📰 IAA der EU-Kommission fokussiert Nachfrage nach CO₂-armen Produkten Am 4. März 2026 hat die EU-Kommission den Industrial Accelerator Act vorgelegt. Das Vorhaben soll die Nachfrage nach CO₂-armen Produkten aus europäischer Fertigung stärken. Industrievertreter warnen jedoch, dass schwache oder unverbindliche Herkunftskriterien „Made in EU“ öffentliche Milliardensummen ins Ausland lenken und damit Europas industrielle Basis untergraben würden. Der Konflikt berührt zentrale Ziele wie Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und die Glaubwürdigkeit der Klimapolitik.
🌍 Geopolitischer Druck und verletzliche Lieferketten Europa steht angesichts geopolitischer Spannungen, verschärfter Handelskonflikte und anfälliger Lieferketten industriepolitisch unter Druck. Gerade Grundstoffbranchen wie Stahl sind für Infrastruktur, Energiewende, Automobilwirtschaft und Verteidigungsfähigkeit systemrelevant. Während die USA Subventionen strikt mit heimischer Produktion verknüpfen und Indien gezielt öffentliche Beschaffung zur Kapazitätsbildung nutzt, droht Europa ohne klare Herkunftskriterien in Leitmärkten der Verlust von Wertschöpfung und Einfluss.
🧭 Instrument und Reichweite des IAA Der IAA setzt auf gezielte Anforderungen für „Made in EU“ und CO₂-arme Produkte in der öffentlichen Beschaffung und in Förderprogrammen. Er beschleunigt Genehmigungen über eine digitale Anlaufstelle und zielt auf ausgewählte strategische Sektoren: Stahl, Zement, Aluminium, Automobile sowie Netto-Null-Technologien wie Batterien, Solar, Wind, Wärmepumpen und auch Kernenergie. Zugleich muss die Verordnung noch von Parlament und Rat verhandelt werden; entscheidend ist, ob Herkunfts- und Resilienzvorgaben verbindlich und überprüfbar ausgestaltet werden.
💶 Hebelwirkung der öffentlichen Ausgaben Die industriepolitische Schlagkraft ist groß: Allein die öffentlichen Aufträge in der EU summieren sich jährlich auf über zwei Billionen Euro. Ohne Herkunfts- und Resilienzvorgaben würden aus Leitmärkten für „grüne“ Schlüsselmaterialien rasch Importmärkte – mit absehbaren Folgen für Investitionen, Beschäftigung und industrielle Souveränität. In Deutschland hängen laut Branchenangaben rund vier Millionen Arbeitsplätze an stahlintensiven Ketten, etwa 80.000 Menschen arbeiten direkt in der Stahlindustrie. Vor diesem Hintergrund mahnt die Industrie ein klares Bekenntnis zu „Made in Europe“ an.
🏛️ Politische Rückendeckung Politisch gibt es Rückenwind: Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sich auf dem Stahlgipfel 2025 ausdrücklich hinter EU-Präferenzregeln für emissionsarmen Stahl – ein Signal, das Berlin nun in Brüssel durchsetzen soll.
🔎 Was jetzt entschieden werden muss Der weitere Gesetzgebungsprozess wird zeigen, ob „Made in EU“ zur belastbaren Leitplanke wird. Ausschlaggebend sind klare, überprüfbare Herkunfts- und Resilienzkriterien, die förder- und beschaffungsseitig wirksam greifen. Bleibt die Verbindlichkeit aus, riskiert Europa, die Transformation zu finanzieren, während Wertschöpfung, Know-how und Versorgungssicherheit anderswo entstehen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Halbherzige Herkunftsvorgaben wären industriepolitischer Leichtsinn. Wer Klimaziele ernst nimmt, muss Wertschöpfung und Kapazitäten in Europa sichern – nicht auslagern. Präferenzregeln für CO₂-arme Produkte aus europäischer Fertigung sind legitim und notwendig, um Leitmärkte nicht zu Importmärkten verkommen zu lassen. Der IAA braucht harte, überprüfbare „Made in EU“-Standards, sonst bleibt er Symbolpolitik. Berlin und Brüssel müssen jetzt liefern – ohne Ausnahmen, ohne Schlupflöcher.


