🔍 Legenden und Belege: Zittau zeigt die Zittwerke im Realitätscheck

📰 Ausstellung prüft Mythen Das Stadtmuseum Zittau rückt mit einer neuen Ausstellung die Geschichte der sogenannten Zittwerke ins Licht und trennt Lokalsagen von historisch belastbaren Befunden. Ziel ist es, verbreitete Mythen zu prüfen und eine quellengestützte Sicht auf das NS-Rüstungsprojekt zu vermitteln. Museumsleiter Peter Knüvener flankiert den Auftakt mit der Publikation „Mythos Zittwerke“.

🏭 Hintergrund der Zittwerke Bei den Zittwerken handelte es sich um ein Tarnunternehmen der Junkers Flugzeugwerke aus Dessau. Im Zuge der Bombardierungen Mitteldeutschlands wurde 1943/44 Produktion in den Raum Zittau verlagert; Kern wurde eine Kaserne im heute polnischen Kleinschönau (Sieniawka). Ende 1944 begann unter unmenschlichen Bedingungen die Fertigung von Jumo-Triebwerken für das Düsenjagdflugzeug Me 262, gestützt auf den massenhaften Einsatz von Zwangsarbeitern und Häftlingen. Um das Areal und seine Nutzung ranken sich bis heute Legenden, etwa über vermeintliche unterirdische Produktionsanlagen.

🔎 Entmythologisierung als Prinzip Die Ausstellung stellt dokumentierte Abläufe, Orte und Verantwortlichkeiten den populären Erzählungen entgegen und setzt auf Nüchternheit statt Sensation. Damit werden verbreitete Mythen geprüft und eine überprüfbare Grundlage geschaffen.

📖 Begleitbroschüre Mythos Zittwerke Die Broschüre bündelt die Forschung, arbeitet Mythen auf deutscher wie polnischer Seite systematisch auf und ediert Zeitzeugnisse, darunter das Tagebuch einer Zwangsarbeiterin. Das Heft ist im Museumsshop erhältlich und kann auch als kostenfreier Download bezogen werden.

🗺️ Quellen und Topografie Im Zentrum steht die quellengestützte Rekonstruktion des Produktions- und Herrschaftsapparats sowie die topografische Einordnung der erhaltenen Bauten, die trotz ihrer Präsenz lange nur einem kleinen Kreis bekannt waren.

🧭 Einordnung und Relevanz In Zeiten, in denen spektakuläre Erzählungen über vermeintliche Geheimanlagen Aufmerksamkeit versprechen, setzt das Projekt einen notwendigen Kontrapunkt. Die Ausstellung ordnet Technik-, Orts- und Gewaltgeschichte quellensicher und grenzüberschreitend ein und stärkt damit die regionale Erinnerungskultur.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die Entscheidung, Mythen konsequent zu prüfen und durch Quellen zu ersetzen, ist richtig und überfällig. Wer über die Zittwerke sprechen will, muss Archivarbeit und überprüfbare Befunde akzeptieren, nicht Gerüchte. Das Spektakel um angebliche Geheimanlagen mag Aufmerksamkeit erzeugen, verdeckt aber die Realität von Zwangsarbeit und Gewalt. Aus Respekt vor den Opfern ist Nüchternheit geboten, nicht Sensationslust. Maßstab für die Debatte sollten belegte Fakten sein – nicht die Verlockung des Geheimnisvollen.

Quelle: Externe Quelle

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