🛡️ Einordnung Deutschland treibt die eigene Luftverteidigung voran: Auf der Fachmesse Enforce Tac hat Diehl Defence einen gemeinsamen Startwerfer für die Mittel- und Langstreckenvarianten des IRIS‑T‑Systems vorgestellt. Im Raum steht damit die Frage, ob Europa eine eigenständige Alternative zum US‑amerikanischen Patriot formt – oder ob es sich um eine gezielte Ergänzung in einem mehrschichtigen Schutzschirm handelt.
✈️ Hintergrund Patriot Patriot gilt seit Jahrzehnten als westlicher Maßstab bei der Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und vor allem ballistischen Raketen. Die jüngsten PAC‑3‑MSE‑Ausbaustufen setzen auf „Hit‑to‑Kill“-Technologie; doch Systeme und Lenkflugkörper sind teuer und in vielen Staaten knapp. Der weltweite Bedarf ist hoch, die Lieferzeiten sind lang – eine Realität, die Europas Verteidiger seit dem russischen Angriff auf die Ukraine besonders deutlich spüren.
🚀 Neuer Launcher Mit dem neuen Launcher führt Diehl zwei bislang getrennte Linien zusammen: IRIS‑T SLM für mittlere Reichweiten und IRIS‑T SLX für größere Entfernungen. Der Werfer kann beide Raketentypen sogar gemischt laden – ein Plus an Flexibilität, das Beschaffung und Einsatz vereinfacht. Zum Verbund gehören Gefechtsstand, Radar und mehrere Startfahrzeuge; das Radar detektiert Ziele bis etwa 250 Kilometer.
🎯 Leistungsprofil SLM‑Raketen bekämpfen Ziele bis rund 40 Kilometer Entfernung und bis 20 Kilometer Höhe. Die künftige SLX‑Variante erweitert den Abfangbereich deutlich und soll Lücken im europäischen Abwehrgürtel schließen. Gleichwohl bleibt die Fähigkeit zur Bekämpfung ballistischer Raketen – die Domäne von Patriot – im IRIS‑T‑Verbund begrenzt.
🧩 Rolle im Schutzschirm In der Praxis bildet IRIS‑T SLM/X eine zusätzliche Schicht zwischen bodennaher Nahbereichsabwehr und den Hochleistungsfähigkeiten von Patriot. Damit lässt sich ein abgestuftes Abwehrbild zeichnen, in dem flexibel kombinierte Startfahrzeuge unterschiedliche Ziele abdecken und die Gesamtwirksamkeit erhöhen.
🏙️ Schutzwirkung im Alltag Die modulare IRIS‑T‑Familie zielt darauf, Städte und kritische Infrastruktur gegen Drohnen, Flugzeuge und Marschflugkörper zu schützen. Zugleich kann sie Hochwertressourcen wie Patriot entlasten, die dort gebunden bleiben sollen, wo nur maximale Leistungsfähigkeit gegen modernste Bedrohungen genügt.
🏭 Industrieller Schritt Industriell ist der gemeinsame Launcher bedeutsam: Europa reduziert Abhängigkeiten, schafft Standardisierung und steigert die Wirksamkeit bestehender Sensor‑Schützen‑Ketten. Realismus bleibt dennoch geboten: Die SLX‑Rakete mit größerer Reichweite von rund 80 Kilometern soll erst gegen Ende des Jahrzehnts in die Serienfertigung gehen – ambitioniert, aber kein kurzfristiger Zeithorizont.
📦 Beschaffung und Verfügbarkeit Patriot bleibt vorerst unverzichtbar, wenn es um moderne ballistische Bedrohungen geht. Begrenzte Bestände, Exportprioritäten der USA und mehrjährige Vorlaufzeiten unterstreichen zugleich, dass Europa eigene Kapazitäten ausbauen muss, um rascher und breiter liefern zu können. Hier kann der neue SLM/X‑Launcher als Teil der IRIS‑T‑Familie Lücken schließen.
🔭 Fazit Eine „deutsche Alternative“ zu Patriot ist IRIS‑T SLM/X nicht – und will es auch nicht sein. Europas Weg zu robusterer Luftverteidigung führt über ein abgestuftes System: günstiger, verfügbarer Schutz gegen die breite Alltagsbedrohung, flankiert von wenigen, teuren Hochleistungsschichten gegen das Extreme. Der neue Launcher stärkt genau dieses Prinzip. Konservativ gedacht heißt das: Fähigkeitslücken schließen, Lieferketten verlässlich aufbauen, Zeitpläne einhalten – und Patriot dort einsetzen, wo nur Patriot genügt. So entsteht schrittweise ein europäischer Schild, der auf eigenen Füßen steht und transatlantische Kapazitäten sinnvoll ergänzt.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der neue Launcher ist ein sinnvoller, pragmatischer Schritt, kein Anlass für falsche Erwartungen. Europas Luftverteidigung braucht robuste Verfügbarkeit im Alltag und bewusste Schwerpunktsetzung bei knappen Hochwertfähigkeiten. Entscheidend sind nun Disziplin bei Zeitplänen, Verlässlichkeit der Lieferketten und strikte Priorisierung. Wer Patriot ersetzen will, irrt; wer Patriot entlastet, handelt richtig. Der Maßstab bleibt die Wirksamkeit im Verbund, nicht die Schlagzeile. Nur mit nüchterner Planung und harter Umsetzung wächst ein belastbarer europäischer Schild.
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