đ° Auftakt unter Hochdruck In der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) treffen Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump am Rande des APEC-Gipfels in SĂźdkorea zusammen. Nach Monaten der Eskalation, in denen Washington als Reaktion auf Pekings verschärfte Exportkontrollen â insbesondere bei Seltenen Erden â mit zusätzlichen 100-Prozent-ZĂśllen drohte, zeichnet sich erstmals wieder Gesprächsbereitschaft ab. Beide Seiten kommen unter hohem Erwartungsdruck an den Tisch.
đ Hintergrund und Konfliktlinien Die Kernkonflikte sind seit Jahren dieselben: Technologie, Handel und Geopolitik. Die USA haben seit Oktober 2023 die Exportkontrollen fĂźr Hochleistungschips schrittweise verschärft; Peking reagierte mit Gegenmassnahmen, darunter engere Regeln fĂźr den Export von Seltenen Erden. In den USA wächst zugleich innenpolitischer Druck, etwa von Sojafarmern, die auf verlässliche Absatzkanäle nach China angewiesen sind. China drängt seinerseits auf die RĂźcknahme neuer US-HafengebĂźhren fĂźr chinesische Schiffe. Erfahrungen frĂźherer Begegnungen mahnen zur NĂźchternheit, denn Phasen der Entspannung blieben meist temporär.
đşđ¸ Forderungen aus Washington Aus Sicht Washingtons steht ein faires Handelsarrangement im Vordergrund, das rasch sichtbare Resultate liefert. Die Gesprächsbereitschaft ist an harte Hebel gekoppelt: die Androhung von 100-Prozent-ZĂśllen ab November. Zudem verlangt die US-Seite Lockerungen chinesischer Exportbeschränkungen bei Seltenen Erden und die Ăffnung der Agrarmärkte, insbesondere fĂźr US-Sojabohnen. DarĂźber hinaus versucht Trump, Xi zu einer aktiveren Rolle gegenĂźber Moskau zu bewegen, um Bewegung in mĂśgliche Gespräche zum Ukraine-Krieg zu bringen. Politisch kalkuliert das Weisse Haus offenbar mit einem schnellen Dividendeneffekt, der unzufriedene Wählergruppen beruhigt und die Erzählung eines Deals stĂźtzt.
đ¨đł Pekings Prioritäten Peking priorisiert die Lockerung amerikanischer Halbleiter-Restriktionen, denn seit der jĂźngsten Ausweitung der US-Kontrollen hat China faktisch keinen legalen Zugang zu technologisch fĂźhrenden Chips. Die Gegenmassnahmen bei Seltenen Erden begrĂźndet die FĂźhrung mit nationaler Sicherheit: Diese Materialien sollen nicht in ausländische RĂźstungsprogramme einfliessen. Zudem drängt China auf die RĂźcknahme neuer US-HafengebĂźhren. Strategisch setzt Xi auf Langfristigkeit, vermeidet kurzfristige Zugeständnisse und will strukturelle Abhängigkeiten in kritischen Branchen â Chips, KI, Rohstoffe â minimieren. Das asymmetrische Zeitverständnis beider Seiten macht schnelle DurchbrĂźche unwahrscheinlich.
đ¤ Taktische Entspannung mĂśglich Die Begegnung erĂśffnet Chancen fĂźr eine Zoll-Pause, punktuelle Erleichterungen bei Agrar- und Technologielieferungen sowie die Reaktivierung belastbarer Gesprächskanäle. Ein substanzieller Interessenausgleich bleibt indes fern: Zu tief sind die Gräben in der Technologiepolitik und zu hoch die sicherheitspolitischen Vorbehalte. Daher dĂźrfte jede Annäherung eng begrenzt und reversibel sein.
đ Messlatte und Erwartungen Erfolg wird sich weniger an grossen Bildern als an ĂźberprĂźfbaren Schritten messen lassen. Realistische Benchmarks sind konkrete Lieferzusagen, klar formulierte Lockerungen und funktionierende Kommunikationsformate. Historische Muster sprechen dafĂźr, Erwartungen konservativ zu kalibrieren und kurzfristige Schlagzeilen nicht mit belastbarer Entspannung zu verwechseln.
đ¨ď¸ Kommentar der Redaktion Die Rhetorik der Annäherung darf nicht Ăźber die strukturellen Gegensätze hinwegtäuschen. Wer Stabilität will, setzt auf harte Konditionen, klare Fristen und ĂźberprĂźfbare Zusagen â nicht auf symbolische Gesten. Ohne substanzielle Bewegung bei Chips, Seltenen Erden und Marktzugängen bleiben Zollpausen politisches Theater. Beide Seiten wĂźrden gut daran tun, sich an ĂźberprĂźfbaren Minimalzielen zu binden; alles andere ist Wunschdenken. Kurz: Lieber ein kleiner, belastbarer Schritt als die nächste grosse Enttäuschung.


