📰 Einleitung und Anlass
📌 Der britische Energieunternehmer Greg Jackson, CEO von Octopus Energy, übt scharfe Kritik an der Energie- und Strommarktpolitik der EU und Deutschlands. Er betont, dass erneuerbare Energien den Strom verbilligen könnten, in Europa jedoch durch falsche Marktregeln, hohe staatliche Aufschläge und fehlende Flexibilisierung verteuert würden. Ohne Reformen, so seine Prognose, bleiben die Preise hoch und die Akzeptanz der Energiewende erodiert. Anlass der Aussagen sind jüngste Äußerungen Jacksons in einem ntv-Gespräch vom 1. Februar 2026.
ℹ️ Hintergrund und Kontext
🧭 Jackson führt einen der größten Versorger Großbritanniens und verweist auf internationale Beispiele, um Fehlanreize im europäischen System herauszuarbeiten. In Deutschland trifft seine Kritik den seit Jahren schwelenden Zielkonflikt: Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit müssen zusammengebracht werden. Nach seiner Lesart treibt die Ausgestaltung des Marktes, nicht die Technik, die Endkundenpreise. Seine zugespitzte Diagnose, Europa betreibe die Energiewende so, als wolle man ihr Scheitern, ist bereits von deutschen Medien aufgegriffen und in die Strompreisdebatte eingeordnet worden.
🧩 Drei Kritikpunkte im Überblick
📝 Seine Kernthesen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Starre Marktregeln und zu geringe Nutzung von Nachfrageflexibilität verhindern, dass günstiger Wind- und Solarstrom bei Verbrauchern ankommt. Flexible Verbraucherpreise und lastabhängige Steuerung könnten fossile Reservekapazitäten unnötig machen und Kosten senken; Großbritannien nutzt Elemente davon breiter als die meisten EU-Staaten.
- Die Preisbildung im deutschen Strommarkt ist durch hohe staatliche Bestandteile verzerrt. Ein erheblicher Anteil der Rechnung entfällt auf Steuern, Abgaben und Netzentgelte. Dadurch wird Strom aus Photovoltaik erst beim Einspeisen ins Netz teuer; Anreize für lokalen Verbrauch oder Speicher greifen zu selten.
- Ohne Nachsteuerung drohen strukturelle Folgen. Sinkende Kosten für Solaranlagen und Batterien führen dazu, dass immer mehr Haushalte ihren Netzbezug reduzieren. Das Beispiel Pakistan dient als Warnung vor einer Entkopplung zahlungskräftiger Verbraucher; Europa müsse mit marktnahen, dynamischen Tarifen und beschleunigter Digitalisierung (Smart Meter, bidirektionales Laden) gegensteuern.
⚙️ Marktregeln und fehlende Flexibilität
🔄 Jackson argumentiert, dass das Potenzial von Wind- und Solarstrom in Europa durch starre Regeln und fehlende Nachfrageflexibilität ausgebremst werde. Würden Verbraucherpreise stärker an die Netzsituation gekoppelt und Lasten flexibel gesteuert, könnten teure fossile Reservekapazitäten zurückgedrängt und Systemkosten gesenkt werden. Elemente solcher Modelle seien in Großbritannien bereits verbreiteter erprobt als in vielen EU-Staaten.
💶 Staatliche Preisbestandteile als Kostentreiber
🧾 Nach Jacksons Einschätzung verzerren Steuern, Abgaben und Netzentgelte die Preisbildung im deutschen Strommarkt erheblich. Strom aus Photovoltaik werde in dem Moment teuer, in dem er ins Netz eingespeist wird, weil staatliche Bestandteile die Rechnung aufblähen. Preisliche Anreize, Überschüsse vor Ort zu verbrauchen oder zu speichern, fehlten oder wirkten nicht verlässlich genug.
⚠️ Strukturelle Risiken bei ausbleibender Reform
🏠 Sinkende Kosten für Solaranlagen und Batterien könnten den Netzbezug vieler Haushalte dauerhaft senken. Jackson verweist auf das Beispiel Pakistan, wo die starke Eigenversorgung zahlungskräftiger Kunden den Netzbetreiber wirtschaftlich unter Druck gebracht habe. Europa müsse mit marktnahen, dynamischen Tarifen sowie schneller Digitalisierung über Smart Meter und bidirektionales Laden gegensteuern, um eine schleichende Entkopplung zu verhindern.
🧱 Interessen, Lobbyeinflüsse und Gegenstrategie
🚀 Übergreifend macht Jackson Lobbyeinflüsse dafür verantwortlich, dass etablierte Akteure das bestehende System verteidigen, statt es für eine dezentrale, flexible Stromwelt zu öffnen. Seine Gegenstrategie setzt auf Elektrifizierung aller Sektoren, eine schnelle Netzentlastung durch Flexibilität und Speicher sowie auf eine Reform von Preiszonen und Netzentgelten, damit Investitionen dorthin fließen, wo sie systemisch am meisten nützen.
🧭 Politische Implikationen und Ausblick
🧩 Jacksons Fazit ist eindeutig: Nicht die Technologie, sondern die Regeln entscheiden über Preis und Akzeptanz. Ein konservativ-marktwirtschaftlicher Reformkurs mit klaren Preissignalen, weniger Verzerrungen und mehr Wettbewerb um Flexibilität könnte Strom verbilligen, die Versorgungssicherheit erhöhen und den Standort stärken. Für Berlin und Brüssel ergibt sich daraus eine Richtungsentscheidung zwischen zügiger Marktreform und dauerhaft hohen Preisen mit wachsender Abwanderung in die Eigenversorgung.
🗨️ Kommentar der Redaktion
🗳️ Die Diagnose ist ernüchternd und trifft einen Kern: Ohne klare Preissignale und schlanke Abgaben bleibt Strom unnötig teuer. Wer Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit ernst nimmt, setzt auf Wettbewerb, Technologieoffenheit und fiskalische Disziplin statt auf kleinteilige Steuerung. Dynamische Tarife, flexible Laststeuerung und fair ausgestaltete Netzentgelte müssen schnell umgesetzt werden, sonst wandern gut zahlende Kunden in die Eigenversorgung ab. Berlin und Brüssel sollten ideologische Experimente beenden und die Marktordnung pragmatisch modernisieren. Reformen gehören auf die Agenda jetzt, nicht in die ferne Zukunft.
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