🗞️ Auftritt und Zeichen der Verbundenheit Gregor Gysi hat Anfang Februar 2026 in Görlitz erneut seine familiäre Verbundenheit zur Stadt betont. Am 1. Februar trat der Linken-Politiker im Gerhart-Hauptmann-Theater in der Gesprächsreihe „Auf ein Wort!“ mit Journalist Hans Dieter Schütt auf und suchte anschließend das Geburtshaus seines Ahnen Robert Oettel am Untermarkt auf. Der kurze Abstecher zur Gedenktafel fügte dem Bühnenabend ein bewusst gesetztes Zeichen lokaler Anknüpfung hinzu.
🐔 Historischer Hintergrund Robert Oettel (1798–1884) gilt als Wegbereiter der deutschen Rassegeflügelzucht. Der Görlitzer Kaufmann importierte als einer der ersten asiatische Fleischhühner, die auch im Winter legten, und kreuzte sie mit heimischen Rassen. 1852 gründete er in Görlitz den „Hühnerologischen Verein“, den ersten Geflügelzuchtverein Deutschlands, den er bis zu seinem Tod leitete. Eine Gedenktafel am Untermarkt erinnert an seine Bedeutung für Landwirtschaft und Zuchtwesen. Für Gysi ist Oettel nach eigener Darstellung ein Urahn in väterlicher Linie.
🔁 Kontinuität der Besuche Die nunmehr erneuerte Geste Gysis steht in einer Reihe früherer Görlitz-Besuche, bei denen er die Spuren Oettels aufgriff. Bereits 2018 begleitete ihn der Niederschlesische Kurier zum Grab des Geflügelpioniers auf den Nikolaifriedhof. Diesmal verband Gysi das Theatergespräch mit einer morgendlichen Stippvisite am Oettel-Geburtshaus und hob dort – augenzwinkernd – die entferntere, aber für ihn identitätsstiftende Verwandtschaft hervor.
🧭 Sachlicher Kern Jenseits der Pointe bleibt der relevante Befund: Oettels Wirken prägte Maßstäbe für zielgerichtete Zucht und machte Görlitz im 19. Jahrhundert zu einem Bezugspunkt der organisierten Geflügelhaltung. Die historisch belegte Vereinsgründung vom 18. Oktober 1852 unterstreicht den institutionalisierten Anspruch dieser Bewegung.
🌾 Gegenwartsbezug Gysis Besuch liest sich weniger als nostalgische Folklore denn als bewusste Verknüpfung von Biografie, Stadtgeschichte und landwirtschaftlicher Tradition. Dass ein prominenter Bundespolitiker die lokale Erinnerung an einen Pionier der Nutztierzucht wachhält, ist bemerkenswert – zumal in einer Zeit, in der agrarische Wertschöpfung, Tierzucht und regionale Identität politisch kontrovers verhandelt werden. Die nüchterne Lehre aus Oettels Erbe bleibt aktuell: Fortschritt in der Landwirtschaft braucht Maß, Standards und Verantwortungsbewusstsein – und darf sich weder in Romantisierung noch in bloßer Inszenierung erschöpfen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Tradition und Leistung sind tragende Säulen einer verlässlichen Ordnung – beides wird hier sachlich und ohne Pathos verknüpft. Wer Landwirtschaft und Zuchtwesen ernst nimmt, setzt auf Standards und Verantwortung statt auf Symbolpolitik. Es ist zu begrüßen, wenn Erinnerungspflege nicht zur Folklore verkommt, sondern Maßstäbe verdeutlicht. Politische Debatten um Tierzucht und regionale Identität brauchen mehr Nüchternheit und weniger Inszenierung. Respekt vor dem Erbe und Klarheit im Handeln sind die richtige Antwort auf die Aufgeregtheit der Gegenwart.
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