🏭 Ende einer Industrie-Ikone in Görlitz: Waggonbau stoppt, KNDS übernimmt

🏭 Schließung nach 175 Jahren In Görlitz ist am 16. Dezember 2025 ein Kapitel deutscher Industriegeschichte geschlossen worden: Am Nachmittag rollte aus der Alstom-Montagehalle der letzte Wagen, ein Doppelstockfahrzeug für Israel. Seit der Standortgründung vor mehr als 175 Jahren wurden in der Neißestadt insgesamt über 107.600 Waggons gefertigt. Künftig zieht der Rüstungskonzern KNDS ein und stellt die Produktion auf Komponenten für gepanzerte Fahrzeuge um.

🕰️ Historischer Hintergrund Der Waggonbau prägte Görlitz seit dem 19. Jahrhundert – industriell wie städtebaulich. Das Werk war nicht nur im zivilen Schienenfahrzeugbau aktiv; bereits in den 1930er-Jahren entstanden dort auch militärische Ausrüstungen. Alstom will den Standort offiziell zum Ende des ersten Quartals 2026 schließen. Damit endet eine über Generationen gewachsene Fertigungstradition, deren Bedeutung weit über die Region hinausreichte.

👷 Belegschaft im Übergang Die personellen Wechsel sind angelaufen: 170 Beschäftigte sind bereits zu Alstom nach Bautzen gegangen, rund 60 wurden bislang von KNDS übernommen. Für knapp 500 verbleibende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht die Entscheidung noch aus. Der Betriebsrat rechnet damit, dass die meisten von KNDS übernommen werden – auch wenn vielen der Abschied vom Waggonbau schwerfällt.

🛡️ Neue Produktion bei KNDS KNDS hatte im Mai in Aussicht gestellt, 350 bis 400 Kräfte aus Görlitz zu übernehmen; die Auswahl erfolgt nach fachlichen Qualifikationen und Sicherheitsanforderungen. Geplant ist die Fertigung von Baugruppen für Leopard‑2‑Kampfpanzer und Puma‑Schützenpanzer sowie Modulen für den Radpanzer Boxer. 2026 soll die Serienfertigung von Panzerwannen vorbereitet werden, ab 2027 ist der Start vorgesehen. Der Innenausbau gepanzerter Fahrerhauskabinen läuft bereits an.

📊 Zahlen und Zeitplan auf einen Blick Die wichtigsten Eckdaten zum Übergang:

  • 16. Dezember 2025: letzter Wagen aus der Montagehalle, ein Doppelstockfahrzeug für Israel.
  • Über 107.600 Waggons seit Standortgründung in mehr als 175 Jahren.
  • Offizielle Standortschließung durch Alstom bis Ende des ersten Quartals 2026.
  • Personal: 170 zu Alstom nach Bautzen gewechselt, rund 60 von KNDS übernommen, Entscheidung für knapp 500 ausstehend.
  • KNDS stellte 350 bis 400 Übernahmen in Aussicht; Auswahl nach Qualifikation und Sicherheitsanforderungen.
  • Produktion: Baugruppen für Leopard 2 und Puma, Module für Boxer; 2026 Vorbereitung Serienfertigung Panzerwannen, ab 2027 Start; Innenausbau gepanzerter Fahrerhauskabinen angelaufen.

🧭 Bedeutung und Ausblick Der Abgesang auf den Görlitzer Waggonbau ist ein Einschnitt – ökonomisch, sozial und identitätsstiftend. Die Umwidmung in einen sicherheitsrelevanten Industriezweig folgt der veränderten Lage in Europa und dem gestiegenen Bedarf der Bundeswehr. Entscheidend wird sein, ob KNDS Zusagen zu Beschäftigung, Qualifizierung und Zeitplänen verlässlich einhält und ob Politik und Unternehmen die Region beim Strukturwandel pragmatisch unterstützen. Maßstab seriöser Industriepolitik sind belastbare Produktionsstarts, stabile Wertschöpfungsketten und faire Perspektiven für die Belegschaft – nicht Ankündigungen.

🗨️ Kommentar der Redaktion Dieser Wandel ist richtig, wenn er hält, was er verspricht. Entscheidend sind nun Termine, Verträge und verlässliche Abläufe – nicht Symbolik. KNDS muss zügig liefern, Politik muss Planungssicherheit schaffen und den Strukturwandel praktisch begleiten. Die Belegschaft verdient klare Perspektiven und ehrliche Qualifizierung statt wohlfeiler Worte. Tradition wird nicht durch Reden bewahrt, sondern durch produktive Arbeit mit Zukunft. Daran wird man alle Beteiligten messen.

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