DAS NEUSTE

🧊 Bohrkern aus Grönland legt eisfreie Phase im Holozän offen – Forscher sehen Wiederholungsrisiko

🧊 Neue Hinweise auf frühere Eisfreiheit Eine Tiefbohrung am Prudhoe Dome in Nordwestgrönland liefert neuen Zündstoff für die Debatte über die Verwundbarkeit des grönländischen Eisschildes. Sedimente, die unter rund 500 Metern Eis geborgen wurden, deuten darauf hin, dass die dortige Eiskuppel vor etwa 7.000 Jahren vollständig verschwunden war. Die Forschenden warnen, dass ein ähnliches Klimaregime in diesem Jahrhundert erneut möglich ist.

📚 Projekt und Veröffentlichung Das internationale GreenDrill‑Projekt, mitkoordiniert von der University at Buffalo, zielt darauf, Fels‑ und Sedimentproben direkt unter dem Eisschild zu bergen, um frühere Rückzüge präziser zu datieren. Solche direkten Beobachtungen aus dem Untergrund gelten als Schlüssel, um regionale Verwundbarkeiten zu erkennen und Meeresspiegelprojektionen zu schärfen. Der erste GreenDrill‑Befund wurde am 5. Januar 2026 in Nature Geoscience publiziert.

🛠️ Bohrung am Gipfel 2023 bohrte das Team am Gipfel des Prudhoe Dome durch etwa 1.669 Fuß, rund 508 Meter, Eis bis in den Untergrund.

💡 Lumineszenz als Zeitmesser Für die Datierung nutzten die Forschenden Lumineszenz‑Methoden: In der Dunkelheit unter Eis sammeln sich in Mineralkörnern Elektronen an; werden die Körner wieder Licht ausgesetzt, lässt sich aus ihrem „Leuchten“ das letzte Tageslicht‑Datum ableiten. Ergebnis: Die Sedimente sahen zuletzt vor 6.000 bis 8.200 Jahren Sonne – ein starkes Indiz für ein vollständiges Abschmelzen der Eiskappe im frühen Holozän.

🌡️ Temperatursignal und Szenarien Laut Studie lagen die damaligen regionalen Temperaturen am Prudhoe Dome etwa 3 bis 5 Grad Celsius über dem heutigen Niveau. Szenarien deuten darauf, dass derartige Werte bis 2100 wieder erreichbar sind. Der leitende Geowissenschaftler Jason Briner spricht daher von einer „Frage der Zeit“, bis sich der Prudhoe Dome unter dem menschengemachten Klimawandel erneut zurückziehen könnte. Zugleich bleibt offen, wie schnell und in welchem Umfang ein solcher Rückzug ausfallen würde.

⚖️ Konservative Einordnung der Aussagekraft Eine einzelne Bohrung, so wertvoll sie ist, bildet nicht das Gesamtverhalten des grönländischen Eisschildes ab. Dynamik, Topographie und regionale Klimamuster unterscheiden sich stark, weshalb aus einem Lokalbefund nur begrenzt unmittelbare Aussagen für den gesamten Eisschild oder den globalen Meeresspiegel möglich sind.

🔬 Nächste Schritte des GreenDrill‑Teams Die Gruppe plant weitere Auswertungen, darunter Proben vom Eiskappenrand, um die räumliche Übertragbarkeit der Befunde besser einzuordnen.

🧭 Fazit und Konsequenzen Die Studie liefert robuste, direkt gemessene Anhaltspunkte dafür, dass die Prudhoe‑Eiskuppel in einer moderat wärmeren Phase des Holozäns verschwunden war – und damit für die heutige Erwärmung anfällig ist. Politisch heißt das: Vorsorge ja, Alarmismus nein. Erforderlich sind mehr direkte Messpunkte, engmaschige Überwachung und belastbare, regional differenzierte Modelle, bevor weitreichende Schlussfolgerungen gezogen werden. Klar ist jedoch: Je höher und je länger die Erwärmung, desto größer das Risiko eines erneuten Eisrückzugs – mit potenziellen Konsequenzen für Küstenregionen weltweit.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die Befunde sind ernst zu nehmen, aber sie rechtfertigen keine Ausrufezeichenpolitik. Ein Lokalereignis darf nicht vorschnell zum Stellvertreter für den gesamten grönländischen Eisschild erklärt werden. Priorität hat eine nüchterne Risikoabwägung: mehr Messpunkte, klare Unsicherheitsbandbreiten, saubere Modelle. Gleichzeitig ist Untätigkeit keine Option – kosteneffiziente Vorsorge und überprüfbare Etappenziele sind geboten. Alarmistische Überhöhung schwächt die Glaubwürdigkeit, faktenbasierte Disziplin stärkt sie.

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