🎭 Uraufführung in Zittau
📰 Am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau hat das Schauspiel „Lepanto in Zittau – oder: Das Meer lehrt die Möwen, den Fisch vom Kopf her zu verschlingen“ von Gerhard Zahner seine Uraufführung erlebt. Die Produktion verknüpft die berühmte Seeschlacht von 1571 mit den Gegenwartserfahrungen von Flucht über das Mittelmeer. Gespielt wird im Haus Zittau auf der Bühne Hinterm Eisernen Vorhang, die Spieldauer beträgt rund 80 Minuten ohne Pause; weitere Vorstellungen sind für Ende Januar bis Anfang März angekündigt.
📜 Historischer Rahmen
🧭 Die Schlacht von Lepanto gilt als Wendepunkt der frühneuzeitlichen Mittelmeermachtverhältnisse: Am 7. Oktober 1571 besiegte die christliche Heilige Liga aus Spaniern, Venezianern und päpstlichen Kontingenten die osmanische Flotte am Eingang des Golfs von Patras. Zeitgenössische und spätere Schätzungen nennen zehntausende Tote. Der historische Ort Lepanto heißt heute Nafpaktos. Die Inszenierung greift dieses Spannungsfeld zwischen europäischer Selbstbehauptung und maritimer Grenzerfahrung auf.
🎯 Motiv und Erzählstruktur
🌊 Zahners Stück führt das Publikum mit zwei Tauchern – einem Türken und einem Griechen – sinnbildlich in die Tiefe der Geschichte. Auf der Suche nach Relikten der Seeschlacht stoßen sie auf Strandgut der Gegenwart: Meeresmüll, eine Kinderpuppe, Anspielungen auf Cervantes – und schließlich auf das Sterben im heutigen Mittelmeer. So überblendet die Regie kriegerische Vergangenheit mit aktuellen Migrationsrouten; die Begegnung mit Flüchtlingen wird als dramaturgischer Kipppunkt gesetzt.
🎬 Regie und Ensemble
👥 Regie führt Charlotte Sofia Garraway, die Ausstattung verantwortet Lina Marie Mayer, die Dramaturgie liegt bei Martin Stefke. Es spielen Marc Schützenhofer (Türke), Philipp Scholz (Grieche) sowie Jonas Maria Lubisch (Ein Schwarzer/Charon).
🧩 Form und Spielweise
⏱️ Der Abend ist als konzentriertes Kammerspiel ohne Pause angelegt und setzt auf knappe Mittel. Die Form betont Verdichtung und Kontrast, die Dauer von etwa 80 Minuten hält die Spannung konsequent.
📅 Termine in Zittau
🗓️ Weitere Vorstellungen sind unter anderem am 25. und 30. Januar sowie am 15. Februar und 6. März in Zittau angesetzt.
⚖️ Einordnung
🧷 Die Uraufführung setzt auf starke Bilder und einen klaren formalen Zugriff: wenig Personal, komprimierte Dauer, deutliche Kontraste. Konservativ betrachtet überzeugt der Ansatz dort, wo er historische Einordnung leistet und die Tragik der Gegenwart ohne Thesen-Deklamation sichtbar macht. Ob der Gleichklang von europäischer Erinnerung und heutiger Migrationsrealität nachhaltige Wirkung entfaltet, entscheidet das Publikum. Unabhängig davon zeigt der Abend, dass ein Regionaltheater große europäische Themen mit begrenzten Mitteln ernsthaft und diskussionswürdig auf die Bühne bringen kann.
🗨️ Kommentar der Redaktion
📝 Diese Premiere überzeugt dort, wo sie nüchtern ordnet und nicht deklamiert. Theater darf deuten, muss aber Maß halten; hier tragen Bild und Form mehr als Parole. Die Gleichklänge zwischen Schlachtengedenken und heutiger Flucht werden klar gezeigt, ohne den Blick zu verengen. Entscheidend ist, dass ein regionales Haus mit Disziplin und Konzentration eine ernsthafte Debatte eröffnet. Mehr Handwerk, weniger Gesinnungstheater: Daran sollte sich die weitere Diskussion orientieren.


