🧭 Einordnung Die Diskussion über eine längere Lebensarbeitszeit nimmt Fahrt auf. Der baden württembergische CDU Spitzenkandidat Manuel Hagel hält angesichts steigender Lebenserwartung für künftige Generationen Arbeiten bis 70 Jahre und darüber hinaus für wahrscheinlich. Zugleich stellt er klar, dass dies nicht jene betrifft, die heute kurz vor dem Ruhestand stehen.
🗳️ Politische Vorschläge Hagel bringt steuer und abgabenfreie Überstunden sowie eine Ausweitung der Aktivrente auf Beamte und Selbstständige ins Gespräch. Als Referenz verweist er auf das geringere Arbeitsvolumen hierzulande im Vergleich zur Schweiz, wo pro Jahr rund 200 Stunden mehr gearbeitet werden. Sein Ansatz setzt auf mehr Nettoanreize und eine attraktivere Weiterarbeit nach Erreichen des Regelalters.
📊 Demografie und Finanzierung Der Kern des Problems ist strukturell: Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentenjahre. Modellrechnungen der Deutschen Bundesbank zeigen, dass der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung bis 2070 auf etwa 29 Prozent steigen würde, wenn das Rentenniveau bei 48 Prozent stabilisiert und das gesetzliche Rentenalter nach 2031 nicht weiter erhöht wird. Das ginge mit erheblichen Zusatzlasten für den Bundeshaushalt einher, für die ohne Umschichtungen oder höhere Steuern wenig Spielraum besteht.
⏳ Indexierung des Rentenalters Eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung kann den Druck abmildern. In diesem Szenario steigt das Regelalter bis 2070 von 67 auf gut 69 Jahre, während die Rentenphase aufgrund der längeren Lebenserwartung dennoch zunimmt. Solche Mechanismen nehmen den Ruhestand nicht weg, sondern verteilen Zugewinne bei der Lebenszeit zwischen Erwerbs und Rentenphase neu.
🔧 Stellschrauben für mehr Arbeitsangebot Ziel ist, Erwerbsbeteiligung und Sozialkassen zu stärken, ohne die aktuelle Rentnergeneration zu verunsichern. Im Zentrum stehen Anreize im Erwerbsverlauf und attraktivere Modelle für das Weiterarbeiten im Alter.
- Nettoanreize durch steuer und abgabenfreie Überstunden im Erwerbsleben.
- Aktivrente ausweiten und für Beamte sowie Selbstständige öffnen.
- Flexible Weiterarbeit nach Erreichen des Regelalters mit klaren Vorteilen ermöglichen.
⚖️ Soziale Differenzierung Ein konservativ realistischer Kurs verlangt klare Härtefallregeln für körperlich belastende Berufe und verlässliche Erwerbsminderungsrenten. Längere Lebensarbeitszeit ist keine Pauschalformel, sondern eine Regel mit Ausnahmen. Flankierend braucht es Prävention, Qualifizierung im Erwerbsverlauf und unbürokratische Übergänge in Teilzeit oder flexible Modelle.
🚀 Ausblick und Fazit Die Rente mit 70 ist weniger ideologische Chiffre als wahrscheinliche Folge von Demografie und Staatsfinanzen. Wer Generationengerechtigkeit ernst nimmt, sollte jetzt verlässliche Pfade zur schrittweisen Anhebung des Regelalters für Jüngere definieren, wirksame Nettoanreize für Mehrarbeit setzen und klare Schutzmechanismen für Belastete verankern. Je früher Ehrlichkeit und Berechenbarkeit hergestellt werden, desto milder fallen die Eingriffe aus und desto stabiler bleibt das Leistungsversprechen der umlagefinanzierten Rente. Vorschläge aus der Union liefern Anknüpfungspunkte, ökonomische Befunde mahnen zum Handeln.
🗨️ Kommentar der Redaktion Wer länger lebt, kann auch länger arbeiten, und es ist nur fair, die Lebenszeitgewinne zwischen Arbeit und Ruhestand zu teilen. Die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung ist der nüchterne, sachgerechte Weg, um Beitragsexplosionen und immer höhere Steuerzuschüsse zu vermeiden. Nettoanreize für Überstunden und eine ausgeweitete Aktivrente sind pragmatische Instrumente, um Leistung zu belohnen und die Sozialkassen zu entlasten. Härtefälle müssen zielgenau geschützt werden, aber Blockadehaltung aus Bequemlichkeit ist keine Politik. Jetzt braucht es Führung, klare Pfade und Disziplin, statt Vertröstungen auf Kosten der Jüngeren.


