DAS NEUSTE

🛡️ Aufrüstung auf Pump: EU-Milliarden für Polens „Superarmee“ – und ein gefährlicher Streit um die Rückzahlung

🛡️ Warschau setzt auf SAFE-Milliarden

💼 Polen treibt den Ausbau seiner Streitkräfte mit Kreditmitteln aus Brüssel massiv voran: Aus dem EU-Programm SAFE sollen nach Regierungsangaben rund 43,7 Milliarden Euro nach Warschau fließen – fast ein Drittel der vorgesehenen Gesamtsumme. Erste Auszahlungen könnten bereits im März 2026 beginnen, sofern Parlament und Staatspräsident das Vorhaben absegnen. In der Hauptstadt entzündet sich zugleich ein offener Streit über die Bedienung der Schulden: Das Finanzministerium verweist auf den Verteidigungsetat, während das Militär vor einer Auszehrung laufender Modernisierungsvorhaben warnt.

🏛️ EU-Instrument SAFE und seine Bedingungen

📊 SAFE ist ein 2025 gestartetes Darlehensinstrument der EU, mit dem die Kommission bis zu 150 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnimmt, um gemeinsame Beschaffungen im Verteidigungsbereich zu günstigen Konditionen zu ermöglichen. Ziel ist es, Staaten beim schnellen und koordinierten Erwerb von Schlüsselkapazitäten zu unterstützen.

🧩 Projekte müssen eine europäische Präferenz erfüllen: Rund zwei Drittel der Wertschöpfung sollen in der EU, im EWR oder in der Ukraine anfallen. Priorisiert werden insbesondere Munition, Luftverteidigung, Drohnen und militärische Mobilität. Deutschland signalisiert Teilnahme an Beschaffungen, will die Finanzierung jedoch ohne EU-Kredit leisten.

🏭 Projektpipeline und Industrieanteil

🧰 Das polnische Verteidigungsministerium hat 139 – überwiegend als geheim eingestufte – Vorhaben gemeldet. Öffentlich genannt werden unter anderem folgende Systeme und Beschaffungen:

  • 🛡️ Piorun-Luftabwehr
  • 🚙 Schützenpanzer Borsuk
  • 💣 Krab-Panzerhaubitzen
  • ✈️ Kauf von Airbus-Tankflugzeugen

🏦 Mehr als 80 Prozent der SAFE-Mittel sollen in die heimische Rüstungsindustrie fließen. Als Kreditnehmer tritt die staatliche Entwicklungsbank BGK auf, das Finanzministerium übernimmt die Garantie.

💸 Schuldenlast und Tilgungspläne

🧾 Politisch brisant ist die Vorbelastung: In den vergangenen Jahren hat Warschau bereits umfangreiche Rüstungsgüter aus Südkorea sowie aus den USA weitgehend kreditfinanziert bestellt; die Rückzahlungen beginnen 2027. SAFE-Kredite würden erst nach zehn Jahren getilgt und laufen bis zu 45 Jahre, doch allein die jährlichen Zinsen werden auf über 1,3 Milliarden Euro veranschlagt. Der Verteidigungsminister hofft offen auf einen teilweisen Schuldenerlass.

⚖️ Haushaltsrisiken und politische Konfliktlinien

🧮 Aus sicherheitspolitischer Sicht ist das hohe Beschaffungstempo nachvollziehbar. Dennoch verlangt konservative Haushaltslogik klare Zuständigkeiten, harte Prioritäten und Transparenz über die Folgekosten. Da SAFE europäische Wertschöpfung erzwingt und damit teils teurer sein kann, bleibt die fiskalische Tragfähigkeit fragil – zumal ungeklärt ist, wer ab 2027 und darüber hinaus die Rechnung trägt. Ohne eindeutige Finanzierungsentscheidungen droht die angestrebte Superarmee zu einem langfristigen Versprechen zu werden, das künftige Verteidigungs- wie Ziviletats bindet.

  • 📉 Zinslast über Jahrzehnte
  • 🏷️ Mögliche Mehrkosten durch europäische Präferenz
  • 🧷 Unklare Zuständigkeit für Schuldendienst

🗨️ Kommentar der Redaktion

🗳️ Sicherheit ist Kernaufgabe des Staates, aber sie darf nicht mit Schuldenautomaten verwechselt werden. Wer jetzt bestellt, muss im Haushalt von morgen zahlen – sichtbar, priorisiert und ohne Taschenspielertricks. SAFE kann Brücken bauen, doch nur, wenn Warschau Tilgungspläne, Obergrenzen und klare Verantwortlichkeiten festschreibt. Eine Armee auf Pump stärkt Europas Abschreckung nur dann, wenn die Finanzierung dauerhaft solide steht. Andernfalls droht ein kreditgetriebener Rüstungswunschzettel, der Steuerzahler und Streitkräfte zugleich schwächt.

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