📰 Weckruf aus Bautzen In der Oberlausitz wächst die Sorge, dass der versprochene Strukturwandel ins Stocken gerät. Der Bautzener CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann warnt, nach dem ersten Drittel des Zeitplans fehlten spürbare Impulse: Der Kohleausstieg sei Realität, neue industrielle Wertschöpfung aber noch zu selten sichtbar. Er fordert deutlich mehr Tempo, damit die Region nicht weiter an Menschen und Arbeitsplätzen verliert. Die Meldung datiert vom 13. Februar 2026.
📉 Strukturelle Altlasten Seit den 1990er-Jahren stehen die Landkreise Bautzen und Görlitz unter erheblichem Anpassungsdruck. Nach Angaben Schiemanns gingen seit 1990 rund 100.000 Industriearbeitsplätze verloren – unter anderem in Textilindustrie, Maschinen- und Waggonbau, Braunkohle- und Energiesektor sowie Glas- und Landwirtschaft. Zugleich schrumpfte die Bevölkerung deutlich: 1995 lebten dort über 717.000 Menschen, bis 2024 waren es etwa 180.000 weniger.
🚚 Exportstärke mit Verwundbarkeiten Die Region ist stark exportorientiert: 95 Prozent der Industrieprodukte werden außerhalb der Oberlausitz abgesetzt. Diese Außenorientierung unterstreicht wirtschaftliches Potenzial, macht aber zugleich die Bedeutung robuster industrieller Kerne vor Ort sichtbar.
🎯 Prioritäten für den Wandel Damit der Strukturwandel trägt, nennt Schiemann klare Ziele: 10.000 neue Industriearbeitsplätze als Ersatz für die wegfallende Braunkohle, eine leistungsfähige Infrastruktur und starke Wissensstandorte.
- 10.000 zusätzliche Industriearbeitsplätze
- Sechsspuriger Ausbau der Autobahn 4 zwischen Dresden und Görlitz
- Elektrifizierung der Bahnstrecke bis an die polnische Grenze
- Investitionen in Bildungs-, Forschungs- und Entwicklungsstandorte
🏛️ Rahmenbedingungen des Bundes Gefordert werden wachstumsfreundliche Leitplanken, die Wettbewerbsfähigkeit, Investitionssicherheit und Fachkräftebindung stärken. Aus Sicht Schiemanns braucht es verlässliche, planbare Bedingungen, damit Unternehmen investieren und Beschäftigung aufbauen.
⚡ Akute Belastungen Der Transformationsprozess wird derzeit vor allem durch hohe Energiepreise und die nachfolgende Inflation erschwert. Energieintensive Betriebe litten besonders; 2025 kam es zu mehreren Schließungen traditioneller Standorte, was die industrielle Basis schwächt und den Abwanderungsdruck erhöht.
- Glaswerke in Bernsdorf und Schwepnitz (je rund 100 Jobs)
- Glasmanufaktur Tschernitz im benachbarten Brandenburg (circa 300)
- Schamottewerk Wetro (etwa 200)
- MFT-Motorenwerk in Cunewalde (rund 90)
🛠️ Was jetzt zählt Statt Ankündigungen braucht es belastbare Investitionsentscheidungen, schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren und eine Bildungsoffensive, die duale Ausbildung und angewandte Forschung verzahnt. Ein strukturpolitischer Kurs der Verlässlichkeit – technologieoffen, unternehmensnah, frei von Symbolpolitik – soll die Grundlage legen, damit private Investoren Produktionshallen bauen, statt Businesspläne zu verwerfen.
📈 Ausblick für die Oberlausitz Gelingt dieser Kurs, kann die Oberlausitz ihre Exportstärke in neue Wertschöpfung übersetzen. Misslingt er, drohen weitere Betriebsschließungen, demografische Erosion und anhaltende Abhängigkeit von Transferprogrammen. Die Region ist damit ein Prüfstein, ob Deutschland den industriellen Umbau im ländlichen Raum marktwirtschaftlich und zügig zu organisieren vermag.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der Appell aus Bautzen verdient Unterstützung. Ohne bezahlbare Energie, ausbaufähige Verkehrsachsen und Planungssicherheit bleibt der Strukturwandel ein Versprechen auf dem Papier. Politik muss jetzt Hürden abbauen, nicht neue aufstellen, und sich auf funktionierende industrielle Kerne statt auf Symbolpolitik konzentrieren. Technologieoffenheit und Verlässlichkeit sind keine Floskeln, sondern die Voraussetzung, damit Betriebe investieren und Fachkräfte bleiben. Wer zaudert, riskiert weitere Schließungen und die Erosion ganzer Landstriche. Es ist Zeit, vom Reden ins Machen zu kommen.


