DAS NEUSTE

🛠️ Arbeitszeit statt Auszeit: Bayerns Wirtschaftsverband drängt auf Mehrleistung

📰 Neuer Anlauf der Arbeitgeber Am 6. Februar 2026 treibt die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft die Debatte über zusätzliche Arbeitsleistung erneut voran. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen nennt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt nach dem versandeten Vorstoß zur Streichung eines Feiertags im Jahr 2025 zwei Alternativen: einen Urlaubstag weniger pro Jahr oder eine Ausweitung von Tages- und Wochenarbeitszeit. Er knüpft damit an den jüngsten Impuls von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder an, der eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Woche als vertretbar und wachstumsfördernd bewertet. Als groben Referenzwert nennt Brossardt zudem ein potenzielles Zusatzwachstum von 0,2 Prozent, das 2026 dadurch entstehe, dass drei Feiertage auf ein Wochenende fallen.

🧩 Die Alternativen im Überblick Die Idee weniger Urlaub zielt auf eine moderate Erhöhung des jährlichen Arbeitsvolumens. Die Ausweitung von Tages- und Wochenarbeitszeit würde den Einsatz im betrieblichen Ablauf flexibilisieren. Beide Optionen verstehen sich als Impulse innerhalb der bestehenden betrieblichen Praxis und Tarifautonomie und orientieren sich an der Debatte um eine zusätzliche Wochenstunde.

🧭 Politischer und ökonomischer Kontext Die Diskussion um mehr Arbeitsvolumen begleitet Deutschland seit Längerem. Sie speist sich aus schwachem Wachstum, hohen Standortkosten und einem demografisch bedingten Engpass an Fachkräften. Daraus resultiert der Ruf nach pragmatischen Lösungen, die Leistungsfähigkeit und Kapazitäten erhöhen.

🛠️ Instrumente und konservative Leitplanken Das Spektrum der vorgeschlagenen Maßnahmen reicht von steuerlichen Anreizen für Mehrarbeit über flexiblere Arbeitszeiten bis zu einer Stärkung von Produktivität, Innovation und Investitionen. Konservative Stimmen betonen, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht allein durch Umverteilung bestehender Ressourcen entsteht, sondern durch Verlässlichkeit, Planungssicherheit und Rahmenbedingungen, die Leistungsbereitschaft belohnen, ohne betriebliche Praxis und Tarifautonomie zu übergehen.

🧾 Tarifbindung und Hürden Kurzfristig lassen sich die vbw-Ideen nicht per Federstrich umsetzen, denn Urlaubsanspruch und Arbeitszeiten sind in weiten Teilen tariflich fixiert. Änderungen bedürfen Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern, und Gewerkschaften signalisieren Skepsis. Der DGB Bayern hatte zuletzt vielmehr gefordert, Feiertage, die aufs Wochenende fallen, nachzuholen, was der Linie der Arbeitgeberseite entgegenläuft.

🕰️ Teilzeit und Einzelfall In der Teilzeitfrage äußert sich Brossardt differenziert. Teilzeit gilt für Kinderbetreuung oder Pflege als legitim, einen allgemeinen Rechtsanspruch lehnt er jedoch ab. Stattdessen setzt er auf betriebliche Einzelfalllösungen.

📈 Ökonomische Einordnung Ökonomisch gilt, dass zusätzliche Stunden das Arbeitsvolumen erhöhen. Dauerhaft entscheidend bleibt jedoch die Wertschöpfung pro Stunde, die Produktivität und Qualität der Arbeit abbildet. Ein reiner Mengeneffekt ersetzt nicht die Notwendigkeit, die Leistungsfähigkeit der Unternehmen zu stärken.

🤝 Sozialpartnerschaftliche Dimension Eingriffe in Urlaubs- und Arbeitszeitregelungen verlangen tragfähige Kompromisse im Rahmen der Tarifautonomie. Gesetzliche Mindeststandards sind zu beachten, zugleich braucht es Verlässlichkeit und Planungssicherheit für Betriebe und Beschäftigte.

🧱 Doppelansatz für Wettbewerbsfähigkeit Konservativ betrachtet führt kein Weg an einem Doppelansatz vorbei. Erstens ist die produktive Basis zu stärken, und zwar durch Investitionen, Technologie, Qualifizierung und geringere Regulierungsreibung. Zweitens sind zielgenaue Anreize für zusätzliche Arbeitsleistung zu setzen, wo sie betriebs- und lebensrealistisch vereinbart werden können. Nur dann kann aus einer hitzigen Symboldebatte wirtschaftspolitische Substanz werden.

🗨️ Kommentar der Redaktion Mehr Arbeit dort, wo sie sinnvoll ist, und mehr Produktivität überall: Das ist der nüchterne Kurs, den Deutschland jetzt braucht. Forderungen nach Nachholfeiertagen senden in dieser Lage das falsche Signal und konterkarieren den notwendigen Leistungskonsens. Tarifautonomie bleibt unantastbar, doch sie verpflichtet beide Seiten, betriebsnahe Lösungen zu ermöglichen statt starre Besitzstände zu verteidigen. Ein allgemeiner Rechtsanspruch auf Teilzeit würde Kapazitäten zusätzlich verknappen; differenzierte Einzelfalllösungen sind vernünftiger. Politik hat die Aufgabe, Regulierung zu entschlacken und Mehrleistung spürbar zu belohnen. Nur so wird aus Ankündigungen wieder Aufbruch.

Quelle: Externe Quelle

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