📰 Renaissance in Dresden Die DDR-Kultmarke Badusan meldet sich in Dresden selbstbewusst zurück: In Gorbitz wächst die Produktfamilie rund um das Schaumbad, der Vertrieb wird um einen eigenen Spezialitätenladen ergänzt. Hinter der Wiederbelebung steht Unternehmer Johannes Gabel, der Produktion und Vertrieb in einer früheren Supermarktfläche bündelt.
🧼 Historischer Hintergrund Badusan zählt zu den bekanntesten Pflegeartikeln aus DDR-Zeiten. Die Marke entstand in den 1960er-Jahren im damaligen VEB-Kombinat in Gera und prägte mit charakteristischem Duft und Werbeauftritt den Alltag vieler Ostdeutscher. Nach der Wende verschwand sie zeitweise, ehe sie Ende der 2000er-Jahre neu belebt und in der Region Dresden wieder produziert wurde. Die Wiederaufnahme knüpft an das historische Profil an und berücksichtigt die Anforderungen moderner Kosmetikproduktion.
🏭 Produktion in Gorbitz In Dresden-Gorbitz führt Gabel die Linienfertigung in einem ehemaligen Diska-Markt zusammen. Das Tagesgeschäft ist bodenständig: Etikettiert wird teils noch von Hand, sichtbar etwa durch Mitarbeiterin Fatou Faye. Kurze Wege, transparente Abläufe und überschaubare Serien sind Teil des Konzepts.
🛁 Sortiment über das Schaumbad hinaus Parallel erweitert Gabel das Angebot. Wer Badusan kauft, findet zunehmend auch Ostprodukte wie Wusil, Biomalz oder Mekorna – Klassiker, die Erinnerungen bedienen und zugleich als ergänzende Sortimentsbausteine funktionieren.
🛍️ Spezialitätenladen als Vertriebsanker Der Vertrieb wird durch einen eigenen Spezialitätenladen gestützt, der das Markenerlebnis verdichtet und den direkten Draht zum Kunden ermöglicht. Für kleine Traditionsmarken ist dieser Weg strategisch folgerichtig: Er umgeht harte Konditionen des Lebensmittelhandels, schafft Marge im Direktverkauf und bietet Raum für saisonale Aktionen sowie regionale Kooperationen. Ein stationärer Anker erhöht zudem die Sichtbarkeit über den Fabrikverkauf hinaus – wichtig in einem Umfeld ohne große Werbebudgets.
📌 Direktvertrieb im Überblick
- Umgehung der harten Konditionen des Lebensmittelhandels
- Mehr Marge im Direktverkauf
- Spielraum für saisonale Aktionen und regionale Kooperationen
- Höhere Sichtbarkeit durch stationären Anker
⚖️ Zwischen Ostalgie und Gegenwart Kritisch bleibt, ob der Spagat zwischen Ostalgie und moderner Markenpflege dauerhaft trägt. Jenseits der Erinnerungskultur zählen Qualität, Verlässlichkeit und ein stimmiger Preispunkt. Handwerkliche Fertigung schafft Authentizität, skaliert jedoch nur begrenzt.
💸 Kosten und Skalierung Gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe und Verpackung setzen die Margen unter Druck. Handwerkliche Prozesse erhöhen die Glaubwürdigkeit, begrenzen jedoch die Skalierbarkeit.
👥 Kundennähe vor schnellem Wachstum Der eigene Laden reduziert die Abhängigkeit von Großketten, verlangt aber kontinuierliche Frequenz. Badusan setzt auf die Bindung treuer Kundschaft – ein konservativer, risikoaverser Kurs, der Stabilität vor raschem Wachstum priorisiert.
🎯 Fazit Badusan zeigt, wie eine Ost-Marke im Kleinen solide wachsen kann: mit regionaler Produktion, erweitertem Sortiment und kontrollierten Vertriebswegen. Die Marke nutzt ihre Herkunft als Vertrauensvorschuss, ohne sich allein darauf zu verlassen. Entscheidend wird die Balance zwischen Tradition und zeitgemäßen Erwartungen – in Rezeptur, Präsentation und Preis. Für Dresden ist die Expansion mehr als eine nostalgische Fußnote: Sie steht für Mittelstand im besten Sinne – nah am Produkt, nah am Kunden, mit Augenmaß statt Übermut.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der eingeschlagene Kurs ist richtig: Erst liefern, dann wachsen. Romantisierte Erinnerung ersetzt keine verlässliche Qualität und keinen wettbewerbsfähigen Preis. Der Direktvertrieb schafft Unabhängigkeit, verlangt aber strikte Disziplin bei Kosten, Beständen und Frequenz. Handwerkliche Fertigung ist ein Plus an Glaubwürdigkeit, sie braucht jedoch klare Prozesse und belastbare Lieferfähigkeit. Sentiment ist kein Geschäftsmodell; solide Umsetzung und Verlässlichkeit sind es.


