🏠Deutlicher Einschnitt in Cunewalde In der ostsächsischen Gemeinde Cunewalde sind in den vergangenen vier Jahren nahezu 400 Arbeitsplätze verloren gegangen, rund jeder fünfte Job vor Ort. Bürgermeister Thomas Martolock sieht eine Entwicklung, die einer Deindustrialisierung gleichkommt. Zugleich brechen der Kommune Steuereinnahmen weg, ohne finanziellen Ausgleich, während die Ausgaben steigen.
🏗️ Wirtschaftsstruktur und größter Arbeitgeber Cunewalde war über Jahre von kleinen und mittleren Betrieben geprägt, die lokale Wertschöpfung basierte wesentlich auf industriellen und zuliefernahen Strukturen. Besonders schwer wiegt das Verschwinden des größten Arbeitgebers: Ein Automobilzulieferer hat den Standort aufgegeben, die Hallen stehen leer. Damit fehlen Beschäftigung, Gewerbesteuer und Kaufkraft als fiskalischer Anker.
⚡ Stromverbrauch als Indikator Zwischen 2022 und 2024 sank der Stromverbrauch im Gemeindegebiet von fast 25000 auf 16000 Megawattstunden. Der kräftige Rückgang gilt als verlässlicher Hinweis auf ein schwächeres Produktions- und Dienstleistungsniveau.
📉 Arbeitsmarkt unter Druck Parallel zum Energieeinbruch verzeichnet die Gemeinde annähernd 400 Stellen weniger binnen vier Jahren. Der Bürgermeister wertet dies als Warnsignal für die industrielle Basis des Ortes.
💶 Finanzielle Belastung des Haushalts Nach Darstellung Martolocks ist die Steuerkraft bereits erkennbar gesunken, ein Ausgleich für die Ausfälle bleibt aus. Pflichtaufgaben müssen unter engeren Bedingungen erfüllt werden, während Energie-, Personal- und Sachkosten weiter steigen. Für eine ländliche Kommune ohne große Rücklagen ist das ein riskanter Mix.
🏚️ Leerstand bremst Neuansiedlungen Solange die ehemaligen Werksgebäude eines zentralen Zulieferbetriebs leer stehen, fehlt ein kurzfristiger Hebel, um neue Wertschöpfung und Ausbildungsplätze anzusiedeln. Zusätzliche Hürden sind der Standortwettbewerb mit besser angebundenen Regionen, Fachkräftemangel und hohe Investitionsanforderungen.
🧩 Exemplarischer Fall ländlicher Verwundbarkeit Cunewalde steht exemplarisch für die Verletzlichkeit ländlicher Industriestandorte, wenn ein Schlüsselunternehmen wegbricht. Der deutliche Einbruch beim Energieverbrauch, der massive Arbeitsplatzverlust und die sinkende Steuerkraft bilden eine problematische Trias.
🧠Ausblick und Handlungsbedarf Kurzfristig geht es um die Stabilisierung des Haushalts und die Aktivierung der brachliegenden Flächen. Mittel- bis langfristig braucht es Investoren, verlässliche Rahmenbedingungen und zügige Verfahren, damit neue Produktion entstehen kann. Ohne Trendwende droht eine Abwärtsspirale aus schwächerer Wirtschaftskraft und schrumpfendem Handlungsspielraum.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der Befund ist eindeutig und alarmierend. Wenn nahezu jeder fünfte Arbeitsplatz verschwindet und die Steuerkraft sinkt, braucht es klare Prioritäten statt wohlfeiler Ankündigungen. Verwaltung und Politik müssen Verfahren straffen, verlässliche Rahmen setzen und brachliegende Flächen zügig aktivieren. Eine Gemeinde darf mit ausbleibenden Ausgleichen nicht allein gelassen werden, während Pflichtaufgaben weiterwachsen. Wer industrielle Basis und Ausbildung vor Ort will, muss entschieden für Investitionen, Planbarkeit und Disziplin in den öffentlichen Finanzen sorgen.


