📰 Einleitung: Der Vorstandssprecher der Diakonie Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke, warnt vor einer Zuspitzung der Pflegekrise: Für immer mehr Menschen werde professionelle Pflege unerschwinglich. Er fordert eine politische Kehrtwende mit einer klaren Begrenzung der Eigenanteile und einer strukturellen Reform der Pflegeversicherung. Das Versprechen, Pflegebedürftige vor Armut zu schützen, werde derzeit nicht eingehalten.
⚠️ Zuspitzung der Pflegekrise: Nach Einschätzung der Diakonie führt die aktuelle Entwicklung dazu, dass immer mehr Haushalte an ihre Belastungsgrenze geraten. Die Kombination aus steigenden Kosten und lückenhafter Absicherung treibt die Eigenanteile nach oben und untergräbt das Vertrauen in die Verlässlichkeit des Systems.
🧩 Teilkasko-Prinzip und Reformschritte: Die Pflegeversicherung ist als Teilkaskosystem angelegt und deckt nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Reformen der vergangenen Jahre seien überwiegend in kleinen Schritten erfolgt, kritisiert Lenke; ein wirksamer Kurswechsel blieb aus.
💶 Tariflöhne und Kostenanstieg: Die bessere tarifliche Bezahlung der Pflegekräfte gilt der Diakonie als richtig, erhöht aber die Ausgaben in der Pflege. Die Folge sind weiter wachsende Eigenanteile, die zunehmend mehr Pflegebedürftige finanziell überfordern.
🛡️ Deckel für Eigenanteile: Lenke fordert eine verlässliche Begrenzung der von Pflegebedürftigen zu tragenden Kosten. Als Modell bringt er den „Sockel-Spitze-Tausch“ ins Spiel: Pflegebedürftige zahlen nur einen festen Sockelbetrag, alles darüber übernimmt die Pflegeversicherung. Der Sockel müsse unter dem heutigen Eigenanteil liegen.
🚨 Steigendes Sozialhilferisiko: Die Diakonie rechnet 2026 mit einem deutlichen Anstieg der Heimbewohner, die Sozialhilfe beantragen müssen. Bundesweit könnten bis zu 36 Prozent der stationär Gepflegten betroffen sein – ein Alarmsignal für soziale Balance und Systemtragfähigkeit.
⚖️ Breitere Finanzierungsbasis: Um die Pflegeversicherung zu stabilisieren, solle die Beitragsbemessung über Arbeitseinkommen hinaus auch Kapitalerträge und Mieteinnahmen erfassen. Politisch sei dies derzeit schwer durchsetzbar, sozialpolitisch aber notwendig, um die Lasten fair zu verteilen und die Allgemeinheit nicht einseitig zu belasten.
🛑 Keine Kürzungen an der falschen Stelle: Vorstöße, Leistungen zu kürzen – etwa durch die Abschaffung des Pflegegrads 1 –, lehnt die Diakonie ab. Prävention helfe, Menschen länger zu Hause zu versorgen und teure stationäre Pflege zu vermeiden; Kürzungen träfen insbesondere Menschen mit geringem Einkommen.
🧭 Fazit: Die Diagnose ist eindeutig: Steigende Kosten, höhere Eigenanteile und eine lückenhafte Absicherung bringen immer mehr Pflegebedürftige in Bedrängnis. Ein konservativer Ansatz setzt auf Verlässlichkeit, Planbarkeit und Haftungsgerechtigkeit: Eigenanteile verbindlich begrenzen, die Finanzierung auf breitere Schultern stellen und Prävention stärken. Kleine Korrekturen reichen nicht mehr; gefordert sind tragfähige, ordnungspolitisch saubere Entscheidungen, damit Pflege in Deutschland bezahlbar bleibt.
🗨️ Kommentar der Redaktion: Der Befund ist klar und verlangt entschlossenes Handeln: Ohne verbindlichen Deckel bei den Eigenanteilen wird die Pflege zur sozialen Zumutung. Wer Ordnung bewahren will, muss die Finanzierung auf eine breitere Basis stellen und auch Kapitaleinkünfte sowie Mieten einbeziehen. Kürzungen, etwa beim Pflegegrad 1, wären kurzsichtig und volkswirtschaftlich teurer, weil sie Prävention schwächen. Statt weiterer Salamitaktik braucht es jetzt klare Regeln, die verlässlich, planbar und gerecht sind. Politik ist hier in der Pflicht, den Schutz vor Pflegearmut wieder verbindlich zu garantieren.


