⚖️ Bilanz des Härtefallfonds: Viele Ostdeutsche bleiben ohne Ausgleich

📉 Ernüchternde Bilanz Der vom Bund aufgelegte Härtefallfonds hat aus Sicht ostdeutscher Rentnerinnen und Rentner eine ernüchternde Spur hinterlassen. Nach der Abwicklung Ende 2025 zeigt sich: Zahlreiche Anträge wurden abgelehnt, ein großer Teil der Mittel fließt an Bund und Länder zurück. Vertreter der Linken sprechen von einer „Geringschätzung ostdeutscher Lebensleistung“, die sächsische CDU verweist darauf, dass Rentenfragen Bundesrecht sind. Die Bilanz fällt nüchtern aus: Zehntausende Ostdeutsche gingen leer aus.

🧾 Worum es beim Fonds ging Die Bundesregierung errichtete 2023 die Stiftung Härtefallfonds, um Härten aus der Ost‑West‑Rentenüberleitung abzumildern und zudem Spätaussiedler sowie jüdische Zuwanderer zu berücksichtigen. Ausgezahlt wurde eine einmalige Entschädigung von 2.500 Euro; in Beitrittsländern waren 5.000 Euro möglich. Der Lenkungsausschuss stellte am 5. November 2025 fest, dass der Stiftungszweck erfüllt sei; bis Jahresende wurde die Stiftung abgewickelt und die Geschäftsstelle geschlossen.

Fristen und Verfahren Für den Fonds standen 500 Millionen Euro bereit; Anträge mussten bis zum 31. Dezember 2024 gestellt werden. Bis Mitte 2025 waren die meisten Verfahren entschieden, rund 95.000 Anträge wurden abgelehnt.

💶 Auszahlungen und Rückflüsse Bis zum 4. Dezember 2025 erhielten 57.100 Personen eine Einmalzahlung. Die Ausgaben summierten sich auf knapp 163 Millionen Euro – etwa 425 Millionen Euro blieben ungenutzt und fließen an Bund und Länder zurück.

👥 Wer profitierte Den Großteil der Leistungen erhielten jüdische Kontingentflüchtlinge (38.498) und Spätaussiedler (15.863). An ostdeutsche Rentner flossen lediglich 2.739 Zahlungen; in Sachsen waren es 730.

🧓 Wer leer ausging Als besonders betroffen werden nach DDR‑Recht Geschiedene genannt, gefolgt von früheren Beschäftigten der Reichsbahn, des Gesundheits‑ und Sozialwesens sowie der Post.

🏛️ Politische Einordnung in Sachsen In Sachsen stützten politisch alle Landtagsfraktionen außer der CDU den Beitritt zum Fonds. Die CDU betont, Rentenfragen seien Bundesrecht; Vertreter der Linken sehen darin eine „Geringschätzung ostdeutscher Lebensleistung“.

🔢 Kennzahlen im Überblick

  • 500 Millionen Euro bereitgestellt
  • Antragsfrist bis 31. Dezember 2024
  • 57.100 bewilligte Einmalzahlungen bis 4. Dezember 2025, knapp 163 Millionen Euro ausgezahlt
  • Rund 95.000 Ablehnungen, etwa 425 Millionen Euro ungenutzt

🎯 Zielgenauigkeit der Kriterien Die Zahlen deuten auf ein Konstrukt hin, das vor allem Bedürftigkeit auf Grundsicherungsniveau adressierte und damit viele Lebensläufe im Osten unberücksichtigt ließ. Wer Gerechtigkeit verspricht, muss Kriterien so setzen, dass sie den intendierten Zielgruppen tatsächlich zugutekommen – ohne fiskalische Disziplin aufzugeben.

🔭 Was jetzt zu tun ist Nötig ist nun eine nüchterne, transparente Auswertung der Vergabepraxis und – falls politisch gewollt – ein klar abgegrenztes, finanzierbares Instrument, das verbliebene Lücken schließt, statt Erwartungen erneut zu enttäuschen.

🗨️ Kommentar der Redaktion Sozialpolitik braucht klare Zuständigkeiten, enge Kriterien und Verlässlichkeit – nicht vage Versprechen. Wer Erwartungen weckt, muss sie durch präzise Regelwerke und strikte Haushaltsdisziplin unterlegen. Ein möglicher Nachfolger darf nur punktuell, befristet und regelgebunden wirken, damit Hilfe dort ankommt, wo sie tatsächlich notwendig ist. Symbolische Kompensationen ohne treffsichere Definitionen sind politisch bequem, aber gesellschaftlich teuer. Respekt vor Lebensleistungen zeigt sich in klaren Gesetzen auf Bundesebene und sauberer Umsetzung – nicht in breit gestreuten Einmalzahlungen.

Quelle: Externe Quelle

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