🧭 Beschluss und Konfliktlinie Brandenburg und der Bund haben sich auf die Westumfahrung von Fürstenberg/Havel entlang der B96 festgelegt. Die Trasse verläuft durch Teile des Naturparks Stechlin‑Ruppiner Land, was Widerstand mobilisiert und gerichtliche Auseinandersetzungen wahrscheinlich macht. Zugleich erhoffen sich Stadt und Land eine spürbare Entlastung der vom Durchgangsverkehr geplagten Innenstadt.
🗺️ Hintergrund und Kurswechsel Fürstenberg/Havel liegt an der Nord‑Süd‑Achse der B96; seit Jahren wälzt sich der Verkehr durch die enge Innenstadt. 2021 hatte das Land Brandenburg zunächst eine bahnparallele Mittelvariante favorisiert und dies mit dem Schutz des „Freiraumverbunds“ im Landesentwicklungsplan begründet. Nun folgt das Land der Bundeslinie und priorisiert die Westumfahrung – ein Kurswechsel, der Umweltschützer und Teile der Bürgerschaft alarmiert.
🚧 Trasse, Umfang, Kosten und Nutzen Nach derzeitiger Planung soll die zweistreifige Westumfahrung westlich von Fürstenberg zwischen Röblinsee und Peetschsee geführt werden. Das Projekt umfasst rund neun Kilometer, ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 verankert und mit etwa 30,9 Millionen Euro veranschlagt. Der verkehrliche Nutzen wird mit einer Zeitersparnis von rund vier Minuten beziffert – bei zugleich hoher Umweltbetroffenheit, weil ein bislang unzerschnittener, verkehrsarmer Naturraum gequert würde.
- Lage: westlich von Fürstenberg zwischen Röblinsee und Peetschsee
- Ausbau: zweistreifige Umfahrung
- Länge: rund neun Kilometer
- Kostenansatz: etwa 30,9 Millionen Euro
- Nutzen: Zeitersparnis rund vier Minuten
- Bewertung: hohe Umweltbetroffenheit
🏛️ Politische Einordnung und Verfahren Das zuständige Ministerium bestätigt die Festlegung: Verkehrsminister Detlef Tabbert und der Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte sprechen von einem „zentralen Projekt“ für Sicherheit, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Achse. Das Land soll die technische Planung zügig abschließen und das Planfeststellungsverfahren vorbereiten. Eine zeitnahe Entlastung bleibt jedoch fraglich, denn Planung, Genehmigung und Bau werden Jahre beanspruchen.
🌿 Kritik und Rechtsrisiken Kritik entzündet sich am natur- und lärmschutzrechtlichen Risiko. Naturschutzverbände, darunter der BUND Brandenburg, kündigen an, den Planfeststellungsprozess eng zu begleiten und die Einhaltung aller Vorgaben zu prüfen; in Fachkreisen gelten Klagen als wahrscheinlich. Zudem wird infrage gestellt, ob die großräumige Umfahrung die innerstädtischen Probleme tatsächlich wirksam und dauerhaft löst.
🔎 Abwägung und Ausblick Die Entscheidung für die Westumfahrung setzt ein verkehrspolitisches Signal: Der Wille von Bund und Land zur Stärkung der B96 ist eindeutig. Konservative Standortpolitik verlangt beides – belastbare Infrastruktur und sorgsamer Umgang mit geschützten Räumen. Ob der begrenzte Zeitgewinn den Eingriff in einen hochwertigen Naturraum rechtfertigt, wird nun das Planfeststellungsverfahren und womöglich die Gerichte klären müssen. Bis dahin bleibt Fürstenberg/Havel im Stau der Tatsachen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Weichen sind gestellt: Infrastruktur darf nicht weiter jahrelang im Zuständigkeitsdickicht stecken bleiben. Die Umfahrung ist angesichts der Belastung der Innenstadt sinnvoll, sofern die Planung rechtssicher und naturverträglich erfolgt. Vier Minuten sind kein Pappenstiel, wenn sie täglich vielfach wirken und die Achse verlässlicher machen – der Nutzen geht über reine Stoppuhrlogik hinaus. Wer klagt, handelt im Rahmen des Rechts; wer plant, muss gründlich und zügig liefern. Die Devise lautet: bauen mit Maß statt blockieren aus Prinzip.
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