🕊️ Jahr der Versöhnung ausgerufen
📌 Der katholische Bischof von Leitmeritz (Litoměřice), Stanislav Přibyl, hat das Jahr 2026 zum „Jahr der Versöhnung“ erklärt. In seinem Bistum sollen an zwölf Orten Gedenk- und Versöhnungsgottesdienste an die Vertreibung der deutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern – mit dem erklärten Ziel, Dialog und nüchternes Gedenken zu fördern. Die Reihe beginnt am Dienstag, 13. Januar 2026, in Filipov. Historiker begrüßen die Initiative als überfälligen Beitrag zur gemeinsamen Aufarbeitung.
📚 Historischer Hintergrund
🧭 Die Vertreibung traf in den Jahren 1945/46 Millionen Menschen: Schätzungen zufolge mussten etwa drei Millionen Sudeten- und Karpatendeutsche ihre Heimat in der damaligen Tschechoslowakei verlassen; im Zuge der kollektiven Maßnahmen kamen Tausende ums Leben. Die Folgen prägen bis heute Grenzregionen in Nordböhmen. Das Bistum knüpft die Initiative bewusst an ein Datum: Vor 80 Jahren, am 13. Januar 1946, wurde die Ackermann-Gemeinde von vertriebenen Katholiken gegründet – ein frühes Zeichen für christlich motivierte Versöhnung.
🛐 Konzept und Ausrichtung
🤝 Die Gottesdienste sind ökumenisch ausgerichtet und sollen Begegnungen zwischen Zeitzeugen und Nachkommen ermöglichen. Přibyl setzt nach eigenem Bekunden auf die enge Zusammenarbeit mit Historikern, Kommunen und jüdischen Gemeinden. Der Bischof warnt vor dem Prinzip kollektiver Schuld und betont, dass das Gedenken sowohl das Leid der Vertriebenen als auch die von Deutschen an Tschechen begangenen Verbrechen in den Blick nehmen müsse.
📍 Stationen und Termine
🗓️ Geplant sind Stationen an symbolträchtigen Orten – unter anderem Filipov (Auftakt am 13. Januar, 4.00 Uhr), Terezín, Postelberg/Postoloprty, Ústí nad Labem und Liberec. Monatliche Feiern strukturieren das gesamte Jahr 2026.
- Filipov – Auftakt 13. Januar, 4.00 Uhr
- Terezín
- Postelberg/Postoloprty
- Ústí nad Labem
- Liberec
🧾 Bedeutung und Bewertung
⚖️ Přibyls Vorstoß ist mehr als eine kirchliche Gedenkreihe. Er setzt einen konservativ verstandenen Maßstab: Erinnerung ohne Beschönigung, Anerkennung individuellen Leids statt Kollektivschuld, konkrete Orte statt abstrakter Floskeln. In einer Debatte, die lange zwischen Schweigen und Schuldzuweisungen pendelte, ist der Leitmeritzer Plan ein nüchterner, aber deutlicher Schritt hin zu historischer Selbstvergewisserung – und ein Test, ob Versöhnung im Alltag der Grenzregionen tragfähig wird.
🗨️ Kommentar der Redaktion
🧭 Diese Initiative ist notwendig und überfällig, weil sie das Zentrale betont: persönliche Verantwortung statt pauschaler Zuschreibungen. Wer Versöhnung will, muss die Fakten nüchtern benennen und die Würde der Opfer wahren, ohne Verbrechen zu relativieren. Der Fokus auf konkrete Orte und regelmäßige Feiern zwingt zur Ernsthaftigkeit und verhindert symbolisches Gerede. Der Schulterschluss mit Historikern und Gemeinden ist richtig, ideologische Vereinnahmung ist strikt zurückzuweisen. Entscheidend wird sein, ob die Beteiligten Disziplin zeigen und den langen Atem für eine dauerhafte Kultur des Gedenkens mitbringen.


