Zittau. Einen „König von Zittau“ im eigentlichen Sinn hat es nie gegeben. Die Stadt war über Jahrhunderte Teil größerer Reiche – erst böhmisch, dann habsburgisch, schließlich sächsisch. Doch die Frage, wer der letzte König war, der über Zittau herrschte, führt tief in die wechselvolle Geschichte der Oberlausitz.
🏰 Mittelalter: Böhmen und die Entstehung der Sechsstädte
Zittau wurde 1238 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. und 14. Jahrhundert war die Stadt fest in das Königreich Böhmen eingebunden. Besonders prägend:
- Ottokar II. Přemysl (1253–1278): Unter seiner Herrschaft wuchs die Bedeutung der Oberlausitz. Er war ein König, der die Region militärisch sicherte und wirtschaftlich förderte.
- Karl IV. (1346–1378): Römisch-deutscher Kaiser und König von Böhmen, machte Prag zum kulturellen Zentrum Europas. Unter seiner Regentschaft wurde 1346 der Bund der Oberlausitzer Sechsstädte gegründet, dem auch Zittau beitrat. Dieser Bund verlieh Zittau großen politischen Einfluss und Schutz.
⚜️ 16.–17. Jahrhundert: Habsburger Herrschaft
Nach dem Tod Ludwigs II. von Böhmen 1526 ging die böhmische Krone an die Habsburger Dynastie. Damit kam auch Zittau indirekt unter die Herrschaft der mächtigen österreichischen Kaiser.
Die Oberlausitz blieb zwar formal Teil des böhmischen Königreichs, war aber faktisch in das Habsburgerreich integriert. Für Zittau bedeutete das: mehr Stabilität, aber auch größere Steuerlasten und Abhängigkeit.
🦅 1635: Übergang an Sachsen
Ein entscheidender Wendepunkt kam mit dem Prager Frieden 1635, mitten im Dreißigjährigen Krieg. Kaiser Ferdinand II. übertrug die Oberlausitz an den Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen. Von da an war Zittau nicht mehr böhmisch, sondern sächsisch.
Die Stadt blieb jedoch weiterhin stark geprägt vom sorbisch-böhmischen Erbe und war ein wichtiger Handelsort zwischen Sachsen, Schlesien und Böhmen.
👑 1806–1918: Zittau im Königreich Sachsen
1806 wurde das Kurfürstentum Sachsen im Zuge der napoleonischen Kriege zum Königreich Sachsen erhoben. Damit hatte Zittau erstmals einen „König“ als direkten Landesherrn.
Wichtige Könige:
- Friedrich August I. (1806–1827): Erster König von Sachsen, ein enger Verbündeter Napoleons.
- Johann (1854–1873): Gelehrter König, der als Übersetzer Dantes bekannt wurde.
- Friedrich August III. (1904–1918): Der letzte König von Sachsen – und damit der letzte Monarch, unter dem Zittau stand.
🛑 Ende der Monarchie
Mit der Novemberrevolution 1918 endete die sächsische Monarchie. König Friedrich August III. dankte ab. Sein berühmter Abschiedssatz soll gelautet haben: „Macht doch eiern Dreck alleene!“
Damit war auch für Zittau die Zeit der Könige vorbei. Seitdem gehört die Stadt zum Freistaat Sachsen und damit zur demokratischen Ordnung.
📝 Kommentar der Redaktion
Zittau hatte keinen eigenen König – aber Könige bestimmten Jahrhunderte lang die Geschicke der Stadt. Vom böhmischen Karl IV., der den Bund der Sechsstädte mitprägte, bis zum letzten sächsischen Monarchen Friedrich August III., spiegelt Zittaus Geschichte die politischen Brüche Mitteleuropas wider.
👉 Fazit: Der letzte König über Zittau war Friedrich August III. von Sachsen (1904–1918). Mit seinem Sturz endete die Monarchie – und Zittau trat endgültig in das Zeitalter der modernen Demokratie ein.


