DAS NEUSTE

🤝 Wiedererkennen nach Jahrzehnten: Gaucks Brückenpreis-Auftritt und der Ernst der Freiheit

🏛️ Auszeichnung in Görlitz: Am 4. Februar 2026 ist Altbundespräsident Joachim Gauck im Kulturforum Görlitzer Synagoge mit dem Internationalen Brückepreis 2025 geehrt worden. Ein Bericht aus der Region schildert den Festakt und ein bemerkenswert persönliches Wiedererkennen; der Beitrag erschien am 14. Februar 2026.

🌉 Brückenpreis würdigt Verständigung: Die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises hob Gaucks Rolle für Verständigung und Aussöhnung mit Polen hervor.

🎙️ Stimmen des Abends: Zu den Rednern gehörten der Präsident der Brücke-Gesellschaft Prof. Willi Xylander, Görlitz’ Oberbürgermeister Octavian Ursu, Zgorzelecs Stadtoberhaupt Rafał Gronicz, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der niederschlesische Vizemarschall Jarosław Rabczenko; die Laudatio hielt der ehemalige polnische Botschafter Jan Tambiński.

  • Prof. Willi Xylander – Präsident der Brücke-Gesellschaft
  • Octavian Ursu – Oberbürgermeister von Görlitz
  • Rafał Gronicz – Stadtoberhaupt von Zgorzelec
  • Michael Kretschmer – Sachsens Ministerpräsident
  • Jarosław Rabczenko – niederschlesischer Vizemarschall
  • Jan Tambiński – ehemaliger polnischer Botschafter und Laudator

🕊️ Preisprofil und Satzungsänderung: Seit 1993 zeichnet der Brückepreis Brückenbauer europäischer Verständigung aus; 2023 wurde die Satzung erweitert, um Bemühungen um internationale Verständigung insgesamt stärker zu würdigen.

🤝 Ungewöhnliches Wiedererkennen: Beim Benefizkonzert am 10. Juni 2012 in der Dresdner Semperoper erkannte Gauck den Autor Bertram Oertel nach 47 Jahren wieder und knüpfte damit an eine Notsituation im Herbst 1965 an: Nach einem Theaterbesuch in Rostock verpasste eine Mädchengruppe den letzten Bus. Auf Rat eines Einwohners wandte man sich an das Pfarrhaus; der junge Geistliche gewährte eine Übernachtung. Gauck präzisierte später, 1965 noch Vikar gewesen zu sein – die spontane Hilfe blieb.

🛡️ Freiheit als demokratische Grundbedingung: In Görlitz legte Gauck den Akzent auf Freiheit als Voraussetzung demokratischen Lebens, die jede Generation neu verteidigen müsse. Er sprach über Erfahrungen mit Unfreiheit in der DDR, verband sie mit einem Appell an Mut und Verantwortung und betonte das Verbindende demokratischer Prozesse.

🇵🇱 Aussöhnung und Reparationen: Mit Blick auf Polen würdigte Gauck Erfolge der Aussöhnung, nannte aber offene Baustellen. Er verwies auf Polens Verzicht auf Reparationen im Görlitzer Vertrag 1950 und im Zwei-plus-Vier-Prozess. Zugleich hielt er den wieder lauteren Ruf nach Entschädigung grundsätzlich für berechtigt, ohne die polnische Maximalforderung von 1,3 Billionen Euro zu teilen; er plädierte für eine angemessene moralische und materielle Geste Deutschlands.

📚 Ausgelassene Referenz: Erstaunen löste aus, dass Gauck den 2006 geehrten, späteren Nobelpreisträger Günter Grass – einst zentraler Akteur der deutsch-polnischen Verständigung und persönlich mit Gauck bekannt – in seiner Ansprache nicht erwähnte. Der Bericht erinnert an die lokale Kontroverse um dessen Preisvergabe und die daraus resultierende Ablehnung durch Grass.

🧭 Bilanz und Ausblick: Der Görlitzer Abend vereinte Symbolik und Biografie: Die persönliche Episode aus Rostock verleiht Gaucks Botschaft von Freiheit und Verantwortung konkrete Glaubwürdigkeit. Zugleich verweist sein Appell in der Reparationsfrage auf ein konservatives Kernmotiv außenpolitischer Vernunft: rechtliche Klarheit, historische Wahrhaftigkeit und politische Maßhaltung müssen zusammenfinden, wenn Versöhnung tragfähig bleiben soll. Für die Brücke-Gesellschaft markiert die erweiterte Satzung einen realistischen Kompass: Verständigung ist nicht nur deutsch-polnische Aufgabe, sondern europäische Dauerarbeit – mit Blick nach vorn auf die Preisvergabe 2026.

🗨️ Kommentar der Redaktion: Freiheit ist keine wohlfeile Floskel, sondern Pflichtprogramm – Gaucks Akzentsetzung trifft den Kern. In der Reparationsdebatte gilt: Rechtliche Setzungen sind zu achten; wer dennoch Verantwortung ernst nimmt, denkt in maßvollen, klar umrissenen Gesten statt in Maximalforderungen. Politische Moral ersetzt keine Verträge, sie ergänzt sie. Die Auslassung von Günter Grass mag irritieren, schadet dem Anliegen aber nicht: Entscheidend ist der Blick nach vorn und die Verlässlichkeit im Heute. Europas Verständigung wird nicht durch laute Symbolpolitik gewonnen, sondern durch nüchterne Beharrlichkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktuelle Nachrichten

Folg uns

Folg uns auf Social Media

Verpasse keine News und Updates – folge uns jetzt!

Täglich aktuelle Nachrichten aus Zittau, der Oberlausitz und ganz Deutschland

Zittauer Zeitung | Echt. Lokal. Digital.