📰 Neues Standardmodell Die Bundeswehr ersetzt die seit den 1990er-Jahren genutzte P8 von Heckler & Koch durch die neue Dienstpistole P13 des tschechischen Herstellers Česká zbrojovka. Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab am 5. November die Mittel frei. Grundlage ist eine Rahmenvereinbarung über bis zu 203.000 Pistolen; zunächst sind 65.000 Stück samt Zubehör beauftragt. Der Schritt setzt einen industriepolitischen Akzent: Erstmals stammt die Standard-Seitenwaffe der Truppe aus Tschechien.
🇪🇺 Ausschreibung und Kriterien Die Vergabe erfolgte nach internationaler Ausschreibung. In der Endrunde standen neben CZ nur Glock aus Österreich und Arex Defense aus Slowenien. Maßgeblich waren Preis und die Erfüllung der technischen Forderungen; eine Übererfüllung wurde nicht zusätzlich honoriert. Für CZ gilt der Zuschlag als einer der bedeutendsten Erfolge der jüngeren Firmengeschichte. Zugleich dürfte die Entscheidung für einen ausländischen Anbieter Debatten über Souveränität, Versorgungssicherheit und die Rolle der heimischen Rüstungsindustrie befeuern.
🔧 Technisches Profil Die P13 basiert auf einer militärisch konfigurierten Variante der CZ P-10 C OR im Kaliber 9×19 mm. Gefertigt wird sie im CZ-Stammwerk in Uherský Brod. Die Pistole wiegt leer rund 760 Gramm, fasst 15 Patronen und kommt im Farbton Flat Dark Earth. Polymer-Griffstück, Stahl für Lauf und Verschluss, dazu ein robustes Striker-Fire-Layout.
🧰 Systemlösung und Partner Zum System gehören Holster der Sicherheitsstufen Level 2 und 3 des Herstellers Radar 1957 sowie Trainingswaffen. Deutscher Partner für Lieferung und Integration ist die Fürther POL-TEC GmbH & Co. KG. Diese Systemlösung soll Ausbildung, Einsatz- und Logistikfähigkeit aus einer Hand absichern.
🔗 Modernisierung der Handwaffen Laut Berichten wird parallel das Sturmgewehr G95 (HK416) breiter eingeführt. Gemeinsam mit der neuen Pistole entsteht damit eine modernisierte Basis der Handwaffen-Ausstattung.
🚚 Umsetzung und Skalierung Die räumliche Bündelung von Fertigung bei CZ und Integration bei POL-TEC soll kurze Wege und planbare Versorgung ermöglichen. Kritisch bleibt, wie schnell Truppe, Ausbildungseinrichtungen und Ersatzteilversorgung skaliert werden. Die nüchterne Vergabe nach Kosten- und Pflichtenhefterfüllung verlangt in der Umsetzung höchste Sorgfalt – von zügiger Auslieferung über Holster- und Trainingspakete bis zur Ersatzteil- und Munitionslogistik.
🧩 Industriepolitischer Kontext Strategisch ist die Weichenstellung klar: mehr Standardisierung, robuste Verfügbarkeit, weniger Symbolpolitik. Ob der industriepolitische Spagat – Beschaffung im EU-Partnerland bei gleichzeitiger Stärkung deutscher Integrationskompetenz – aufgeht, entscheidet sich an Reifegrad, Termintreue und Belastbarkeit im Einsatzalltag.
✅ Fazit Mit der P13 setzt die Bundeswehr auf ein praxistaugliches, preislich wettbewerbsfähiges und europaweit verfügbares Kurzwaffensystem. Der Schritt setzt einen klaren Akzent in der europäischen Beschaffung und verlangt zugleich konsequente Umsetzung entlang definierter Anforderungen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Entscheidung ist richtig, weil sie Kosten- und Pflichtenhefterfüllung über Symbolik stellt. Europäische Beschaffung ist kein Souveränitätsverzicht, sondern zweckmäßige Arbeitsteilung, solange Versorgung und Integration gesichert sind. Maßstab sind Reifegrad, Termintreue und Belastbarkeit im Einsatz; jede Verzögerung ist inakzeptabel. Führung und Industrie müssen liefern: rasch, vollständig, ohne Ausreden. Ausrüstung für die Truppe hat Vorrang vor Standortdebatten.


