📰 IHK warnt vor weiteren Verzögerungen Die Industrie- und Handelskammer Chemnitz mahnt in einer Stellungnahme vom 26. Februar 2026 Tempo beim Ausbau der Bahnverbindung Leipzig–Chemnitz an. Hauptgeschäftsführer Christoph Neuberg fordert verbindliche Zeitpläne, praxistaugliche Planungsstandards und eine verlässliche Finanzierung. Der Ausbau gilt der IHK als Schlüsselprojekt für die Industrieregion Südwestsachsen. Ausufernde Planungsbürokratie und zähe Verfahren dürften die Modernisierung nicht länger ausbremsen; zugleich bereitet die Kostenentwicklung zusätzliche Sorge.
ℹ️ Hintergrund und Ausgangslage Die Strecke ist bislang überwiegend eingleisig und nicht elektrifiziert; ihr Ausbau steht seit Jahren auf der regionalpolitischen Agenda. Nach jüngsten Angaben des sächsischen Infrastrukturministeriums beginnen die Arbeiten am Südabschnitt Geithain–Chemnitz frühestens 2032 und dauern bis 2035. Für den Nordabschnitt in Richtung Leipzig fehlt weiterhin ein belastbarer Zeitplan, da Planungen noch ausstehen. Allein dieser nördliche Teil wird derzeit mit rund 750 Millionen Euro veranschlagt, was den Handlungsdruck erhöht.
📣 Forderungen der Wirtschaft Die IHK drängt auf weniger Auflagen, zügige Verfahren und klar planbare Meilensteine. Beim 3. Bahngespräch am 13. Januar 2026 in Chemnitz erläuterte die Deutsche Bahn zwar den Projektstand, blieb jedoch Angaben zu Baustart und Fertigstellung schuldig. Die sächsischen Kammern präzisieren ihre Erwartungen in vier Punkten:
- Ein realistischer Gesamtfahrplan mit verbindlichen Etappen.
- Ein weitgehend zweigleisiger Ausbau für einen 30-Minuten-Takt.
- Klare Aussagen zur Finanzierung des Nordabschnitts.
- Eine stärkere Berücksichtigung des Güterverkehrs.
🤝 Rückenwind aus der Region Die Forderungen stützen sich auf breite Unterstützung. Eine Online-Petition verzeichnet nach eigenen Angaben mehrere tausend Unterstützer. Zusätzlich wurden im Sommer 2025 9,3 Millionen Euro aus dem sächsischen Haushalt für weitere Planungen mobilisiert. Dennoch bleibt das Vorhaben hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.
⏳ Zeithorizont und Risiken Ein Jahrzehnt bis zum ersten Spatenstich im Süden und Unklarheit im Norden markieren für eine zentrale Wirtschaftsachse einen kritischen Befund. Ohne verbindliche Meilensteine drohen weitere Jahre des Stillstands. Das hat spürbare Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Pendler und Investitionen.
🛤️ Erwartungen an Bund, Land und Bahn Bund, Land und Bahn sind gefordert, verbindliche Zeitpläne vorzulegen, die Finanzierung zu sichern und Verfahren zu beschleunigen. Dazu gehören praxistaugliche Planungsstandards und eine straffere Priorisierung der Abschnitte. Ziel ist, Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte zu schaffen und die Region verlässlich an die überregionalen Netze anzubinden.
✅ Fazit Die IHK macht deutlich: Ohne klare Etappen, belastbare Finanzierungsaussagen und beschleunigte Verfahren bleibt der Ausbau der Verbindung Leipzig–Chemnitz ein Dauerthema. Entscheidend ist nun, die angekündigten Arbeiten im Süden terminfest zu hinterlegen und den nördlichen Abschnitt zügig auf Kurs zu bringen, um weiteren Stillstand zu vermeiden.
🗨️ Kommentar der Redaktion Diese Debatte ist ein Lackmustest für die Fähigkeit des Staates, zentrale Infrastruktur zielgerichtet zu modernisieren. Wer Planungssicherheit verspricht, muss verbindliche Termine setzen, Verantwortlichkeiten klar benennen und Kosten diszipliniert steuern. Endlose Verfahrensschleifen und unklare Prioritäten sind mit der industriellen Substanz Südwestsachsens unvereinbar. Der zweigleisige, leistungsfähige Ausbau ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für Takt, Güterverkehr und Standortqualität. Jetzt braucht es Führung statt Ankündigungen – und Ergebnisse, an denen sich Politik und Bahn messen lassen.
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