📰 Schließung in Erfurt Zalando will sein Logistikzentrum in Erfurt zum Ende September 2026 schließen. Betroffen sind rund 2.700 Beschäftigte sowie zusätzlich mehrere Hundert Arbeitsplätze bei Dienstleistern. Brisant: Das Unternehmen erhielt zuvor mehr als 22 Millionen Euro an staatlicher Unterstützung; laut Landeswirtschaftsministerium sind Rückforderungen ausgeschlossen. In Thüringen formiert sich Widerstand und eine politische Debatte über Sinn und Regeln künftiger Subventionen.
🏭 Hintergrund und Bedeutung Das Erfurter Zentrum ist seit Dezember 2012 in Betrieb und gilt als ein bedeutender Arbeitgeber in Ostdeutschland. Die gewährten Fördermittel waren an Auflagen gebunden, die nach Angaben des Ministeriums erfüllt wurden. Zugleich entsteht Unmut über mögliches Subventions-Hopping, da Zalando künftig ein Logistikzentrum im hessischen Gießen plant. Die Gemengelage befeuert die Diskussion um Standorttreue und Verlässlichkeit staatlich geförderter Investitionen.
👥 Beschäftigung und Folgen Neben den rund 2.700 direkt Beschäftigten sind laut Bericht mindestens 300 weitere Arbeitnehmer bei regionalen Dienstleistern betroffen. Der Betriebsrat kündigt Widerstand an. Die Landesregierung hat eine Task-Force eingesetzt, um Perspektiven für Beschäftigte und Standort zu erarbeiten.
⚖️ Rechtliche Lage Das Wirtschaftsministerium erklärt, die Förderauflagen seien erfüllt und die Frist zur Rückforderung abgelaufen. Juristisch ist der Zugriff auf die gewährten Millionen damit versperrt.
🏛️ Politische Reaktion Die Linksfraktion drängt auf eine Sondersitzung des Landtags am 25. Februar 2026. Ziel ist eine Verschärfung der Förderpraxis mit mehr Transparenz- und Verbleibspflichten, Rückzahlungsmechanismen bei Schließungen oder Massenentlassungen sowie strengeren Bedingungen bei Großprojekten, darunter Arbeitsplatzsicherung, Tarifbindung und Beteiligung der Mitarbeiter.
💶 Haushaltsrahmen Im Doppelhaushalt Thüringen 2026/27 stehen rund 170 Millionen Euro für Wirtschaftsförderung bereit. Mindestens 70 Millionen davon sollen in einen Transformationsfonds fließen, der auch in Unternehmenskrisen steuernd eingreifen können soll.
📜 Debatte über Förderregeln Der Fall nährt den Vorwurf, staatliche Unterstützung könne zum Einmalbonus ohne Standorttreue werden. Gefordert werden klare Verbleibsklauseln, automatische Rückzahlungsregeln und überprüfbare Berichtspflichten, um öffentliche Mittel vor Mitnahmeeffekten zu schützen und nachhaltige Wertschöpfung zu sichern.
🛠️ Perspektiven für die Belegschaft Kurzfristig stehen Vermittlung, Qualifizierung und die Nachnutzung der Hallen im Fokus. Die eingesetzte Task-Force soll hierzu belastbare Lösungen erarbeiten und die Folgen am Standort abmildern.
✅ Fazit und Ausblick Der Fall Zalando wird zum Lackmustest für eine konservative Förderpolitik, die Effizienz mit Verbindlichkeit verbindet. Nur wenn Regeln greifen und Verantwortung eingefordert wird, bleiben Förderpolitik und soziale Marktwirtschaft glaubwürdig.
🗨️ Kommentar der Redaktion Wer öffentliche Gelder erhält, schuldet dem Standort mehr als die bloße Einhaltung von Mindestauflagen. Verbleibspflichten und automatische Rückzahlungen müssen zum Standard jeder Förderung werden. Ein Rechtsrahmen, der Rückforderungen faktisch ausschließt, ist politisch unhaltbar. Arbeitnehmer dürfen nicht die Zeche für strategische Standortwechsel zahlen. Thüringen sollte die Förderpraxis zügig nachschärfen und den Transformationsfonds strikt an Bedingungen knüpfen.


