📰 Kohleoffensive 2026 in China Analysen zufolge sollen 2026 weltweit 104 neue Kohleblöcke ans Netz gehen, davon 85 in China. Zugleich wächst der Anteil von Wind- und Solarenergie rasant, und die Kohleverstromung ging 2025 erstmals zurück. Die Kombination aus zusätzlicher Kohlekapazität und Erneuerbaren-Boom verschiebt die Gewichte in der internationalen Klimadebatte spürbar.
⚡ Doppelstrategie prägt die Klimadebatte China handelt gegen den globalen Trend, setzt jedoch nicht auf ein Entweder-oder. Der parallele Ausbau von Kohle und Erneuerbaren ist als strategische Absicherung zu lesen und zwingt andere Akteure, ihre Positionen zwischen Klimazielen und Systemsicherheit neu zu vermessen.
🏭 Versorgungssicherheit als Leitmotiv Peking verfolgt eine nüchterne Versorgungssicherheitsagenda. Kohlekraftwerke werden nicht mehr nur als Grundlastlieferanten verstanden, sondern zunehmend als flexibles Rückgrat, das einspringt, wenn Wetter und Netze den massiven Zubau von Solar- und Windenergie nicht ausreichend abfedern.
📉 Sinkende Auslastung, steigende Kapazität Branchenanalysten erwarten Richtung 2030 sinkende Auslastungsstunden der Kohlekraftwerke. Parallel wächst der Kraftwerkspark weiter, und ein Großteil der weltweit im Bau befindlichen Kohlekapazitäten entfällt inzwischen auf China. In der Summe entsteht ein System, das kurzfristig auf Stabilität setzt, ohne den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen.
🧭 Kernpunkte 2026 Die aktuellen Einschätzungen lassen sich auf drei Kernaussagen verdichten.
- 85 der 2026 global geplanten 104 neuen Kohleblöcke entfallen auf China; sie repräsentieren den Löwenanteil der weltweit neu hinzukommenden Kohleleistung. Gleichzeitig meldet das Land Rekordzubauten bei Photovoltaik und Wind. Die Rolle der Kohle verlagert sich hin zu weniger Dauerbetrieb und mehr Netzstütze in Spitzen und Flauten.
- China ist inzwischen Schwerpunkt der Kohleprojekte in Bau. Diese Kapazitäten werden voraussichtlich mit sinkenden Volllaststunden fahren – ein Hinweis, dass die Regierung Kapazitätssicherheit priorisiert und den CO₂-Pfad durch steigende Anteile nicht-fossiler Erzeugung drücken will.
- Für westliche Industrieländer ist dies eine unbequeme Botschaft. Während Europa und die USA den Kohleausstieg politisch beschleunigen, koppelt China sein Klimaziel an Versorgungssicherheit und gewinnt Zeit für Netzausbau, Speicher und Systemdienstleistungen. Ergebnis sind kurzfristig robuste Reserven, mittelfristig sinkende Kohle-Laufzeiten und langfristig mehr Erneuerbare im Strommix.
🌍 Signal an westliche Industrieländer Der chinesische Kurs konfrontiert Europa und die USA mit der Frage, ob Klimapolitik Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Emissionsminderung zugleich liefern kann. Die Priorisierung von Kapazitätssicherheit dient als Versicherungspolice, während der Erneuerbaren-Boom als strategischer Langläufer wirkt.
🔭 Ausblick und offene Prüfsteine Entscheidend wird, ob die neuen Kohleblöcke überwiegend als Reserve fahren und ob der Ausbau von Netzen und Speichern Schritt hält. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, verbindet sich kurzfristige Stabilität verlässlich mit einem sinkenden Emissionspfad.
🗨️ Kommentar der Redaktion Chinas Ansatz ist nüchtern und machtpolitisch rational. Wer Versorgungssicherheit unterschätzt, riskiert die Akzeptanz der Transformation. Der Westen sollte weniger moralisieren und mehr liefern, nämlich verlässliche Netze, Speicher und marktgerechte Systemdienstleistungen. Die 85 neuen Kohleblöcke sind eine teure, aber klare Versicherung, die nur dann akzeptabel ist, wenn sie tatsächlich überwiegend in Reserve bleiben. Der Maßstab ist simpel Energie erst sichern, dann umbauen, ohne den Ausbau der Erneuerbaren zu behindern. Wer das ignoriert, verliert industriell und politisch.


