🗞️ Neuer Kostenstand Die Kosten für den neuen Campus des Landratsamtes Görlitz steigen erneut. Zum 2. April 2026 bezifferte Finanzbeigeordneter Thomas Gampe die Gesamtsumme auf 74,6 Millionen Euro. Begründet wird der Anstieg mit fortgesetzt hohen Baupreisen, aufwendigen Umplanungen und unerwarteten Schäden an der historischen Bausubstanz. Der Eigenmittelanteil des Kreises bleibt unverändert, die Mehrkosten werden über zusätzliche Fördermittel gedeckt. Zuvor war im Dezember 2025 noch von 73,2 Millionen Euro die Rede.
📌 Projekt und Ausgangslage Der Verwaltungscampus entsteht durch die Sanierung mehrerer Altbauten an Berliner Straße und Salomonstraße sowie einen ergänzenden Neubau mit Tiefgarage. Beim Baubeschluss im Mai 2019 wurde das Vorhaben ursprünglich mit 57,5 Millionen Euro kalkuliert; zugleich wurde festgelegt, dass die Eigenmittel des Landkreises bei Sanierung und Neubau gedeckelt sind. Frühere Planungen sahen die Fertigstellung der Altbauten bis Ende 2023 und des Neubaus bis Ende 2025 vor.
📈 Kostendynamik und Treiber Die jüngste Zahl von 74,6 Millionen Euro markiert eine weitere Etappe der Kostendynamik. Gampe verweist auf strukturelle Preistreiber wie Bau- und Materialkosten, notwendige Planänderungen und Befunde an der Bausubstanz, die erst im Bauverlauf sichtbar wurden. Bereits im Dezember 2025 hatte er 73,2 Millionen Euro genannt und gehofft, den Höhepunkt erreicht zu haben – eine Annahme, die sich nun als zu optimistisch erweist.
💶 Finanzierung und Haushalt Entscheidend aus Haushaltssicht: Der Kreis muss trotz höherer Gesamtsumme keine zusätzlichen Eigenmittel aufbringen, weil die Finanzierungslücke durch höhere Förderquoten und weitere Zuwendungen geschlossen wird. Damit bleibt die Schutzschranke für die kommunalen Finanzen vorerst wirksam, auch wenn die Gesamtkosten steigen.
🛠️ Projektsteuerung unter Druck Der erneute Kostenschub verschärft den Druck auf Planung, Controlling und Terminmanagement des Vorhabens. Sanierung im Bestand und ein straffer Förderschlüssel verlangen konsequente Transparenz über Baufortschritt, Risikovorsorge und Nachträge. Für einen finanziell ohnehin geforderten Kreis ist nun haushaltspolitische Disziplin gefragt – mit klaren Meilensteinen, belastbaren Kostenständen und frühzeitiger Kommunikation, falls weitere Anpassungen notwendig werden.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die wiederholten Kostensteigerungen zeigen, dass das Risikomanagement bislang nicht hart genug greift. Dass der Eigenanteil dank Fördermitteln stabil bleibt, ist kein Freibrief für Nachlässigkeit. Die Verwaltung muss Termin- und Kostenwahrheit herstellen, Nachträge streng prüfen und die Planungsqualität sichtbar erhöhen. Der politisch gesetzte Deckel auf Eigenmittel ist einzuhalten; jede Abweichung wäre den Steuerzahlern nicht vermittelbar. Ab jetzt gilt Null-Toleranz gegenüber Verzögerungen und unklaren Zuständigkeiten – Transparenz, Haftung und belastbare Kennzahlen sind die Richtschnur.


