📈 Konjunktur und Marktvertrauen Spanien setzt im europäischen Vergleich den Takt: Die Wirtschaft wuchs 2025 um 2,8 Prozent, die Arbeitslosenquote fiel Ende des Jahres erstmals seit 17 Jahren unter zehn Prozent. Ein kräftiger Börsenaufschwung und Höherstufungen durch Ratingagenturen unterstreichen das Vertrauen der Märkte. Doch die Frage, ob der Aufschwung strukturell trägt, bleibt offen.
🧩 Strukturelle Treiber Tragende Säulen des Erfolgs sind die Entschuldung von Haushalten und Unternehmen, ein Leistungsbilanzüberschuss sowie eine deutliche Stärkung des Dienstleistungsexports. Diese Kombination stützt die Widerstandskraft der Wirtschaft.
🌐 Dienstleistungsexporte als Schutzschild Der Anteil der Dienstleistungen an der Wirtschaftsleistung stieg seit der Pandemie von maximal 6,5 auf 8,5 Prozent. Spaniens stärker dienstleistungsbasierte Struktur macht das Land weniger verwundbar für globale Handelsbarrieren als klassische Industrienationen.
👷 Arbeitsmarkt und Zuwanderung Seit 2021 kamen rund 1,2 Millionen Menschen ins Land; 2025 entfielen 43 Prozent der neu geschaffenen Stellen auf Zuwanderer. Laut BBVA machten Migranten 2024 etwa die Hälfte des Wachstums von 3,5 Prozent aus.
🤝 Integration und Rechtsrahmen Die Regierung hat jüngst rund 500.000 Menschen ohne Papiere unter Auflagen legalisiert und damit die Integration in den Arbeitsmarkt beschleunigt. Der Großteil der Neuankömmlinge stammt aus Lateinamerika; irreguläre Ankünfte über das Mittelmeer machen dem Regierungschef zufolge nur einen kleinen Anteil aus.
⚡ Energiepreise und Investitionen Günstige Strompreise und verlässliche Langfristverträge ziehen Investoren an. US-Technologiekonzerne planen Milliarden für Rechenzentren und setzen damit ein Signal für den Standort.
🛠️ Infrastruktur als Engpass Netzengpässe bremsen den Ausbau und verweisen darauf, dass Infrastruktur und Planung mit dem Tempo des Wachstums Schritt halten müssen.
🏛️ Politische Risiken Die politisch fragile Minderheitsregierung hat seit 2023 keinen Haushalt verabschiedet. Internationale Analysten warnen entsprechend vor steigenden politischen Risiken.
🏠 Strukturdefizite im Inland Ein massiver Wohnungsmangel von geschätzt 700.000 Einheiten, lange Wartezeiten im Gesundheitswesen sowie Investitionsstaus bei Schiene und Stromnetz markieren Schwachstellen mit potenzieller Bremswirkung.
🔭 Ausblick 2026/27 Mit dem Auslaufen der EU-Aufbaugelder und einem abkühlenden Tourismus dürfte das Expansionstempo 2026/27 nachlassen.
🧭 Agenda für Verstetigung Wer den Aufschwung verstetigen will, braucht Haushaltsdisziplin, schnelleres Planen und Bauen, Verdichtung in Ballungsräumen, beschleunigte Netzinvestitionen sowie eine Migrationspolitik, die Arbeitsmarktintegration mit Aufnahmekapazitäten in Einklang bringt.
🗨️ Kommentar der Redaktion Spanien überzeugt mit Tempo, aber Dauerhaftigkeit erfordert mehr als gute Quartalszahlen. Ohne einen tragfähigen Haushalt bleibt der Aufschwung politisch exponiert. Vorrang haben solide Finanzen, straffe Verfahren und entschlossener Wohnungsbau, bevor neue Verpflichtungen eingegangen werden. Erst eine belastbare Energie- und Netzinfrastruktur rechtfertigt weitere Großansiedlungen. Migration stärkt, wenn Integration konsequent an Kapazitäten ausgerichtet ist; sonst drohen Überlastung und Gegenreaktionen.
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