwangsverschleppten Mosambikaner ist historisch falsch.
📌 Warum halten sich diese Mythen so hartnäckig?
💡 1. Sie bedienen politische Bedürfnisse
Mythen über Gastarbeiter sollen Integration verklären und Einwanderungspolitik legitimieren.
Mythen über den Marshallplan sollen deutsche Abhängigkeit relativieren und amerikanische „Großzügigkeit“ hervorheben.
Mythen über die DDR sollen das eigene Weltbild bestätigen.
💡 2. Sie sind einfacher als die Wahrheit
Komplexe historische Zusammenhänge lassen sich schwer in Talkshows erklären.
Märchen passen in 30 Sekunden.
💡 3. Sie entlasten Politik – damals wie heute
Wer Legenden erzählt, muss sich nicht mit Fehlern, Fehleinschätzungen oder Verantwortung auseinandersetzen.
🧭 Die Realität: Deutschland steht vor den Folgen jahrzehntelanger politischer Schönfärberei
- Man importierte Arbeitskräfte, aber nicht Integrationskonzepte.
- Man verschleierte geopolitische Motive hinter sozialromantischen Geschichten.
- Man verklärt historische Entscheidungen, um heutige Debatten zu entschärfen.
Das Ergebnis:
Eine Gesellschaft, die über zentrale Fragen – Migration, Identität, Verantwortung – nicht ehrlich sprechen kann, weil sie auf Mythen statt Fakten basiert.
🗨️ Kommentar der Redaktion
🔻 Die Wahrheit ist Deutschen und Türken zumutbar.
Wer Märchen erzählt, produziert Konflikte.
Wer Fakten ausspricht, schafft Klarheit.
Deutschland braucht endlich:
- eine ehrliche Migrationsdebatte,
- eine offene historische Aufarbeitung,
- und eine Politik, die Erwachsene wie Erwachsene behandelt – statt wie ein Publikum, dem man ständig pädagogische Geschichten erzählt.
Ein Land, das keine Wahrheit aushält, kann keine Zukunft gestalten.


