⚡ Meilenstein im EU-Strommix Erstmals seit Beginn der europäischen Energiewende erzeugten 2025 Wind- und Solarenergie in der EU mehr Strom als fossile Brennstoffe. Nach einer Auswertung des Thinktanks Ember entfielen rund 30 Prozent des Strommixes auf Wind und Sonne, fossile Energieträger kamen auf 29 Prozent. Das Ergebnis gilt als Meilenstein, fällt allerdings knapp aus und rückt die Frage in den Fokus, ob das Netz mit der Dynamik der Erneuerbaren Schritt hält. Die Analyse wurde am 22. Januar 2026 veröffentlicht.
🧩 Verschiebung im Energiemix Der Strukturwandel setzt sich fort: Der Kohlestrom sank 2025 auf den historischen Tiefstand von 9,2 Prozent. Gleichzeitig stieg die Gasverstromung gegenüber 2024 um acht Prozent, begünstigt durch eine um etwa zwölf Prozent schwächere Wasserkrafterzeugung. Der Trend zeigt, dass der Rückgang bei der Kohle nicht automatisch durch fossiles Gas ersetzt wird, Wettereffekte fossile Reserven aber kurzfristig wieder stärken können.
🌍 EU-weiter Rekord mit unterschiedlichen Ausgangslagen Der neue Rekord gilt EU-weit, doch die Lage ist heterogen. In 14 von 27 Mitgliedstaaten übertrafen Wind und Sonne die fossilen Energieträger; in mehreren Ländern – von Estland bis Italien und Polen – dominierten weiterhin fossile Quellen. Deutschland und Ungarn überschritten den Kipppunkt bereits 2024; die Niederlande und Kroatien folgten 2025. Für die Versorgungssicherheit bleibt die nationale Ausgangslage damit unterschiedlich.
☀️ Photovoltaik als Haupttreiber Die Solarstromproduktion legte im vierten Jahr in Folge um mehr als 20 Prozent zu und erreichte 2025 rund 369 TWh. Wind blieb trotz eines leichten Rückgangs die zweitstärkste erneuerbare Quelle. Die schwächere Wasserkraft wirkte preistreibend: Die Gasimportrechnung des EU-Stromsektors stieg 2025 auf etwa 32 Milliarden Euro, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und Preisspitzen am Gasmarkt schlugen sich in höheren Großhandelspreisen in 21 Mitgliedstaaten nieder.
🚧 Das Netz als Nadelöhr Das Nadelöhr verläuft inzwischen weniger bei der Erzeugung als im Netz. Engpässe führen zu steigenden Kosten und zur Abregelung von Ökostrom: 2024 näherten sich die Aufwendungen für Engpassmanagement in Europa neun Milliarden Euro; rund 72 TWh – überwiegend erneuerbar erzeugt – wurden wegen Netzengpässen nicht genutzt. Experten sprechen von einem wachsenden Flaschenhals auf dem Weg zur Klimaneutralität.
🏗️ Investitionsbedarf und Genehmigungen Die Europäische Kommission beziffert den Investitionsbedarf für Übertragungs- und Verteilnetze bis 2030 auf rund 584 Milliarden Euro. Der kumulierte Betrag für das Jahrzehnt umfasst Modernisierung, Digitalisierung und den Ausbau grenzüberschreitender Kapazitäten. Ohne beschleunigte Genehmigungen und klare Anreize drohen weitere Anschluss- und Transportverzögerungen.
📌 Kernzahlen 2025 auf einen Blick Kurze Übersicht der wichtigsten Befunde:
- Wind und Sonne: rund 30 Prozent des EU-Strommixes; fossile Energieträger: 29 Prozent.
- Kohlestrom: 9,2 Prozent.
- Gasverstromung: +8 Prozent gegenüber 2024; Wasserkraft: etwa -12 Prozent.
- Solarstrom: rund 369 TWh; Wachstum von mehr als 20 Prozent im vierten Jahr in Folge.
- Gasimportrechnung: etwa 32 Milliarden Euro; +16 Prozent zum Vorjahr; Preisspitzen in 21 Mitgliedstaaten.
- Netzengpässe: Engpasskosten nahe neun Milliarden Euro (2024); Abregelung rund 72 TWh.
🧭 Ausblick Der symbolische Vorsprung von Wind und Sonne ist ein Fortschritt, aber kein Freibrief. Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit hängen zunehmend von belastbaren Netzen, ausreichender Flexibilität und besserer Marktintegration ab. Priorität hat der rasche Ausbau sowie die intelligente Steuerung der Stromnetze, flankiert von Planungssicherheit für Investoren und einem nüchternen Blick auf volkswirtschaftliche Kosten. Die Energiewende entscheidet sich zunehmend zwischen Umspannwerk und Leitungstrasse.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der knappe Vorsprung von Wind und Sonne darf nicht über strukturelle Defizite hinwegtäuschen. Ohne zügigen Netzausbau, klare Anreize und schnellere Genehmigungen drohen höhere Preise und ineffiziente Abregelungen. Klimapolitik braucht Realismus: Wetterrisiken, schwankende Erzeugung und steigende Gasrechnungen verlangen robuste Infrastruktur statt symbolischer Siege. Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, setzt jetzt auf Netzkapazitäten, Flexibilität und konsequente Marktintegration. Erst wenn der Strom zuverlässig ankommt, wird aus dem Meilenstein ein belastbares Fundament.


