🧭 Kursfestlegung der SPD-Führung Auf der Fraktionsklausur in Berlin am 9. Januar 2026 betont die SPD-Spitze, Reformen im Sozialstaat nicht mit Kürzungen zu verwechseln. Stattdessen setzt sie auf mehr Zuwanderung, um die schwache Konjunktur zu beleben, und verweist auf einen eklatanten Fachkräftemangel. Parallel kündigt die Partei kurzfristig einen eigenen Vorschlag zur Erbschaftsteuer an, während der Streit mit der Union eskaliert.
📉 Wirtschaftlicher Hintergrund Die Erwerbstätigkeit stagnierte 2025 über weite Strecken, was auf eine konjunkturelle Schwächephase hindeutet. Daran knüpft die SPD ihre Forderung nach zusätzlicher Arbeitsmigration, um Engpässe in einzelnen Branchen zu mindern und die Sozialsysteme zu stabilisieren.
🛂 Geplante Erleichterungen bei der Arbeitsmigration Aus Parteikreisen heißt es, Zuzugshürden sollen weiter sinken, damit der Arbeitsmarkt schneller entlastet wird. Genannt wird eine erleichterte Einreise qualifizierter Kräfte, unter anderem aus Indien.
📌 Kernpunkte im Überblick Die Debatte fokussiert sich auf folgende Vorhaben und Konfliktlinien:
- Zuzugshürden für qualifizierte Bewerber weiter senken, auch für Fachkräfte aus Indien.
- Kurzfristige Vorlage eines eigenen SPD-Vorschlags zur Erbschaftsteuer.
- Reformelemente: steuerfreien Lebensfreibetrag für Erben und stärkere Belastung großer Unternehmensübertragungen.
- Scharfe Kritik aus der Union, die CSU lehnt eine Anhebung ab.
- Der Bundeskanzler hat sich bislang nicht eindeutig positioniert; im Koalitionsvertrag ist eine Reform nicht vorgesehen.
💶 Konfliktlinie in der Steuerpolitik Die SPD skizziert eine Reform der Erbschaftsteuer mit einem steuerfreien Lebensfreibetrag und einer stärkeren Belastung großer Unternehmensübertragungen. Aus der Union kommt deutliche Ablehnung, insbesondere die CSU verwirft eine Anhebung. Der Konflikt zeichnet eine klare Trennlinie zur Union, während die SPD an einem eigenen Konzept arbeitet.
🏛️ Rolle des Kanzlers und Koalitionsrahmen Der Bundeskanzler hat sich zur Erbschaftsteuer bislang nicht eindeutig positioniert. Eine Reform ist im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen.
🧩 Umsetzungshürden und Abhängigkeiten Die sozialdemokratische Strategie verlagert den Schwerpunkt von Ausgabenkürzungen hin zu Wachstum durch zusätzliche Einwanderung. Ob damit strukturelle Probleme wie schwache Produktivitätsdynamik, hohe Lohnnebenkosten und schleppende Digitalisierung rasch genug adressiert werden, bleibt offen. Entscheidend wird sein, ob Verfahren, Anerkennungen und Integrationspfade so beschleunigt werden, dass Zugewanderte schnell und qualifikationsgerecht arbeiten können, ohne neue Engpässe bei Verwaltung, Wohnraum und Bildung zu erzeugen.
🔭 Ausblick Gelingt die zügige Umsetzung, kann Zuwanderung einen Beitrag zur Stabilisierung leisten. Sie ersetzt jedoch nicht die Entlastung der Unternehmen, bessere Investitionsbedingungen sowie eine Bildungs- und Weiterbildungsoffensive im Inland. Maßgeblich wird sein, wie der angekündigte SPD-Vorschlag zur Erbschaftsteuer ausfällt und wie die Union darauf reagiert.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Fixierung auf zusätzliche Zuwanderung ersetzt keine konsequente Stärkung der heimischen Leistungsfähigkeit. Solange hohe Lohnnebenkosten, schleppende Digitalisierung und ineffiziente Verfahren bestehen, bleibt der Effekt neuer Fachkräfte begrenzt. Eine stärkere Belastung großer Unternehmensübertragungen trifft ausgerechnet jene Betriebe, die Investitionen und Beschäftigung sichern. Statt neue Umverteilungskonflikte zu eröffnen, braucht es klare Entlastungen, verlässliche Rahmenbedingungen und eine echte Qualifizierungsoffensive im Inland. Wer auf Dauer Wachstum will, muss zuerst das Fundament ordnen, bevor er neue Lasten verteilt.


