🇪🇺 Einleitung: Die Europäische Kommission schärft ihren Kurs gegenüber chinesischen Netzausrüstern. Künftig soll Brüssel Technik von als „hochrisikobehaftet“ eingestuften Anbietern EU-weit verbieten können. Gemeint sind vor allem Huawei und ZTE, deren Komponenten in Mobilfunk- und anderen kritischen Infrastrukturen verbreitet sind. Ziel ist ein einheitlicher, verbindlicher Schutzstandard nach Jahren freiwilliger Empfehlungen.
🧭 Hintergrund: Seit dem Handelsstreit zwischen den USA und China wächst in Europa die Sorge vor Spionage und Sabotage über Netztechnik. Bisher setzte die EU auf Hinweise und Prüfleitlinien; die Umsetzung blieb jedoch lückenhaft. Deutschland hat 2024 einen eigenen Fahrplan beschlossen: Bis spätestens Ende 2026 sollen Huawei- und ZTE-Bauteile aus 5G-Kernnetzen verschwinden, auf den Funkmasten läuft der Übergang bis Ende 2029. Der nun vorgelegte EU-Vorschlag will aus Empfehlungen Rechtspflichten machen – mit Blick auf die Sicherheit, aber auch auf strategische Souveränität.
⚙️ Risikobewertung als Hebel: Kern des Vorhabens ist ein Mechanismus, mit dem die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten Hersteller einer strukturierten Risikobewertung unterzieht. Werden Anbieter als besonders risikobehaftet eingestuft, könnte Brüssel deren Technik für den Einsatz in kritischen Infrastrukturen untersagen. Der Entwurf nennt weder Unternehmen noch Länder, richtet sich faktisch aber gegen Technik aus China.
🏛️ Ausweitung auf kritische Sektoren: Über den Mobilfunk hinaus sollen Verbote auch in anderen sensiblen Bereichen möglich werden, etwa in Energie, Verkehr oder medizinischen Einrichtungen.
- Mobilfunknetze
- Energieversorgung
- Verkehrssysteme
- Medizinische Einrichtungen
🧷 Breiterer Schutzrahmen: Damit wird der Schutzrahmen breiter angelegt und auf zentrale Infrastrukturen ausgedehnt.
📡 Folgen für Netzbetreiber: Für Netzbetreiber bedeutet der Ansatz, dass Planungs- und Investitionsentscheidungen stärker an Sicherheitskriterien ausgerichtet werden müssen und nicht an kurzfristigen Einkaufsvorteilen. Beschaffungen werden damit verbindlich an Risikoabwägungen gekoppelt, was die Auswahl von Komponenten und Lieferanten spürbar beeinflussen dürfte.
🎯 Von Empfehlungen zu Rechtspflichten: Die EU setzt auf einen einheitlichen, verbindlichen Schutzstandard. Nach Jahren unverbindlicher Leitlinien soll nun ein klarer Rechtsrahmen entstehen, der in allen Mitgliedstaaten Geltung entfaltet und eine zersplitterte Umsetzung beendet.
🧩 Umsetzung und Übergänge: Entscheidend wird sein, dass die Mitgliedstaaten die Linie mittragen, realistische Übergangsfristen greifen und alternative Lieferketten belastbar stehen. Der Rechtsrahmen braucht technische Expertise, Transparenz und konsequente Durchsetzung, damit Europas kritische Infrastruktur dauerhaft unabhängiger und widerstandsfähiger wird.
✅ Fazit: Die EU setzt ein deutliches Zeichen: Sicherheit und Resilienz der Netze erhalten Vorrang vor preisgetriebenen Beschaffungen. Der Schritt ist konsequent und überfällig, weil er Sicherheitsrisiken systematisch adressiert und strategische Souveränität stärkt.
🗨️ Kommentar der Redaktion: Der Vorstoß ist richtig und überfällig: Sicherheit muss vor Preis gehen. Freiwillige Hinweise haben nicht ausgereicht; verbindliche Vorgaben sind erforderlich. Die Mitgliedstaaten sollten die Linie geschlossen mittragen, mit realistischen, aber straffen Übergangsfristen. Abhängigkeiten sind zu verringern und alternative Lieferketten belastbar aufzustellen. Entscheidend ist eine konsequente, technisch fundierte und transparente Durchsetzung – ohne Ausnahmen.


