đ° Einordnung Neue Laboranalysen und frische Rover-Daten heizen die Debatte um mĂśgliches uraltes Leben auf dem Mars erneut an. Besonders ins Gewicht fallen jĂźngst identifizierte langkettige Kohlenwasserstoffe in einer Gesteinsprobe aus dem Gale-Krater sowie reaktive Strukturen in Jezero-Gesteinen, die auf der Erde häufig mit Mikrobenaktivität einhergehen. Forschende mahnen gleichwohl zur ZurĂźckhaltung: Es handelt sich um vielversprechende, aber nicht abschlieĂende Indizien.
đ Hintergrund der Missionen Seit Jahren suchen die NASA-Rover Curiosity im Gale-Krater und Perseverance im Jezero-Krater nach Spuren frĂźherer Bewohnbarkeit. Organische MolekĂźle wurden mehrfach nachgewiesen, doch ein eindeutiger biologischer Ursprung fehlt bislang. Eine endgĂźltige Klärung erfordert Analysen in irdischen High-End-Labors; die RĂźckfĂźhrung der in Jezero gesammelten Proben ist kostspielig und zeitlich in die Zukunft gerĂźckt.
đ§Ş Langkettige Alkane in Gale Im März 2025 detektierte das Curiosity-Team in der Schlammsteinprobe „Cumberland“ die bislang grĂśĂten auf dem Mars nachgewiesenen organischen Verbindungen: die Alkane Decan, Undecan und Dodecan. Solche MolekĂźle kĂśnnen geologisch entstehen, sind auf der Erde jedoch auch typische Abbauprodukte von Fettsäuren, zentralen Bausteinen biologischer Membranen. Der Fund belegt das Vorhandensein chemisch robuster, langkettiger Organika in den Sedimenten des Gale-Kraters.
đ Strahlungsbilanz und Ursprung Eine aktuelle Modellstudie um Alexander Pavlov berechnet, dass die Probe rund 80 Millionen Jahre kosmischer Strahlung ausgesetzt war. Um die heute noch messbaren Reste zu erklären, mĂźsse die ursprĂźngliche Konzentration um GrĂśĂenordnungen hĂśher gewesen sein. Diese Abschätzung verschärft die Frage nach der Quelle der organischen MolekĂźle.
đ Drei Erklärungswege im Vergleich Das Forschungsteam prĂźft drei Hypothesen fĂźr die Herkunft der Stoffe.
- Exogene Einträge (Mikrometeorite, Staub): Nach aktueller Abschätzung zu gering, um die gemessenen Mengen zu liefern.
- Reine Geochemie vor Ort (z. B. Hydrothermalismus): Am Fundort fehlen stĂźtzende Hinweise fĂźr die nĂśtigen Prozesse.
- Biologischer Ursprung in einem einstigen See-/Schlammsteinsystem: Auf der Erde plausibel, auf dem Mars derzeit nicht beweisbar.
đď¸ Signaturen aus Jezero Parallel meldete Perseverance aus einem trockengefallenen Flusskanal in der Formation „Bright Angel“ Ton-Schluffsteine mit sogenannten „Mohnsamen“- und „Leopardenfleck“-Strukturen. In winzigen Punkten fanden sich Anreicherungen von Eisenphosphat und Eisensulfid, auf der Erde typische Folgeprodukte mikrobieller Stoffwechselprozesse. Das Team betont jedoch, dass auch abiotische Wege diese Signaturen erklären kĂśnnten. Ein sicherer Nachweis erfordert Proben in irdischen Laboren.
âď¸ Zwischenfazit Zusammengenommen verdichtet sich die Indizienkette fĂźr mĂśgliche einstige Biosignaturen auf dem Mars, von chemisch robusten, langkettigen Organika in Gale bis zu reaktiven Mikrostrukturen in Jezero. Ein wissenschaftlich konservatives Urteil bleibt dennoch geboten: Ohne unabhängige Bestätigung durch isotopische, strukturelle und mineralogische Analysen unter Laborbedingungen sind biologische Erklärungen Hypothesen unter mehreren. Erst die ProbenrĂźckfĂźhrung und umfassende Tests werden zeigen, ob die roten Sedimente Spuren einer vergangenen Mars-Biosphäre tragen oder das Werk komplexer, aber letztlich rein geologischer Prozesse sind.
đ¨ď¸ Kommentar der Redaktion Die vorliegenden Hinweise sind spannend, aber sie rechtfertigen keine vorschnellen Schlagzeilen. Solange keine belastbaren Laborbefunde zu Isotopie, Struktur und Mineralogie vorliegen, bleibt ein biologischer Ursprung spekulativ. Die Priorität liegt auf sorgfältiger ProbenrĂźckfĂźhrung und nĂźchterner Auswertung, auch wenn dies teuer ist und sich zeitlich nach hinten verschiebt. Wir raten dazu, alternative abiotische Erklärungen gleichrangig zu prĂźfen und jede Deutung klar als Hypothese zu kennzeichnen. Wer jetzt mehr verspricht, als die Daten hergeben, riskiert Vertrauensverluste und lenkt vom eigentlichen Ziel ab.
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