🚗 Einordnung der Mahnung Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) mahnt die Autoindustrie, den von der EU angekündigten Kurswechsel bei den CO2-Vorgaben nicht als Freibrief für ein Festhalten am Verbrenner zu verstehen. Die Zukunft der Mobilität sei elektrisch; wer heute auf Diesel und Benziner setze, erhöhe seine Risiken in wenigen Jahren. Am 20. Dezember 2025 forderte Klingbeil anhaltendes Tempo beim Umstieg und verwies zugleich auf den massiven staatlichen Anschub in China.
🇪🇺 Neuer EU-Rahmen Die EU-Kommission überführt das für 2035 geplante vollständige CO2-Nullziel in einen flexibleren Ansatz. Künftig gilt ein Reduktionsziel von 90 Prozent gegenüber 2021; verbleibende Emissionen können etwa durch den Einsatz von grünem Stahl oder klimafreundlicheren Kraftstoffen kompensiert werden. So entstehen Spielräume, ohne die grundsätzliche Richtung hin zu einem emissionsärmeren Straßenverkehr aufzugeben.
⚠️ Warnung an die Hersteller Klingbeil fordert, die Signale aus Brüssel nicht misszuverstehen. Der Weg zur Elektromobilität müsse mit hohem Tempo weitergehen, sonst drohten in absehbarer Zeit größere Schwierigkeiten. Eindrücke aus Peking und Shanghai verstärken den Wettbewerbsdruck; der Vorsprung dort sei auch Ergebnis staatlicher Förderung, deutsche Produzenten hätten Nachholbedarf.
🤝 Kompromiss mit Augenmaß Der Minister bewertet die EU-Anpassung als tragfähigen Kompromiss: Hybride können länger zugelassen werden, und Klimaschutz bleibt mit Arbeitsplätzen vereinbar. Seine Aussagen machte er gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.
🛣️ Rückendeckung aus dem Verkehrsministerium Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verweist auf die Bedeutung der Autoindustrie als Leitbranche und warnt vor überzogenen Vorgaben, die Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Zugleich erwartet er keinen Rückfall deutscher Hersteller bei Elektroautos; der Druck und der Wille zur Elektrifizierung seien vorhanden.
📊 Industrielle Hausaufgaben Die politische Botschaft ist zweigeteilt und eindeutig – mehr Flexibilität bei den Regeln, aber keine Rückkehr zum alten Geschäftsmodell. Entscheidend ist nun eine disziplinierte Umsetzung des strategischen Fokus auf Elektromobilität mit Kostenbewusstsein und industrieller Tiefe: wettbewerbsfähige Produkte, robuste Lieferketten, verlässliche Produktionsbedingungen und zügige Skalierung.
⏳ Zeitfenster ohne Ausreden Die Korrektur der EU verschafft Zeit, aber keine Ausrede. Wer sie als Atempause für den Verbrenner interpretiert, riskiert Marktanteile, insbesondere gegenüber Anbietern aus China. Die Richtung bleibt klar – die Zukunft ist elektrisch.
🗨️ Kommentar der Redaktion Flexibilität ist sinnvoll, aber sie darf nicht zur Verzögerungstaktik verkommen. Die Branche muss jetzt liefern – mit klaren Meilensteinen, strikter Kostendisziplin und echter Fertigungstiefe statt Hoffnung auf Schonfristen. Wer weiter auf den Verbrenner setzt, spekuliert gegen den Trend und gefährdet deutsches Kerngeschäft im Wettbewerb mit China. Der politische Rahmen steht; nun zählen Effizienz, Skalierung und verlässliche Produktion. Führung heißt, den elektrischen Kurs ohne Zögern durchzuziehen und Fehlanreize konsequent abzustellen.


