⏰ US-Techboom treibt 9‑9‑6: Zwischen Leistungsversprechen und Grenzen der Belastbarkeit

📰 Trend in der US-Techbranche In Teilen der US-Techbranche zeichnet sich eine Rückkehr zu extremen Arbeitszeiten ab: Das aus China bekannte 9‑9‑6‑Modell – Arbeiten von 9 bis 21 Uhr, sechs Tage pro Woche – verbreitet sich insbesondere unter KI-Start-ups. Der Trend wird mit dem harten Wettlauf um technologische Führerschaft begründet, birgt jedoch erhebliche soziale und unternehmerische Risiken.

🌏 Herkunft und Regulierung Das 9‑9‑6‑Modell entstand im chinesischen Tech-Sektor und wurde dort öffentlich kontrovers diskutiert. Inzwischen gelten derartige Arbeitszeiten in China als rechtswidrig. Bemerkenswert ist die Umkehrung der Rollen: Während in China verboten, zeigen sich in Teilen des US-Markts Anzeichen neuer Akzeptanz. Dies spiegelt unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie viel Arbeitszeit wirtschaftlicher Erfolg tatsächlich braucht.

📄 Sichtbar in Stellenanzeigen Nach übereinstimmenden Berichten manifestiert sich der Trend nicht nur in der Unternehmenskultur, sondern bereits in konkreten Jobangeboten. Ein New Yorker KI-Unternehmen wirbt ausdrücklich um Bewerber, die bereit sind, „etwa 70 Stunden pro Woche“ physisch vor Ort zu arbeiten; wer das nicht wolle, solle sich nicht bewerben.

🧑‍💼 Rekrutierung und Vorauswahl Personalexperten bestätigen, dass 9‑9‑6 in Teilen der Start-up-Szene als Vorauswahlkriterium gilt. Häufige Motivation auf Bewerberseite ist die Aussicht auf Unternehmensanteile. Zugleich etabliert sich in jüngeren Belegschaften eine Subkultur, die sich an heroischen Gründererzählungen orientiert und extreme Einsatzbereitschaft als Karrierebeschleuniger versteht.

🚀 Beispiel Rilla und Generation Z Beispielhaft wird das Start-up Rilla genannt, dessen Belegschaft mehrheitlich einem 9‑9‑6‑Rhythmus folge. Aus dem Unternehmen wird eine „wachsende Subkultur“ besonders unter Angehörigen der Generation Z beschrieben.

⚖️ Konservative Abwägung Disziplin, Tempo und unternehmerischer Ehrgeiz sind Wettbewerbsfaktoren, insbesondere in jungen, kapitalintensiven Märkten wie der KI. Doch dauerhafte 72‑Stunden‑Wochen sind kein tragfähiges Geschäftsmodell, sondern ein Ressourcenverschleiß, der Fluktuation, Fehlentscheidungen und Reputationsrisiken begünstigt. Leistungskulturen funktionieren nur mit klaren Regeln, verlässlichen Anreizsystemen und Führungsverhalten, das Grenzen respektiert.

🎯 Folgerungen für die Praxis Wer langfristig Werte schaffen will, setzt auf Fokus, professionelle Prozesse und planbare Intensität – nicht auf permanenten Ausnahmezustand. Unternehmen, Investoren und Bewerber sollten kritisch prüfen, ob 9‑9‑6 tatsächlich Produktivität steigert oder bloß kurzfristig Output erzwingt und mittel- bis langfristig Substanz kostet. Die Erfahrung legt nahe: Nachhaltiger Erfolg beruht auf kluger Priorisierung und Verlässlichkeit – beides verträgt sich nur begrenzt mit einem Arbeitsregime, das die Ausnahme zur Regel macht.

🗨️ Kommentar der Redaktion Fortschritt verlangt Leistung, nicht Selbstausbeutung. Wer 9‑9‑6 zur Norm erhebt, verwechselt Druck mit Führung. Anteilsscheine ersetzen keine Ordnung, und Heroismus ist kein Prozess. Führung heißt, Grenzen zu setzen, Verantwortung zu übernehmen und Qualität vor Tempo zu stellen. Wer dauerhaft 72‑Stunden‑Wochen propagiert, treibt heute Output und verliert morgen Substanz. Nüchternheit und Verlässlichkeit schlagen Lautstärke und Dauerfeuer.

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