📌 Kernbefund
🇺🇸 Neue Forschungsergebnisse aus Kiel liefern eine unbequeme Botschaft für Washington: Die jüngsten US-Strafzölle treffen nicht vornehmlich ausländische Anbieter, sondern belasten vor allem die eigene Volkswirtschaft. US-Importeure und Verbraucher tragen 96 Prozent der Zolllast. Die Staatseinnahmen aus Zöllen legten 2025 um rund 200 Milliarden US-Dollar zu und werden damit faktisch aus amerikanischen Taschen bezahlt. Im Ergebnis wirken die Abgaben wie eine Konsumsteuer im Inland.
ℹ️ Hintergrund
🧪 Die Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft wertet über 25 Millionen Lieferungsdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar aus. Der Befund widerspricht der politischen Erzählung, wonach andere die Abgaben tragen würden. Ausländische Exporteure senken ihre Preise nicht in einem Umfang, der die Zölle ausgleicht. Die Mehrkosten werden vielmehr entlang der Lieferkette bis zum Endkunden durchgereicht.
🔎 Details
- Lastverteilung: Nur etwa vier Prozent der Zolllasten bleiben im Ausland, der Rest landet bei US-Käufern. Das erklärt steigende Zolleinnahmen, ohne dass die Importpreise vor Zoll im selben Maß fallen. Für Unternehmen bedeutet dies niedrigere Margen, für Haushalte höhere Verbraucherpreise.
- Marktreaktionen: Die Vielfalt und das Volumen verfügbarer Güter gehen zurück. Unternehmen reagieren nicht mit Preisnachlässen, sondern mit geringeren Liefermengen. Die Auswahl schrumpft, während die Preise hoch bleiben.
- Fallbeispiele Brasilien und Indien: Unerwartete Zollerhöhungen im August 2025 auf 50 Prozent für Brasilien sowie von 25 auf 50 Prozent für Indien bestätigten das Muster. Die Exportpreise blieben stabil, das Exportvolumen in die USA sank spürbar. Für indische Waren gingen Exportwert und Menge in die USA um bis zu 24 Prozent zurück. Geliefert wurde weniger, nicht billiger.
🏛️ Fazit
🧾 Für eine nüchterne, haushaltsorientierte Wirtschaftspolitik fällt die Bilanz ernüchternd aus. Zölle schaffen zwar kurzfristig Einnahmen, funktionieren aber als verdeckte Binnensteuer, die Kaufkraft und Unternehmensrenditen in den USA schmälert. Der strategische Nutzen bleibt fraglich, wenn die Lasten überwiegend die eigene Bevölkerung treffen, die Produktauswahl sinkt und Lieferketten ausdünnen. Wer Wettbewerbsfähigkeit, Preisstabilität und Investitionen stärken will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen und zielgerichtete Standortpolitik statt fiskalisch motivierter Zollschranken, die sich als Bumerang erweisen.
🗨️ Kommentar der Redaktion
🧭 Die vorliegenden Befunde sind ein Weckruf für Haushaltsdisziplin und Verlässlichkeit. Zölle, die nahezu vollständig im Inland bezahlt werden, sind keine tragfähige Strategie. Wer Wachstum will, setzt auf verlässliche Rahmenbedingungen und zielgerichtete Standortpolitik statt auf fiskalisch motivierte Schranken. Preisstabilität, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit entstehen durch Planbarkeit, nicht durch Abgaben, die Kaufkraft und Renditen schmälern. Symbolpolitik wird der wirtschaftlichen Realität nicht gerecht, wenn sie sich als Bumerang erweist.


