🦷 Zahnpolitik im Härtetest: Was der CDU‑Vorstoß für Patienten wirklich bedeuten würde

📰 Vorstoß löst Grundsatzdebatte aus Der Vorstoß des CDU-nahen Wirtschaftsrats, zahnärztliche Behandlungen nicht länger über die gesetzliche Krankenversicherung zu finanzieren, hat Anfang Februar 2026 eine heftige Debatte über Solidarität, Eigenverantwortung und die künftige Finanzierung des Gesundheitssystems ausgelöst. Im Zentrum steht die Frage, ob der Zahnarztbesuch zur privaten Angelegenheit wird – und was das finanziell für Millionen Versicherte bedeuten würde. Schon heute tragen Patientinnen und Patienten erhebliche Eigenanteile; eine vollständige Privatisierung würde die Lasten spürbar verlagern.

🏛️ Ordnungspolitische Argumente und innerparteilischer Gegenwind Der Wirtschaftsrat ist kein Teil der CDU, sondern ein parteinaher Unternehmerverband. Er begründet seinen Vorstoß mit ordnungspolitischen Erwägungen: Steigende Sozialabgaben gefährdeten Leistungsanreize, daher müsse der Leistungskatalog der GKV überprüft werden – ausdrücklich auch bei Zahnarztleistungen. Der Generalsekretär des Verbandes verteidigte den Kurs. Zugleich kam deutlicher Gegenwind: Aus der Bundesregierung hieß es, entsprechende Pläne gebe es nicht; auch aus der Union selbst, etwa aus Rheinland-Pfalz, sowie vom CDU-Arbeitnehmerflügel CDA kamen Warnungen vor einer Schlagseite in der Sozialdebatte.

🦷 Wie die GKV heute beim Zahnarzt zahlt Bei vielen zahnärztlichen Leistungen übernimmt die GKV keinen Vollersatz, sondern gewährt feste Zuschüsse für die sogenannte Regelversorgung. Höherwertige Materialien oder Komfortlösungen müssen überwiegend privat getragen werden. Eine professionelle Zahnreinigung kostet typischerweise 80 bis 120 Euro; einige Krankenkassen gewähren darauf freiwillige Zuschüsse.

💶 Konkrete Beträge und Beispiele Bei Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Prothesen übernehmen die Kassen bei Regelversorgung im Schnitt rund 60 Prozent der kalkulierten Kosten; mit lückenlosem Bonusheft steigt der Zuschuss auf bis zu 75 Prozent. Für den Ersatz eines Zahns durch eine Brücke sind seit 2026 für die Regelversorgung insgesamt 921,60 Euro angesetzt; ohne Bonusanteil trägt die Kasse 552,96 Euro, etwa 369 Euro verbleiben beim Patienten. Bei einer Krone werden – je nach Bonus – zwischen etwa 239 und knapp 299 Euro übernommen. Ohne GKV-Zuschuss fiele in all diesen Fällen die volle Summe bei den Versicherten an.

🛡️ Härtefallregel schützt geringe Einkommen Für Menschen mit geringem Einkommen greift die Härtefallregel: Sie übernimmt die gesamten Kosten der Regelversorgung. Wer knapp über der Einkommensgrenze liegt, kann einen erhöhten Festzuschuss beantragen. Dieser Mechanismus dämpft soziale Härten – entfiele die GKV-Leistung, verlöre auch dieser Schutz seine Wirkung.

📣 Warnungen aus Kassen und Zahnärzteschaft Ersatzkassen und die zahnärztlichen Körperschaften warnen, Zahngesundheit dürfe keine Frage des Geldbeutels werden. Der Vorstoß sei medizinisch falsch und ökonomisch kurzsichtig. Zudem sende er ein politisches Signal, das Verunsicherung schüre – mit potenziell negativen Folgen für Konsum und Prävention.

⚖️ Was eine weitgehende Privatisierung bedeuten würde Wer heute bereits mit Festzuschüssen auskommt, sähe sich im Fall einer vollständigen Privatisierung plötzlich mit Vollkosten konfrontiert. Das Risiko, präventive Maßnahmen oder rechtzeitige Behandlungen aus Kostengründen aufzuschieben, würde steigen – mit absehbar teureren Spätfolgen. Die Lastenverteilung im System verschöbe sich zulasten der Versicherten.

🔧 Reform statt Systembruch Konservative Politik verlangt klare Prioritäten, solide Finanzierung und Augenmaß. Sinnvoller als ein abrupter Systemwechsel wäre es, zunächst Strukturen zu modernisieren, Bonus- und Präventionsanreize zu stärken, den Festzuschuss zielgenauer auszusteuern und Missbrauch konsequent zu bekämpfen. So ließe sich die Grundidee solidarischer Absicherung in der Zahngesundheit bewahren und zugleich die Wirtschaftlichkeit erhöhen.

🧾 Fazit Eine ehrliche Debatte über Effizienzreserven, Fehlanreize und den Umfang des GKV-Katalogs ist überfällig – gerade mit Blick auf demografische Lasten und steigende Ausgaben. Doch die weitgehende Privatisierung der Zahnarztbehandlung würde Risiken ungleich verteilen und die Prävention schwächen. Die Balance bleibt gewahrt, wenn verlässliche Daseinsvorsorge ohne blanke Scheckkarte mit einem Leistungssystem verbunden wird, das sich rechnet.

🗨️ Kommentar der Redaktion Ordnungspolitik heißt nicht Abriss auf offener Strecke. Eine komplette Herauslösung der Zahnmedizin aus der GKV wäre ein politischer Irrtum mit sozialen Folgekosten, die am Ende teurer kommen als kluge Prävention. Wer Verantwortung ernst nimmt, saniert zuerst Strukturen, setzt klare Anreize und stoppt Fehlsteuerungen, bevor er Grundpfeiler der Solidarität umstößt. Solide Finanzen entstehen durch Effizienz und Priorisierung, nicht durch die Verlagerung von Risiken auf Familien und Geringverdiener. Die Union sollte den Vorstoß eindeutig zurückweisen und eine belastbare Reformagenda für Zahngesundheit und GKV vorlegen.

Quelle: Externe Quelle

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