📉 Bilanz der Krisenjahre Deutschlands Volkswirtschaft zahlt einen hohen Preis für den seit Jahren anhaltenden Krisenmodus. Laut einer neuen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft summieren sich die Ausfälle an preisbereinigter Wirtschaftsleistung seit 2020 auf rund 940 Milliarden Euro. Pro Erwerbstätigem entspricht das deutlich mehr als 20.000 Euro. Die Größenordnung markiert einen historischen Einschnitt und verdeutlicht, wie stark die Wachstumsbasis erodiert.
📊 Treiber und Methode Die IW-Rechnung, veröffentlicht am 8. Februar 2026, führt die Schäden im Kern auf drei Treiber zurück: die Corona-Pandemie, die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine samt Energiepreisschock sowie neue handelspolitische Spannungen mit den USA einschließlich Zollkonflikten. Methodisch vergleicht die Studie den tatsächlichen Konjunkturverlauf mit einem kontrafaktischen Szenario, in dem die Wirtschaft ohne Krisen mit dem langjährigen Durchschnittstempo weitergewachsen wäre.
📆 Schwaches Jahr 2025 Auffällig ist der jüngste Schwerpunkt der Belastung: Ein Viertel der Gesamtsumme entfiel auf das Jahr 2025. Gleichzeitig legte das Bruttoinlandsprodukt 2025 preisbereinigt nur um 0,2 Prozent zu und verfehlte damit nur knapp ein drittes Nullwachstumsjahr in Folge.
🕰️ Historische Einordnung Die aktuelle Dekade übertrifft die Belastungen früherer Schocks deutlich. Die Stagnationsphase 2001 bis 2004 wird preisbereinigt mit rund 360 Milliarden Euro veranschlagt, die Finanzkrise 2008/2009 mit rund 525 Milliarden Euro.
🧩 Wachsende Outputlücke Seit der Erholung vom Pandemieschock kam die Wirtschaftsleistung drei Jahre in Folge nicht mehr nachhaltig über das Niveau von 2019 hinaus. Dadurch entsteht eine stetig zunehmende Lücke zwischen tatsächlicher und potenzieller Wertschöpfung, die sich Jahr für Jahr aufaddiert und Spielräume für Investitionen, Löhne und Zukunftsausgaben schmälert.
🏭 Konsequenzen für Unternehmen und Staat Für Unternehmen bedeutet die Lage geringere Planungssicherheit, zähe Nachfrage und anhaltenden Kostendruck. Der Staat sieht sich zugleich mit steigendem Konsolidierungsbedarf konfrontiert, während die Ansprüche an Leistungs- und Sicherheitsversprechen wachsen.
🧭 Kurswechsel für mehr Substanz Wer die wirtschaftliche Substanz stärken will, muss den Ausnahmezustand beenden – fiskalisch wie regulatorisch. Erforderlich sind ordnungspolitische Verlässlichkeit, bezahlbare Energie, schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie, damit private Investitionen wieder anziehen. Handelspolitisch braucht es eine klare Priorität für offene Märkte und verlässliche Lieferketten statt kurzfristiger Zollexzesse. Innenpolitisch gilt es, Ausgaben zu priorisieren, Subventionen auf Wirksamkeit zu prüfen, Arbeit stärker zu aktivieren und Leistung zu belohnen, um die Krisenrendite ins Positive zu drehen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Diagnose ist eindeutig, das Rezept ebenso. Deutschland braucht jetzt fiskalische Disziplin, verlässliche Regeln und einen klaren Vorrang für marktwirtschaftliche Kräfte statt kleinteiliger Ad-hoc-Politik. Staatliche Mittel müssen gezielt und wirksam eingesetzt werden, nicht breit gestreut. Energiepreise, Genehmigungen und Bürokratie sind Hebel, keine Ausreden. Außenhandel ist kein Risiko, sondern Fundament der Erholung. Wer den Kurswechsel verschleppt, macht die Lücke von heute zur dauerhaften Belastung von morgen.
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