📉 Aktuelle Lage Deutschlands Gasspeicher sind in den vergangenen Tagen rapide abgeschmolzen: Am 9. Februar 2026 lag der Füllstand laut AGSI-Daten bei nur noch 26,99 Prozent – deutlich unter der von Fernleitungsnetzbetreibern als stabilitätsfördernd erachteten Spanne von 30 bis 40 Prozent und weit entfernt von mehr als 41 Prozent Ende Januar. Besonders im Süden zeigt sich die Schwäche der regionalen Puffer, während Ostdeutschland zunehmend durch laufende Importe und LNG-Einspeisungen versorgt wird, bestätigt die Bundesnetzagentur. Diese Lage ist kein akuter Mangel, aber ein warnendes Signal inmitten des Winters.
🧭 Neu geordnete Gasflüsse Seit der Energiekrise 2022 hat Deutschland seine Gasströme neu geordnet. 2025 wurden laut Bundesnetzagentur 1.031 TWh importiert; größte Lieferländer waren Norwegen mit 44 Prozent, die Niederlande mit 24 Prozent und Belgien mit 21 Prozent. Über die LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran flossen 106 TWh ins Netz und deckten damit rund 10,3 Prozent der Gesamtimporte ab. Die gesetzlichen Speicherziele zum 1. November von aggregiert 70 Prozent wurden erreicht; zum Jahreswechsel lagen die Füllstände noch bei rund 47 Prozent, seither wurde witterungsbedingt kräftig ausgespeichert.
🗺️ Regionale Schieflage Die Disparitäten entlang der Netze sind markant. In Bayern sind große Speicher nahezu leer: Wolfersberg zuletzt 4,23 Prozent, Breitbrunn 14,11 Prozent; Bierwang hält sich mit 34,25 Prozent, fällt aber weiter. Der größte deutsche Speicher Rehden in Niedersachsen, wichtig auch für Ostdeutschland, lag bei nur 7,80 Prozent. Demgegenüber sind ostdeutsche Anbindungen etwas besser gepuffert: Kraak 39,24 Prozent, Peckensen 34,37 Prozent, der VGS Storage Hub 29,34 Prozent, der VNG-Speicher 29,39 Prozent. Die Bundesnetzagentur verweist auf unterschiedliche Einspeisemöglichkeiten und LNG-Zugänge im Osten; niedrige Speicherstände allein signalisieren keine Mangellage.
🧩 Markt und Stabilitätsinstrumente Um Netzstabilität abzusichern, hat der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe Anfang Februar zusätzliche Long-Term-Options ausgeschrieben. Entscheidend bleiben jedoch Marktsignale – und hier hakt es: Rehden scheiterte im Sommer mehrfach mit Vermarktungsauktionen, weil Händler keinen ausreichenden Winterpreisaufschlag sahen und sich Einlagerungen nicht lohnten. Ein Sprecher des staatlichen Betreibers Sefe betont, über die Nutzung der Speicher entschieden die Kunden.
🏛️ Politische Flankierung und Branchenstimmen Die Bundesregierung hat im Januar die Gasspeicher-Sicherheitsumlage abgeschafft, mit der seit 2022 staatliche Befüllungen finanziert wurden. Branchenvertreter heben hervor, dass Speicher in den vergangenen Wochen erheblich, teilweise mehrheitlich, zur Versorgung beitrugen; zugleich bleibe die Lage im Süden kritisch. EWE-Chef Stefan Dohler warnt vor fehlenden Einspeicheranreizen und plädiert für eine strategische Reserve nach österreichischem Vorbild. Der ostdeutsche Netzbetreiber Ontras mahnt, LNG schaffe Flexibilität, könne aber die Rolle der Speicher nicht ersetzen.
🔭 Ausblick und Handlungsbedarf Aktuell gilt die Versorgung als beherrschbar, doch ein Füllstand von rund 27 Prozent mitten im Winter ist ein Risiko, das konservative Energiepolitik nicht dem Zufall überlassen sollte. Nötig sind verlässliche Anreizmechanismen für Vorratshaltung oder – falls der Markt sie nicht hervorbringt – klar umrissene, temporäre Instrumente für eine strategische Reserve. Parallel braucht es konsequente Netzverstärkungen und eine nüchterne Prioritätensetzung: Pipeline- und Importzugänge sichern, Preissignale schärfen, staatliche Eingriffe begrenzen, aber im Notfall wirksam machen. Andernfalls droht im nächsten Winter dieselbe Debatte – mit noch dünnerem Puffer.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die sinkenden Speicherstände sind weniger ein Anlass für Alarmismus als ein Prüfstein für Verantwortung. Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, setzt jetzt auf klare Marktanreize und eine strikt befristete strategische Reserve, statt auf ad hoc Eingriffe. Der Süden braucht zügige Netzverstärkungen und verlässliche Füllstrategien, nicht politische Beruhigungspillen. LNG bleibt Brücke und Flexibilitätsquelle, ersetzt aber keine robusten Speicherpuffer. Kurz: Ordnungspolitik vor Symbolpolitik – damit der nächste Winter nicht erneut von vermeidbaren Engpässen überschattet wird.
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