📰 Einleitung Im Kaisertrutz in Görlitz ist vom 16. Januar bis 15. März 2026 die Sonderausstellung „Ein Schatz für die Götter. Der Bronzefund von Klein Neundorf“ zu sehen. Erstmals wird der rund 310 Objekte umfassende Bronzehort mit einem Materialgewicht von über 16 Kilogramm öffentlich präsentiert – ein Fund von landesweiter Bedeutung als zweitgrößter Hort der Bronzezeit in Sachsen.
🧭 Bedeutung und Einordnung Die Präsentation macht einen Hort zugänglich, der in Größe und Erhaltungszustand herausragt. Umfang, Gewicht und Kontext machen ihn zum zweitgrößten Hort der Bronzezeit in Sachsen und unterstreichen seine landesweite Bedeutung.
🕰️ Hintergrund der Niederlegung Der Schatz wurde vor etwa 3.000 Jahren nahe Klein Neundorf deponiert. Das Verbergen wertvoller Gegenstände war in der Bronzezeit verbreitet und wird häufig mit religiösen Motiven in Verbindung gebracht. Der Görlitzer Hort enthält sowohl gebrauchte als auch neuwertige Stücke; nur wenige zeigen Spuren bewusster Zerstörung vor der Niederlegung. Die Ausstellung versteht sich als wissenschaftlich begleitete Erstschau eines außergewöhnlich gut dokumentierten Fundes.
🧰 Zusammensetzung des Hortes In der Zusammensetzung dominiert Arbeitsgerät. Allein 136 Sicheln und 50 Beile wurden geborgen; hinzu kommen unter anderem Dolche, ein Schwert, eine Gewandspange sowie Teile eines Pferdegeschirrs.
- 136 Sicheln
- 50 Beile
- Weitere Stücke: Dolche, Schwert, Gewandspange, Teile eines Pferdegeschirrs
🌍 Weiträumige Verflechtungen Material- und Formanalysen weisen überregionale Bezüge aus. Zinn stand im Erzgebirge zur Verfügung, Kupfer musste aus den östlichen Alpen herangeschafft werden. Vorbilder einzelner Dolche verweisen in den Ostkaukasus, während Schwert, Gewandspange und Teile eines Pferdegeschirrs Bezüge nach Südwestdeutschland nahelegen.
- Zinn: Erzgebirge
- Kupfer: östliche Alpen
- Dolchvorbilder: Ostkaukasus
- Schwert, Gewandspange, Pferdegeschirr: Südwestdeutschland
🧪 Bergung und Forschung Bemerkenswert ist die Bergung des Hortblocks am Stück und seine anschließende Freilegung unter Laborbedingungen – ein Vorgehen, das die Kontextinformation außergewöhnlich gut bewahrt. Der Hort ist Eigentum des Landesamts für Archäologie und bildet den Kern einer laufenden Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Erst nach Abschluss der aufwendigen Restaurierung und Auswertung ist eine dauerhafte Präsentation vorgesehen.
🏰 Ausstellungsort Kaisertrutz Der Kaisertrutz, zwischen 1490 und 1520 als Geschützbastei an der Via Regia errichtet und seit 1932 Museum, stellt für die Schau seine Sonderausstellungsfläche bereit.
⏳ Zeitfenster und kuratorisches Konzept Die Görlitzer Präsentation setzt bei aller Strahlkraft des Materials auf Maß und Methode statt auf Sensation. Sie gewährt ein zeitlich begrenztes, wissenschaftlich eingebettetes Fenster in eine spätbronzezeitliche Welt, deren Reichweite weit über die Oberlausitz hinausreichte. Wer den Schatz sehen will, sollte die Gelegenheit bis Mitte März nutzen; die weitere konservatorische und analytische Arbeit hat zu Recht Vorrang vor einer schnellen Dauerpräsentation.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Entscheidung, Priorität auf Restaurierung, Auswertung und Kontexttreue zu legen, ist richtig und konsequent. Archäologie verdient Sorgfalt statt Spektakel; ein vorschnelles Dauerkonzept würde den Wert dieses Hortes schmälern. Dass die Schau zeitlich begrenzt ist, folgt der Verantwortung gegenüber dem Objekt und der Wissenschaft. Die klare Einbindung in ein Forschungsprojekt stärkt Vertrauen und Seriosität. Wer Kultur ernst nimmt, respektiert diese Reihenfolge.


