📰 Kommission gegen Einheitskrankenkasse Die von der Bundesregierung eingesetzte Finanzkommission erteilt der seit Jahren kursierenden Idee einer Einheitskrankenkasse eine Absage. Die Experten verweisen auf die bereits hohe Marktkonzentration und betonen, dass Zwangsfusionen nicht automatisch Effizienzgewinne bringen. Statt einer Strukturrevolution empfiehlt die Kommission gezielte, überprüfbare Einsparungen, etwa bei den Werbeausgaben der Kassen.
📊 Marktlage in der gesetzlichen Krankenversicherung In Deutschland existieren derzeit 93 gesetzliche Krankenkassen. Die 20 größten Anbieter tragen 84 Prozent der Versicherten; in den Ländern bündeln die jeweils fünf größten Kassen zwischen 68 und 85 Prozent der Marktanteile. Der Preiswettbewerb – vor allem über kassenindividuelle Zusatzbeiträge – hat den Kostendruck erhöht.
📉 Effizienztrend in der Verwaltung Der Verwaltungsanteil an den Gesamtausgaben sank in den vergangenen Jahren von 5,4 auf unter 4 Prozent. Gleichzeitig betreut ein Mitarbeiter heute im Schnitt 563 statt 487 Versicherte wie im Jahr 2004.
⚠️ Österreich als warnendes Beispiel Seit der 2020 vollzogenen Großfusion zur Österreichischen Gesundheitskasse stiegen die Ausgaben für Personal, IT und Verwaltung um rund 25 Prozent. Im selben Zeitraum nahmen die Verwaltungsausgaben der deutschen Kassen nur um etwa 7 Prozent zu. Für die Kommission unterstreicht dies, dass Zentralisierung nicht zwingend zu Effizienz führt.
✂️ Ausgabenbremse bei Werbung Anstelle einer Einheitskasse empfiehlt die Kommission eine klare Ausgabenbremse. Die gesetzliche Obergrenze für Werbung soll von derzeit 0,15 Prozent der SGB‑IV‑Bezugsgröße je Mitglied (2025 rund 5,60 Euro) auf 0,075 Prozent halbiert werden. Kurzfristig wären Einsparungen von etwa 70 Millionen Euro im Jahr möglich – ohne Eingriffe in Leistungen für Patienten.
🧭 Pragmatischer Kurs statt Großprojekt Die Kommission setzt auf Wettbewerb, Eigenverantwortung der Kassen und rasches Streichen verzichtbarer Ausgaben. Wer dauerhaft stabile Beiträge anstrebt, braucht belastbare Effizienzgewinne – nicht eine politisch verordnete Einheitslösung, deren internationale Vorbilder bereits Ernüchterung hinterlassen. Der vorgeschlagene Kurs ist pragmatisch, überprüfbar und den Versicherten eher zumutbar als riskante Systemexperimente.
🗨️ Kommentar der Redaktion Dieser Vorschlag ist ein notwendiger Realitätscheck: Zentralisierung verführt politisch, liefert aber erfahrungsgemäß keine Wunder. Wer Beitragssätze stabil halten will, muss überflüssige Ausgaben streichen und Verantwortlichkeit stärken – nicht Strukturen aufblähen. Die Halbierung der Werbeobergrenze ist ein einfacher, sofort wirksamer Schritt und setzt das richtige Signal der Haushaltsdisziplin. Eine Einheitskasse wäre ein riskantes Experiment mit unklarem Nutzen und absehbaren Nebenwirkungen. Deutschland braucht nüchterne Effizienz, keinen systempolitischen Aktionismus.


