🏛️ Streit um Erinnerungskultur in Zittau In Zittau ist ein Streit um die Erinnerungskultur entbrannt: Der Stadtrat fordert die Entfernung des Denkmals für den sowjetischen Schriftsteller Konstantin Fedin, zugleich steht die postum verliehene Ehrenbürgerwürde zur Disposition. Die Debatte kreist um Maßstäbe historischer Einordnung, den Umgang mit Persönlichkeiten der DDR- und Sowjetgeschichte im öffentlichen Raum und die Grenzen nachträglicher Korrekturen. Sie berührt den Anspruch der Stadt, ihre Geschichte kritisch, aber ohne hastige Tilgungen zu bewahren.
📚 Wer war Konstantin Fedin Konstantin Fedin (1892–1977) war ein bedeutender russisch-sowjetischer Autor, der im Ersten Weltkrieg zeitweise als Zivilinternierter unter anderem in Zittau lebte. Später leitete er den sowjetischen Schriftstellerverband und die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Am 24. Februar 1982 verlieh Zittau ihm anlässlich seines 90. Geburtstags postum die Ehrenbürgerwürde.
🗿 Das Fedin-Denkmal Das Zittauer Fedin-Denkmal ist eine Stele an der Südstraße und erinnert an den Schriftsteller und Ehrenbürger. Auffällig ist, dass zwei kleine Friedenstauben, die das Monument zierten, inzwischen fehlen – ein Detail, das als Symbol für einen brüchigen Konsens in der Erinnerungspolitik gelesen werden kann.
🧩 Forderung des Stadtrats und Optionen Der Stadtrat verlangt, die Stele aus dem Stadtbild zu entfernen und auch die Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Damit verbunden ist die Frage, ob eine bloße Versetzung an einen anderen Ort ausreicht oder ob ein klarer Schnitt erfolgen soll. CDU-Stadtrat Dietrich Glaubitz äußerte sich kritisch gegenüber Plänen für einen neuen Standort; seine Skepsis wird geteilt. Die konservative Position betont nachvollziehbare Kriterien, belastbare Begründungen und ein erkennbares öffentliches Interesse, um politischen Stimmungswechseln keine Freibriefe zur Geschichtsumdeutung zu geben.
❓ Kernfragen des Vorgehens Die Debatte konzentriert sich auf Fragen der richtigen Vorgehensweise und der Legitimation möglicher Eingriffe in das Stadtgedächtnis.
- Entfernung oder Versetzung des Denkmals?
- Welche Kriterien und Begründungen tragen eine Entscheidung?
- Liegt ein erkennbares öffentliches Interesse vor?
- Wie werden Transparenz, Dokumentation und ein rechtsstaatliches Verfahren gesichert?
⚖️ Ambivalente Biografie, klare Verfahren Fedins Biografie ist ambivalent: literarisch anerkannt und durch die Zittauer Internierungszeit lokalhistorisch verankert, zugleich Funktionsträger einer sowjetischen Kultur- und Freundschaftspolitik. Gerade diese Doppelrolle macht ihn für die einen zum Erinnerungsort, für die anderen zum Problemfall. Unbestritten ist die formelle Grundlage: Die Ehrenbürgerwürde wurde 1982 verliehen; jede Aberkennung muss politisch tragfähig begründet und in einem transparenten Verfahren beschlossen werden. Gleiches gilt für jeden Eingriff in den Denkmalbestand, der rechtlich und denkmalfachlich zu prüfen ist. Ein eiliger Vollzug ohne klare Dokumentation widerspräche dem Anspruch einer rechtsstaatlich und historisch seriös agierenden Kommune.
🧭 Bewährungsprobe und Ausblick Zittau steht vor einer Bewährungsprobe seiner Erinnerungskultur. Eine konservative, faktenbasierte Linie verlangt: erst prüfen, dann entscheiden – anhand klarer Kriterien, öffentlich nachvollziehbar und jenseits parteipolitischer Kurzfristimpulse. Wenn das Fedin-Denkmal fällt oder versetzt wird und wenn die Ehrenbürgerwürde erlischt, sollte dies das Ergebnis eines sorgfältig begründeten Prozesses sein, der historische Verantwortung wahrt und die Stadtgesellschaft mitnimmt. Wo Denkmale bleiben, braucht es Einordnung durch sachliche Information statt Symbolpolitik. So kann aus einer zugespitzten Debatte eine Entscheidung werden, die Bestand hat.
🗨️ Kommentar der Redaktion Dieser Fall verlangt kühle Abwägung statt schneller Gesten. Wer Denkmäler versetzt oder Ehrenzeichen aberkennt, greift in das kollektive Gedächtnis ein und braucht tragfähige Gründe, klare Kriterien und ein transparentes Verfahren. Einfache Ortswechsel als Kompromiss überzeugen nicht; entweder wird sauber begründet entschieden – oder man lässt es. Symbolpolitik und tagespolitische Stimmungen dürfen nicht zum Maßstab historischer Einordnung werden. Entweder sorgfältig dokumentiert und rechtssicher handeln oder konsequent einordnen und belassen: Alles andere schwächt Vertrauen und vernebelt Geschichte.
Quelle: Externe Quelle


