📰 Streit um Goldreserven Aus Sorge vor politischen Risiken in den USA hat Michael Jäger, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler, am 15. Januar 2026 eine zügige Rückholung der in New York gelagerten deutschen Goldreserven angeregt. Auslöser sind neue Eskalationen im Machtkampf zwischen Präsident Donald Trump und der US-Notenbank; Jäger sieht das Vertrauen in die Verlässlichkeit der USA beschädigt. Die Bundesbank hält dagegen und sieht keinen Anlass, an der Verwahrung bei der Federal Reserve zu rütteln.
📦 Bestände und Lagerkonzept Deutschland verfügt über einen der größten staatlichen Goldbestände. Nach der vorzeitig abgeschlossenen Goldverlagerung der Jahre 2013 bis 2017 lagern gut die Hälfte in Frankfurt, der Rest bei Partnernotenbanken in New York und London. Ziel des Lagerstellenkonzepts ist es, Vertrauen im Inland zu stärken und die internationale Handelbarkeit an bedeutenden Finanzplätzen sicherzustellen. Diese Diversifizierung ist für die Bundesbank ein Kernelement eines robusten Reserve-Managements.
⚠️ Jägers Warnung Jäger warnt, das „Vertrauen in die USA“ sei angesichts von Trumps Kurs „erschüttert“, und rät „dringend“, das in den USA gelagerte Gold „heimzuholen“. Seine Begründung: Die institutionelle Unabhängigkeit der Fed stehe unter Druck; das erhöhe das politische Risiko für im Ausland verwahrte Bestände. Zudem sei der frühere DM-Notfallnutzen einer US-Lagerung seit Einführung des Euro entfallen.
🏦 Bundesbank widerspricht Die Bundesbank widerspricht entschieden. Präsident Joachim Nagel nannte die Debatte bereits 2025 ein „No-Go“ und bekräftigte Anfang 2026 die „vollste“ Vertrauensbasis zur Fed New York. Aus Sicht der Notenbank gibt es keinen sachlichen Grund, die bewährte Verwahrung zu verändern.
🌐 Symbolpolitik und Beziehungen Ökonom Rolf Langhammer warnt vor symbolpolitischen Schäden. Eine Repatriierung könne unnötig Zweifel an der Stabilität transatlantischer Notenbankbeziehungen säen und dadurch mehr Verunsicherung als Nutzen stiften.
💱 Liquidität und Einsatzfähigkeit Praktisch verweist die Bundesbank auf den Liquiditätsnutzen der Auslandsstandorte: Gold muss bei Bedarf schnell veräußerbar oder in Fremdwährungen tauschbar sein. Ein Verkauf zur Haushaltssanierung ist ausgeschlossen; die Bundesbank ist gesetzlich unabhängig und nicht weisungsgebunden.
📉 Abwägung der Stabilitätsrisiken Konservative Stabilitätspolitik verlangt, Risiken nüchtern zu gewichten. Die Warnung des Steuerzahlerbundes spiegelt berechtigte Sensibilität für politische Unwägbarkeiten wider. Ebenso trägt die Position der Bundesbank: Vertrauen in bewährte Institutionen, Diversifikation und Liquidität sind für Währungsreserven zentral.
🧭 Pragmatische Schritte statt Rochaden Anstatt hektischer Rochaden bietet sich ein geordnetes Vorgehen an.
- Transparente Prüf- und Inspektionsberichte zur Bestandskontrolle.
- Regelmäßige Stresstests des Lagerstellenkonzepts.
- Klare Kommunikation über die Unabhängigkeit der Bundesbank.
🧾 Fazit So bleibt Deutschlands „eiserne Reserve“ handlungsfähig – ohne Symbolakte, die mehr verunsichern als nützen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Stabilität entsteht nicht durch hektische Manöver, sondern durch Disziplin, Transparenz und die Beachtung institutioneller Regeln. Jägers Mahnung ist ernst zu nehmen, doch sie darf nicht zur Taktgeberin der Reservepolitik werden. Die Bundesbank muss ihre Unabhängigkeit sichtbar leben und durch Prüfberichte sowie Stresstests Vertrauen fortlaufend bestätigen. Ein Kurswechsel allein wegen politischer Lautstärke in den USA wäre Symbolpolitik und unterminierte die Berechenbarkeit deutscher Finanzpolitik. Stärke zeigt sich jetzt in ruhiger Hand, in Diversifikation und in der konsequenten Ausrichtung auf Liquidität statt auf Schlagzeilen.


