📰 Überblick In Deutschland nimmt die Influenza-Aktivität im Winterhalbjahr 2025/2026 spürbar zu. Nach den Feiertagen verzeichnen Praxen und Krankenhäuser wieder mehr Atemwegsinfektionen; in den Kliniken steigt der Anteil schwerer Verläufe, die eine stationäre Behandlung notwendig machen. Das Robert Koch-Institut meldet für Anfang Januar 2026 eine weiter zunehmende Grippeaktivität, während COVID-19 rückläufig ist. Die Lage ist ernst, aber beherrschbar – vorausgesetzt, Schutzmaßnahmen und Impfempfehlungen werden konsequent beachtet.
📚 Hintergrund Die Grippesaison beginnt auf der Nordhalbkugel in der Regel im Herbst und dauert bis ins Frühjahr. Eine Grippewelle wird anhand virologischer und syndromischer Surveillance definiert; typisch sind ein Anstieg der Influenzanachweise und der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen (ARE). Für die Saison 2025/2026 wurde der Beginn der Grippewelle bereits in der Kalenderwoche 48 des Jahres 2025 ausgewiesen. Unter den aktuell zirkulierenden Influenzaviren dominieren seit Wochen A(H3N2)-Varianten, A(H1N1)pdm09 wird seltener nachgewiesen.
📈 Entwicklung seit Jahreswechsel Die ARE-Aktivität in der Bevölkerung ist um den Jahreswechsel zunächst abgeflaut und in der ersten Januarwoche (KW 1/2026) wieder angestiegen – bei insgesamt noch moderatem Niveau. Gleichzeitig nimmt die Influenza-Aktivität in den Meldesystemen weiter zu; SARS‑CoV‑2 ist rückläufig.
🧪 Virologische Befunde Im Nationalen Referenzzentrum wurden in KW 1/2026 in 25 von 37 Sentinelproben respiratorische Erreger identifiziert, überwiegend Influenza-A- und -B-Viren. Von 110 im Berichtszeitraum typisierten Influenzaviren entfielen 86 auf A(H3N2) und 22 auf A(H1N1)pdm09. Influenza-Befunde stellen damit den Schwerpunkt des aktuellen Erregerspektrums.
🏥 Krankenhauslage In der Krankenhaussurveillance blieb die Zahl schwerer akuter Atemwegsinfektionen (SARI) um den Jahreswechsel auf moderatem Niveau. Bemerkenswert ist jedoch der steigende Anteil spezifischer Influenza-Diagnosen: Zuletzt trugen 38 Prozent der SARI-Fälle eine Influenza-Diagnose; COVID‑19 lag bei 4 Prozent, RSV bei 3 Prozent. Kliniken berichten entsprechend von mehr Isolations- und Behandlungsaufwand, vor allem bei älteren und vorerkrankten Patientinnen und Patienten.
🚰 Abwasser und Meldedaten Die aggregierte Influenza‑A‑Viruslast im Abwasser ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen; auch die gemäß Infektionsschutzgesetz übermittelten Influenza-Fälle legten weiter zu. Diese Indikatoren stützen den Befund einer an Fahrt gewinnenden Welle.
🧭 Fazit und Empfehlungen Die Datenlage zum 14. Januar 2026 weist auf eine zunehmende Influenza-Belastung in Praxen und Kliniken hin. Von Alarmismus ist abzuraten; gleichwohl verlangt die Entwicklung Disziplin bei Vorsorge und Eigenverantwortung. Prioritär bleiben die folgenden Maßnahmen:
- Impfschutz für Risikogruppen
- Konsequente Hygiene
- Zuhause auskurieren statt krank zur Arbeit
- Stringente Steuerung in Kliniken, um Kapazitäten für schwere Verläufe zu sichern
- Enge Begleitung der Surveillance und frühes Entschärfen regionaler Spitzen durch Politik und Gesundheitswesen
🔎 Ausblick So kann die Welle kontrolliert durch die kommenden Wochen geführt werden.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Lage erfordert Nüchternheit statt Aufgeregtheit. Wer zu den Risikogruppen zählt, sollte sich impfen lassen; alle anderen halten die Grundregeln der Hygiene ein und bleiben krank zu Hause. Kliniken brauchen klare Priorisierung und konsequentes Management, nicht Symbolpolitik. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung müssen die Lage eng überwachen und regionale Spitzen früh abfedern. Halbherzige Appelle genügen nicht – gefordert sind klare Ansagen und verlässliche Umsetzung.


