🛡️ Letzte Abwehrlinie gegen Kleindrohnen Die massenhafte Verbreitung kleiner, günstiger Drohnen zwingt Europas Streitkräfte zu pragmatischen Lösungen. Anstelle teurer Raketen oder störanfälliger Elektronik rückt ein israelisches Nachrüstsystem für Handfeuerwaffen in den Fokus. Am 11. Dezember 2025 wurde über wachsendes europäisches Interesse an Arbel berichtet, einem Mini-Computermodul des Herstellers Israel Weapon Industries, das Gewehre und leichte Maschinenwaffen zur letzten Abwehrlinie gegen Drohnen aufrüstet.
🌍 Hintergrund und Lagebild Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie stark unbemannte Systeme das Gefechtsfeld verändern: Aufklärung aus der Luft ist allgegenwärtig, präzise Angriffe kleiner FPV-Drohnen sind billig, die Abwehr bleibt kostspielig und komplex. Elektronische Gegenmaßnahmen stoßen dort an Grenzen, wo Drohnen robust gesteuert werden oder ohne Funkanbindung operieren. Deshalb suchen Planer nach Lösungen, die rasch in vorhandene Strukturen passen, die Truppe wenig belasten und die Kosten-Nutzen-Bilanz verbessern.
🔧 Funktionsprinzip von Arbel Arbel wird in bestehende Sturmgewehre und leichte Maschinengewehre integriert und analysiert die Mikrobewegungen des Schützen. Der Soldat hält den Abzug, das System gibt Schüsse nur in dem Moment frei, in dem die Trefferchance maximal ist.
🎯 Leistungsdaten im Nahbereich Nach Angaben des Herstellers ist die Wirkung gegen Kleindrohnen auf Entfernungen bis etwa 450 Meter am Tag und rund 200 Meter bei Nacht ausgelegt. Das batteriebetriebene Modul wiegt rund 400 Gramm.
🇪🇺 Beschaffung in Europa IWI zufolge haben seit 2022 mindestens zehn europäische Staaten das System beschafft oder prüfen einen Erwerb.
⚠️ Ergänzung statt Ersatz Die Technologie ersetzt kein mehrschichtiges Luftverteidigungssystem. Sie erweitert den Werkzeugkasten der Infanterie im Nahbereich, wo Zeit, Sichtlinie und Munition den Ausschlag geben.
🧭 Abhängigkeit von Ausbildung und Verfahren Die Leistungsfähigkeit hängt von Ausbildung, Lagebild und Führungsabläufen ab. Gegen Schwärme, verdeckte Anflüge oder schnell manövrierende Ziele bleiben physische und menschliche Grenzen bestehen.
💶 Offene Kostenfrage Der Hersteller spricht von einer kosteneffizienten Lösung, nennt jedoch keine Preise. Für Beschaffer ist das ein zentrales Kriterium, insbesondere im Hinblick auf Flächeneinführung und Munitionsverbrauch.
✅ Fazit Europas Armeen reagieren konservativ-pragmatisch auf die Drohnenbedrohung: Statt auf spektakuläre Neuentwicklungen zu warten, wird vorhandene Handwaffentechnik mit einem zielzeitgesteuerten Abzugshilfesystem nachgerüstet. Arbel verspricht höhere Ersttrefferwahrscheinlichkeit und geringeren Munitionsbedarf, vor allem für Vorneinheiten. Die Erwartungen sollten jedoch nüchtern bleiben: Das System ist Ergänzung, nicht Ersatz für Sensorik, elektronische Abwehr und klassische Flugabwehr. Wo Drohnen das Gefecht prägen, hilft nur ein Verbund aus Verfahren, Technik und Disziplin, und genau dort ordnet sich diese Lösung ein.
🗨️ Kommentar der Redaktion Arbel ist ein vernünftiger Schritt, weil er vorhandene Mittel aufwertet und die Zeit bis zum Schuss objektiviert. Wer hier die Wunderwaffe erhofft, irrt: Ohne abgestimmte Führung, Übungsschießen und strikte Verfahren bleibt der Effekt begrenzt. Beschaffer sollten auf belastbare Preisangaben und Munitionsbedarfe bestehen, bevor sie breit einführen. Die Priorität muss auf Schichtung der Verteidigung liegen, nicht auf Technikeuphorie. Disziplin an der Front schlägt jede vermeintliche Abkürzung.


