📰 Einordnung Die Bundesregierung plant, die Förderung für die Verbrennung bestimmter Holzsortimente einzuschränken. Der Schritt zielt auf eine Neufassung der Biomasseverordnung und betrifft vor allem Brennstoffe, die auch stofflich genutzt werden könnten. Für Millionen Haushalte mit Kamin- oder Holzheizungen stellt sich damit die Frage, ob Holz als Energieträger knapper und teurer wird. Erste Reaktionen aus der Branche fallen deutlich aus.
🧠Hintergrund und Zielsetzung Die Novelle dient der Umsetzung europäischer Vorgaben nach RED III und ordnet die Förderkulisse für Strom- und Wärmeerzeugung aus Biomasse neu. In der amtlichen Vorhabensbeschreibung ist ausdrücklich von einem Ausschluss bestimmter Holzsortimente von der Förderfähigkeit die Rede. Ziel ist eine präzisere Abgrenzung, welche Biomasse künftig noch gefördert werden darf. Politisch steht dabei das Prinzip der Kaskadennutzung im Raum: erst stofflich verwerten, erst am Ende energetisch.
🧾 Was der Entwurf vorsieht Nach vorliegenden Berichten sieht der Referentenentwurf vor, die staatliche Förderung für Sägerundholz, Furnierrundholz, sogenanntes Rundholz in Industriequalität sowie für Stümpfe und Wurzeln zu streichen. Formal richtet sich die Novelle an große Biomasseanlagen, doch mittelbar könnten auch private Holzheizungen betroffen sein – etwa über Verfügbarkeit bestimmter Brennstoffe und das Preisniveau. In Deutschland stehen über elf Millionen Kamine und Holzöfen; 2022 stieg zudem die Nachfrage nach Biomasseheizungen sprunghaft an.
🪵 Reaktionen der Forst- und Holzwirtschaft Verbände kritisieren, die pauschale Streichung sei zu grob, zudem bleibe der Begriff Rundholz in Industriequalität rechtlich unklar. In schwachen Marktphasen oder bei Waldschäden könne solches Holz energetisch sinnvoll verwertet werden; ein genereller Ausschluss verenge Absatzwege und verteuere die Brennstoffbasis für Biomasseanlagen. Besonders strittig ist der Ausschluss von Stümpfen und Wurzeln, die etwa bei Rodungen oder der Pflege von Leitungstrassen anfallen und wegen Verunreinigungen oft keine Alternative zur energetischen Nutzung haben.
🌿 Position der Umweltverbände Umweltverbände unterstützen die Stoßrichtung grundsätzlich, fordern jedoch weitergehende Schritte. Frischholz solle insgesamt aus der Förderung herausgenommen werden, um die stoffliche Nutzung zu stärken und Wälder zu entlasten. Damit prallen industrie- und klimapolitische Interessen aufeinander – mit unmittelbaren Auswirkungen für Verbraucherinnen und Verbraucher, die mit Holz heizen.
🏠Folgen für Haushalte Für Haushalte mit Kamin- oder Holzheizungen steht im Raum, dass Holz als Energieträger knapper und teurer werden könnte. Da sich die Regelung primär an große Anlagen richtet, dürften Effekte über Marktmechanismen wie Verfügbarkeit und Preise vermittelt werden. Entscheidend wird sein, wie eng die künftigen Fördergrenzen gezogen werden und ob Zwischenlösungen eine stabile Versorgung sichern.
⚙️ Umsetzung und offene Fragen Die Bundesregierung setzt mit der Biomasse-Novelle ein Signal: Fördermittel für Holzverbrennung sollen gezielter fließen. Aus konservativer Sicht sind jetzt Rechtsklarheit, präzise Definitionen, belastbare Übergangsfristen und eine Folgenabschätzung für ländliche Räume zentral, in denen Holz ein wichtiger Wärmeträger bleibt. Ohne saubere Abgrenzung drohen unnötige Marktverwerfungen – zulasten von Waldbesitzern, Mittelstand und Verbrauchern. Politik muss zwischen Versorgungssicherheit, Klimazielen und Eigentumsschutz austarieren, bevor die neue Regel in Kraft tritt.
🗨️ Kommentar der Redaktion Diese Reform braucht klare Begriffe und verlässliche Übergänge, sonst wird sie zum Experiment auf dem Rücken von Land- und Forstwirtschaft sowie Millionen Heizerinnen und Heizern. Pauschale Ausschlüsse ohne rechtssichere Definitionen gefährden bewährte Wertschöpfungsketten und schwächen die Versorgungssicherheit. Der ländliche Raum darf nicht die Zeche zahlen, weil Symbolpolitik oberhalb der Realität betrieben wird. Förderpolitik muss nüchtern, effizient und verantwortbar sein – nicht ideologisch. Eigentumsschutz, Planungssicherheit und eine belastbare Folgenabschätzung sind jetzt wichtiger als der schnelle politische Effekt.


