🌊 Neue Belege für einen früheren Ozean auf dem Mars Ein internationales Forschungsteam um die Universität Bern präsentiert neue Indizien, dass der Mars vor rund drei Milliarden Jahren kein trockener Wüstenplanet war. Demnach waren weite Teile seiner Nordhalbkugel von einem Ozean bedeckt, in einer Größenordnung ähnlich dem irdischen Arktischen Ozean. Die Forschenden stützen sich auf hochauflösende Satellitenbilder und rekonstruieren daraus eine frühere Küstenlinie. Ihr Fazit: Der rote Planet war einst blau – mit grundsätzlich lebensfreundlichen Bedingungen.
🧭 Kontext und bisherige Hinweise Seit Jahren verweisen Mineralfunde, Talnetze und Deltastrukturen darauf, dass auf dem jungen Mars Wasser floss. Viele dieser Spuren galten jedoch als indirekt oder blieben in ihrer Aussagekraft unpräzise. Die neue Arbeit beansprucht, anhand klar erkennbarer geomorphologischer Merkmale den Meeresspiegel eines ehemaligen Ozeans zu identifizieren und frühere Annahmen damit substantiell zu schärfen.
🛰️ Datengrundlage und Methode Analysiert wurden Bilddaten mehrerer Mars-Orbiter, darunter die Berner Farbstereo-Kamera CaSSIS an Bord des ExoMars Trace Gas Orbiter sowie Aufnahmen von Mars Express und dem Mars Reconnaissance Orbiter. Diese hochaufgelösten Beobachtungen liefern ein konsistentes Datengerüst, auf dessen Basis großräumige Landschaftsformen präzise vermessen und zeitlich eingeordnet werden können.
🗺️ Küstenlinie und höchster Wasserstand In einem Abschnitt des Valles-Marineris-Systems, dem Südost-Coprates Chasma, identifizierte das Team deltaartige, steilfrontige Ablagerungen. Solche Strukturen entstehen auf der Erde, wenn Flüsse in große Gewässer münden. Sie markieren den höchsten Wasserstand und erlauben die Rekonstruktion einer antiken Küstenlinie auf dem Mars.
🔬 Bedeutung für Ozean-Hypothese und Habitabilität Laut den Forschenden handelt es sich um den bislang tiefsten und größten nachgewiesenen Mars-Ozean. Deltas und Küsten sprechen für Umweltbedingungen, die die Entstehung und Entwicklung von Leben begünstigt haben könnten. Als nächster Schritt ist die Untersuchung der mineralogischen Zusammensetzung der alten Marsböden vorgesehen, um das geologische Bild weiter zu präzisieren.
⚖️ Offene Fragen und notwendige Bestätigungen Die neuen Befunde verdichten die Ozean-Hypothese erheblich, ersetzen jedoch keine In-situ-Beweise. Altersdatierungen, Prozessketten und alternative Deutungen einzelner Strukturen bleiben kritisch zu prüfen. Bestätigende Bohrkerne, Laboranalysen und künftige Rovermissionen sind erforderlich, um das Bild eines langfristig blauen Mars zweifelsfrei zu untermauern.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Studie setzt einen wichtigen Akzent in einer seit Jahren geführten Debatte, doch sie bleibt eine überzeugende, nicht abschließende Interpretation. Wer aus geomorphologischen Signaturen bereits Gewissheit ableitet, verkennt die Grenze zwischen plausibler Hypothese und gesichertem Befund. Erst Bohrkerne, Laboranalysen und Rovermissionen können den behaupteten Ozean und seine Dauer belastbar belegen. Bis dahin gilt: Sorgfalt vor Spekulation. Skepsis ist angebracht, Präzision Pflicht.
Quelle: Externe Quelle


