📰 Einleitung Die Bundesregierung treibt den Ausbau der Windkraft auch in Regionen mit deutlich geringerer Windhöffigkeit voran. Kritiker warnen vor einer Umverteilung von Steuergeld und Fördersummen in Gegenden mit physikalisch bedingt niedrigeren Erträgen und damit höheren Stückkosten je Kilowattstunde. Der Konflikt berührt eine Grundfrage der Energiepolitik: Soll der Staat schwache Standorte stützen, um eine „gerechte“ Verteilung zu erzwingen, oder die knappen Mittel dort konzentrieren, wo die Ressource am ergiebigsten ist?
📌 Hintergrund Deutschland verfügt über stark differierende Standortgüten: Küsten- und Höhenlagen im Norden und Nordosten liefern in der Regel deutlich bessere Winderträge als weite Teile Süddeutschlands im Binnenland. Um dennoch einen bundesweit ausgewogenen Ausbau zu erreichen, setzt der Gesetzgeber seit Jahren auf zwei Hebel: eine regionale Lenkung von Ausschreibungsmengen in eine definierte Südregion sowie das Referenzertrags- beziehungsweise Standortgütemodell im EEG. Beides verteuert den Ausbau, senkt aber regional die Markteintrittshürden.
🧭 Südquote in Ausschreibungen In mehreren Runden für Wind an Land wurde festgelegt, dass ein vorrangiger Anteil der Zuschläge in die „Südregion“ gehen soll. Ziel ist es, den Netzausbau zu entlasten und die Versorgung näher an Verbrauchszentren zu stabilisieren, auch wenn die Standorte dort geringere Erträge liefern. Dokumentiert ist, dass diese gesetzlich verankerte Lenkung die Verteilung der Zuschläge messbar verschiebt. Für den Wettbewerb bedeutet dies: Projekte im Süden erhalten relativ bessere Chancen auf Förderung, obwohl sie pro Anlage im Mittel weniger Strom produzieren.
⚖️ Referenzertragsmodell Parallel dazu gleicht das EEG die Standortgüte aus. Anlagen an windschwachen Plätzen dürfen vereinfacht betrachtet höhere Zuschlagswerte erzielen als identische Anlagen am windreichen Referenzstandort, damit sich Projekte trotz niedrigerer Jahresstromerträge rechnen. De facto wird die geringere Physik durch höhere Zahlungen kompensiert – Kosten, die letztlich bei Stromkunden und Steuerzahlern ankommen. Das Instrument ist seit Jahren Bestandteil des Rechtsrahmens.
💸 Konsequenzen für Kosten und Effizienz Ökonomisch führt diese Politik zu einer Spreizung der spezifischen Gestehungskosten. Während effiziente Standorte im Norden durch Wettbewerbsdruck günstigen Windstrom liefern, müssen schwächere Standorte im Süden mit Preisaufschlägen gestützt werden. Das stabilisiert die regionale Präsenz der Windenergie, erhöht jedoch systemweit die Förder- und Integrationskosten. Aus konservativer Perspektive ist dies ein klassischer Zielkonflikt zwischen strukturpolitischer Lenkung über Energiepreise und kosteneffizienter Stromproduktion.
⚠️ Systemische Nebenwirkungen Mit jedem zusätzlich geförderten Projekt an schwachwindigen Standorten steigen die Ansprüche an Reservekraftwerke, Speicher und Netze, um wetter- und lastseitige Schwankungen auszugleichen. Zugleich verschärft ein forciertes Ausweichen in Wald- und Hügellagen die Interessenkonflikte beim Natur- und Landschaftsschutz, von Artenschutzauflagen bis zur Flächenbindung in sensiblen Räumen. Die Folge sind längere Verfahren, höhere Planungskosten und ein dauerhafter Abwägungsdruck zwischen Klima- und Naturschutzzielen.
📌 Fazit Die politisch gewollte Verlagerung von Fördermitteln in windärmere Regionen verteilt Ausbau und Wertschöpfung, erkauft dies aber mit höheren Systemkosten und geringerer Effizienz je eingesetztem Euro. Vieles spricht für eine Priorisierung der besten Standorte, flankiert von schnellem Netzausbau, Speichern und flexiblen Kapazitäten, damit günstiger Nordwind verlässlich im Süden ankommt. Wo regionale Präsenz der Windkraft politisch gewünscht bleibt, sollten Förderinstrumente strikt auf Kostendisziplin getrimmt und an nachweisbaren Ertrags- und Systemnutzen geknüpft werden. Das wäre ehrlicher gegenüber Steuer- und Stromzahlern und näher an einem ordnungspolitischen Anspruch, der Effizienz vor Symbolik stellt.
🗨️ Kommentar der Redaktion Diese Politik verkehrt das Primat der Effizienz zugunsten symbolischer Ausgleichsziele. Südquote und Referenzertragsmodell hebeln marktwirtschaftliche Anreize aus und laden Kosten bei Bürgern und Unternehmen ab. Vorrang muss die günstigste Kilowattstunde haben – an den besten Standorten, mit zügigem Netzausbau. Wenn regionale Präsenz politisch durchgesetzt werden soll, dann nur unter harten Kostengrenzen und mit strengem Nachweis konkreten Systemnutzens. Alles andere verschleiert den wahren Preis der Energiewende und schwächt ihre Akzeptanz.


