📰 EU-Auflagen greifen Die Europäische Union setzt die Bedingungen der Uniper-Rettung konsequent um: Der teilverstaatlichte Versorger muss seinen 20-Prozent-Anteil an der Pipeline OPAL veräußern. Für Ostdeutschland bedeutet dies einen weiteren Bedeutungsverlust jener Route, die das über Lubmin angelandete Nord-Stream-Gas Richtung Süden weiterleitete. Parallel wird ein Teil der Leitung bereits für Wasserstoff umgerüstet, allerdings in einem Tempo, das die Lücke bei der gesicherten Energieversorgung kurzfristig nicht schließt.
📍 Hintergrund und Rolle der OPAL Die OPAL verband über Jahre den Anlandepunkt in Lubmin mit dem tschechischen Grenzübergang und stabilisierte die Gasflüsse im ostdeutschen Netz, auch für die Hauptstadtregion Berlin. Direkt versorgt wurden Städte zwar nicht, doch für die energieintensive Industrie in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen war der Transitkorridor systemrelevant. Mit dem Ausfall der Nord-Stream-Leitungen verlor diese Achse schrittweise an operativer Bedeutung.
🧩 Beihilferechtlicher Rahmen und Eigentümerstruktur Der Verkauf ist Teil der beihilferechtlichen Auflagen der EU-Kommission aus der Entscheidung vom 20. Dezember 2022. Uniper hält die 20-Prozent-Beteiligung mittelbar über die Lubmin-Brandov Assets GmbH & Co. KG, während 80 Prozent bei Gascade liegen. Die regulierte Leitung misst rund 470 Kilometer. Parallel treibt Uniper die Transformation voran: Der nördliche Abschnitt wurde Mitte Dezember 2025 in das deutsche Wasserstoff-Kernnetz überführt, der südliche soll bis Ende 2030 folgen.
💼 Strukturiertes Bieterverfahren Uniper kündigt ein strukturiertes sowie offenes, faires und transparentes Bieterverfahren an. Interessensbekundungen sollen zwischen dem 15. und 29. Januar 2026 eingehen; anschließend erhalten qualifizierte Parteien Informationen zu Prozess und Präqualifikation. Die Transaktion umfasst 100 Prozent der Anteile an der LBA KG, die das 20-Prozent-Bruchteilseigentum an der OPAL hält. Für Investoren handelt es sich um ein reguliertes Netzinfrastruktur-Asset, zugleich aber um eines, dessen ursprüngliche Auslastungslogik seit 2022 entfallen ist.
🏭 Auswirkungen auf Ostdeutschland Für Ostdeutschland ergibt sich eine doppelte Herausforderung: Einerseits nimmt die klassische, auf russisches Pipelinegas ausgerichtete Transitfunktion ab; andererseits braucht die Industrie Planungssicherheit, bis Wasserstoff in ausreichenden Mengen und zu marktfähigen Preisen verfügbar ist. Die begonnene H2-Umstellung des Nordabschnitts ist ein Signal, ersetzt die entfallenen Erdgasflüsse jedoch kurzfristig nicht. Branchen in Berlin und den ostdeutschen Ländern müssen Übergangslösungen über alternative Bezugsquellen und Netzpfade organisieren, verbunden mit höherer Komplexität und potenziellen Kosteneffekten.
⚖️ Energiepolitische Einordnung Die EU will mit harten Beihilfeauflagen Wettbewerbsverzerrungen beheben; energiepolitisch ist der Preis im Osten jedoch spürbar. Der erzwungene Ausstieg Unipers aus der OPAL besiegelt das Ende einer Schlüsselroute der fossilen Vergangenheit, ohne die Brücke in die neue Wasserstoffökonomie schon tragfähig zu machen. Gefordert sind nun klare Investitionsentscheidungen für das H2-Kernnetz, robuste Reservekapazitäten und ein Regulierungsrahmen, der Versorgungssicherheit und Standortwettbewerb gleichermaßen im Blick behält. Andernfalls droht Ostdeutschland in der Transformationsphase zwischen zwei Systemen auf der Strecke zu bleiben.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Entscheidung ist rechtlich folgerichtig, aber sie verlangt politische Konsequenz bei der Absicherung der Versorgung. Der Umbau zur Wasserstoffökonomie darf nicht auf Kosten der ostdeutschen Industrie und ihrer Arbeitsplätze verschleppt werden. Bund und Länder müssen zügig für belastbare Reservekapazitäten und klare, investitionsfähige Rahmenbedingungen sorgen. Übergangslösungen über alternative Netzpfade sind notwendig, sollten aber strikt auf Effizienz und Kostenstabilität ausgerichtet werden. Wer Wettbewerb will, muss Versorgungssicherheit garantieren – alles andere gefährdet den Standort im Osten.


