Ein Besuch in der Geheimen Welt von Turisede
Zentendorf/Neißeaue. Manchmal braucht es gar keinen Flug ans andere Ende der Welt, um das Gefühl zu haben, woanders zu sein. Ein paar Kilometer hinter Görlitz, dort, wo die Neiße die Grenze markiert, biegt man von der Landstraße ab – und steht plötzlich vor einem Tor, das eher an ein Märchen erinnert als an einen Freizeitpark. Hier beginnt sie: die Geheime Welt von Turisede.
Was vor gut 35 Jahren als „Holzspielplatz“ begann, ist inzwischen zu einer eigenen, in sich stimmigen Welt gewachsen. Baumhäuser in luftiger Höhe, unterirdische Gänge, Tiere in fantasievollen Behausungen, ein Theater zum Essen und ein polnischer Schwesterpark jenseits des Flusses – Turisede ist schwer in eine Schublade zu stecken. Und genau das macht den Besuch so besonders.
Ein Volk, das nie ganz verschwunden ist
Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Turiseder – eines sagenhaften Volkes, das der Legende nach in den Neißeauen lebte, seine Konflikte mit Spielen austrug und sich Kinder zu Königen wählte.
Schon am Eingang wird man freundlich „vereinnahmt“: Mit einer persönlichen Glückszahl in der Hand betritt man das Gelände und stolpert kurz darauf über die ersten Spuren dieser „alten Kultur“ – seltsame Wegweiser, geschnitzte Gesichter in Baumstämmen, rätselhafte Symbole.
Zwischen Bäumen und Böschungen verstecken sich:
- ein weit verzweigtes Labyrinth aus unterirdischen Gängen,
- der Dachwanderweg mit Blick über den Park,
- das Museumsbaumhaus „Historum“, in dem die Geschichte der Turiseder augenzwinkernd erzählt wird,
- und zahlreiche Tiere in ungewöhnlichen Quartieren – von der Büffel-WG bis zu Ziegen im Labyrinth.
Vieles wirkt so, als hätte jemand eine besonders wilde Kinderfantasie sehr ernst genommen – und sie dann handwerklich perfekt umgesetzt.
Schlafen in den Wipfeln – das Baumhaushotel
Wer am Abend nicht wieder wegfahren möchte, kann bleiben – und das auf spektakuläre Weise.
Das Baumhaushotel, das als erstes seiner Art in Deutschland gilt, steht auf hohen Stelzen in den Kronen alter Bäume. Jedes Haus erzählt eine eigene Geschichte: Bodelmutzens Geisterhaus, Fionas Luftschloss, Baba-Doros Kräuterkate, Bergamos Gästenest – schon die Namen verraten, dass hier nicht einfach nur Betten vermietet werden.
Neben den Baumhäusern gibt es:
- Vögelbaumhütten und Baumbetten für alle, die Natur möglichst nah erleben wollen,
- unterirdische Schlafplätze wie das Erdhaus oder Dragomirs Erdversteck,
- Familienunterkünfte wie die Mystische Mühle oder das Fassbaumhaus mit Küche und Bad,
- sowie Gruppenquartiere vom Baumhauscamp bis zum Campingplatz.
Wer hier übernachtet, wacht mit dem Gefühl auf, mitten in einer anderen Welt zu sein – und sieht tatsächlich zu den ersten Sonnenstrahlen über Deutschland.
Wenn es dunkel wird: Geisterstunde, Krönum und heiße Kessel
Mit dem einsetzenden Abend verändert Turisede seine Stimmung. Wo tagsüber Kinderlachen und Klettergeräusche dominieren, mischen sich später Fackelschein, Musik und leise Gespräche am Lagerfeuer.
Mutige folgen während der Geisterstunde den Andeutungen der Inselgeister, verschwinden in Tunnelzugängen oder meinen, zwischen Holunderbüschen eine Elfe gesehen zu haben.
Wer es gemütlicher angeht, landet im „Faulenzum“, der turisedischen Wellnessanlage mit Baumhaus- und Blockhaussauna, heißen Kesseln und – nach Anmeldung – dem legendären Bierbad im Kannibalenkessel.
Ein besonderer Höhepunkt ist das „Krönum“, das „Theater zum Essen“: In einer spektakulären Krönungshalle mit Brücken, Ebenen und Galerien wird ein mehrgängiges Menü mit Artistik, Erzählkunst und viel Humor rund um das Volk der Turiseder kombiniert. Man sitzt mittendrin in der Geschichte – nicht bloß davor.
Über die Neiße: Turiuswinkel auf der polnischen Seite
Turisede endet nicht an der Grenze. Über einen Steg geht es hinüber in den Turiuswinkel, den polnischen Parkteil bei Bielawa Dolna.
Rund um das schwimmende Neißecafé und das Seh-Café eröffnen sich weitere Spiel- und Erlebnisräume: ein Naturcampingplatz, ein Aussichtsturm mit Camera Obscura, eine Waldkunstgalerie im Erlensumpf, ungewöhnliche Tiergehege und Rastplätze im Grünen.
Gerade hier wird spürbar, wie sehr das Projekt auch von gelebter deutsch-polnischer Nachbarschaft lebt: gemischte Teams, zweisprachige Schilder, gemeinsame Veranstaltungen. Aus einer Grenze wird ein verbindendes Band.
Die Menschen hinter der Welt: Holz, Kunst und Handwerk
Erfunden und aufgebaut wurde die Geheime Welt von Turisede von Jürgen Bergmann und der Künstlerischen Holzgestaltung Bergmann GmbH.
Was heute als selbstverständlich wirkt – Häuser auf Bäumen, Kletterwege durch ganze Baumkronen, Figuren aus Eiche und Robinie – ist Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklung. In den Werkhallen neben dem Park entstehen nicht nur Elemente für Turisede selbst, sondern komplette Erlebniswelten für Freizeitparks, Kommunen und touristische Projekte in halb Europa und inzwischen sogar darüber hinaus.
Rund 150 Mitarbeitende, darunter viele aus Polen, arbeiten hier an Unikaten. Jedes größere Projekt beginnt mit Modellen im Maßstab 1:25, bevor später Holz, Stahl und Fantasie zusammenspielen. Die Geheime Welt von Turisede dient dabei als großes Versuchsfeld: Was hier funktioniert und die Besucher begeistert, kann an anderen Orten neu interpretiert werden.
Essen mit Geschichte: Erlebnisgastronomie in Turisede
Zur Turisede-Erfahrung gehört auch die Gastronomie. Im Baumstammlokal essen die Gäste zwischen geschnitzten Baumstämmen und Skulpturen, während auf der Karte Gerichte stehen, die nach Wald, Feld und Wiese sortiert sind – samt kleiner Geschichten zu ihrem „turisedischen Ursprung“.
Über das Gelände verteilt findet man:
- die Feuer-Wasser-Spielunke,
- das Neißefloß-Café auf dem Wasser,
- das Baumhaus-Café in luftiger Höhe
- und weitere Anlaufpunkte, an denen man sich stärken kann.
Statt Fast Food dominiert hier das Besondere – regional gedacht und in eine eigene Erzählwelt eingebettet.
Kein Kirmes-Glamour – und gerade deshalb besonders
Wer Adrenalin-Schleudern, blinkende Fahrgeschäfte und Dauerbeschallung sucht, ist in Turisede falsch. Der Park setzt auf etwas anderes: auf Handwerk, Fantasie, Natur und Zeit. Vieles ist verwinkelt, ungerade, bewusst „unperfekt“ – und gerade deshalb glaubwürdig.
Selten hatten wir bei einem Besuch das Gefühl, so schnell den normalen Alltag hinter uns zu lassen. Zwischen Baumhäusern, Geheimgängen, Lagerfeuer und Neißeufer entsteht ein ganz eigener Rhythmus. Man merkt, dass hier seit Jahrzehnten nicht nur gebaut, sondern erzählt wird – mit einem Augenzwinkern, aber großer Liebe zum Detail.
Ein Tag reicht kaum aus, um alles zu entdecken. Und genau das ist vielleicht das schönste Kompliment, das man einem solchen Ort machen kann.
Kommentar der Redaktion
Die Geheime Welt von Turisede ist mehr als ein „Freizeitpark“. Sie ist ein Gegenentwurf zu austauschbaren Attraktionen und standardisierten Erlebniswelten.
Hier zeigt sich, was passieren kann, wenn jemand eine Idee über Jahrzehnte konsequent weiterdenkt, Menschen aus der Region einbindet und dabei Kunst, Handwerk und Natur ernst nimmt.
Aus Sicht der Redaktion ist Turisede einer der ungewöhnlichsten und zugleich wertvollsten Orte im Dreiländereck – touristisch, kulturell und auch als Beispiel dafür, wie viel Kraft in einer konsequent gelebten Vision steckt. Wer die Oberlausitz entdecken will, kommt an diesem Ort kaum vorbei.
Informationen
Geheime Welt von Turisede
Kulturinsel Einsiedel 1
02829 Neißeaue/Zentendorf
Weitere Infos, Öffnungszeiten, Angebote für Familien, Gruppen und Firmen:
www.turisede.com und www.kulturinsel.com
Buchungen: buchung@turisede.de, Tel. 035891 49113


